Im Waterland-Zirkus ist die Manege ein großer Pool

Er ist der einzige seiner Art in Europa: Der ukrainische Wasserzirkus Waterland gastiert im Februar im Neckarpark.

Ungewohntes Bild für Zirkusbesucher: Die Artisten zeigen ihre Kunststücke unter, im und auf dem Wasser.

© Waterland

Ungewohntes Bild für Zirkusbesucher: Die Artisten zeigen ihre Kunststücke unter, im und auf dem Wasser.

Von Petra Mostbacher-Dix

Stuttgart - Ein Fischwesen? Gar ein Tazzelwurm mit güldenen Schuppen? Weder noch. Was sich da – mittelalterlichen Drachenbildern ähnlich – elegant im Wasser empor windet, um dann wieder abzutauchen, das sind Menschen in goldenen Schwimmhäuten. Perfekt in Einklang, exakt im Abstand hintereinander einen wirbelartigen Körper bildend, der sich durch das warme Nass schlängelt.

„28 bis 30 Grad warm ist das Wasser, gefiltert, alle sollen gesund bleiben“, sagt Dmytro Trunov. Er ist Chef von Waterland, einem Wasserzirkus. Vier dieser Art gibt es weltweit. Der einzige in Europa ist Waterland aus der Ukraine – ab 5. Februar zu erleben für zweieinhalb Wochen im Neckarpark.

120 000 Liter Wasser im mobilen Zirkuszelt im Neckarpark Stuttgart

Im mobilen Zirkuszelt steht ein Pool, in den 170 Tonnen Wasser passen, also etwa 170 000 Liter. „Wegen der Kosten, auch fürs Beheizen, befüllen wir das Becken mit 120 Tonnen“, sagt Trunov. Das tue der Show keinen Abbruch, die, so schwärmt er, „unter Wasser, über Wasser und im Wasser“ stattfindet. Die märchenhafte Geschichte rund um die magische Insel Waterland und die Wesen des Fantasiereichs, die nicht nur das Element Wasser, sondern auch Feuer und Luft beherrschen, will verzaubern. Mit Meerjungfrauen, Feen und Piraten, Quallen, Oktopus und Vogelwesen, die durch Flammen und Fontänen schwimmen und bis unter die Kuppel fliegen; die aus Tunneln schlüpfen und vom Himmel fallen; die Saltos schlagen, mit Fackeln, Ringen und mehr jonglieren, aufeinander und auf höchsten Seilen balancieren, springen, schweben und tanzen, mal jazzig, mal lateinamerikanisch, mal elegant auf einer Plattform oder im Wasser.

Das Ganze in glamourösen und exotischen Kostümen aus Glitzer, Glimmer und Animalprint, angetrieben von Saiteninstrumenten, Bässen, Technobeats und Trommelrhythmen, dramatisch in Szene gesetzt durch Lichteffekte. Kurzum, Waterland ist ein wahres Spektakulum. Für Lacher und Atempausen zwischen Aktion und Anmut von Balletttänzerinnen und Akrobaten sorgt der zaubernde Clown Booba alias Oleg Liostaev. Mit seinen Kapriolen will er mit dem Publikum auf Tuchfühlung gehen. Das Wasser komme während der Vorstellung von überall her, „von oben, von unten, von rechts, von links“, erzeuge einen märchenhaften Regen, schmunzelt Booba. Und beruhigt: „Einen Regenschirm brauchen die Gäste nicht mitzubringen.“

In der Ukraine hat Zirkus eine lange Tradition als Kunstform

Denn die Artisten, Tänzerinnen, Spaßmacher und Schaustellenden haben vor allem ein Anliegen: Allen, die zuschauen, das zu geben, was jenen in Krisen- und Kriegsgebieten nicht vergönnt ist: eine unbeschwerte Zeit genießen zu können. Sie alle stammen aus der Ukraine – seit Russland am 24. Februar 2022 ihr Land überfiel und Putins Truppen einmarschierten, sind sie mit einem gnadenlosen Krieg konfrontiert. „Wir können den Krieg nicht beenden“, betont Zirkus-Chef Trunov. „Aber wir können arbeiten und das Geld, das wir verdienen, an unsere Verwandten schicken in der Heimat.“

Als der Krieg begann, war die Truppe gerade in Charkiv. Sie schaffte es, aus dem Land zu kommen, machte in Polen Station, um sich dort neu zu sortieren. Man habe damals noch gedacht, bald zurückzukommen. Bekanntlich kam es anders – und im Winter 2023/24 Waterland erstmals nach Deutschland. Als Kulturbotschafter für ihre Heimat sehen sich inzwischen die Mitarbeitenden des Wasserzirkusses. Zirkus per se hat in der Ukraine eine lange Tradition als Kunstform.

Waterland hat seine Wurzeln in einer kleinen Wandermanege, die vor 25 Jahren in Kiew startete und sich unter Generaldirektor Volodymyr Buhalenko zum bekanntesten Zirkus der Ukraine entwickelte. Zunächst tourte sie vor allem in der Ukraine, in Litauen, Belarus und Georgien. Anfangs mit Kunststücken auf Eis, dann wollte man etwas Einzigartiges und Unwiederholbares schaffen – die Idee eines Zirkus’ auf dem Wasser wurde geboren, der 2022 dann in Europa als Waterland registriert wurde.

In Stuttgart zeigen 27 Artistinnen und Artisten im Neckarpark ihr Können

Zu Waterland gehören rund 100 Akrobatinnen und Akrobaten, Profis des ukrainischen Staatszirkus, die an der Akademie in Kiev ausgebildet wurden. Aber auch Topsportlerinnen und -sportler sind im Team, wie die Kunstturnmeisterin Tetyana Kulikovam sowie die Kunstturnmeister Viktor Baboshko und Yaroslav Handey – auch Eiskunstlaufchamp. Außerdem an Bord: der führende Sportakrobat Maksim Stetsenko und der Trampolinchampion Evgeniy Senchin.

Die Anzahl der Artisten variiere indes von Stadt zu Stadt, heißt es. Im Stuttgarter Neckarpark werden 27 von ihnen auftreten. Mitarbeiterin Iryna Verbivska spricht für alle, wenn sie sagt: „Positive Emotionen sind von unschätzbarem Wert – wir wollen die Menschen glücklich machen.“

Waterland Karten gibt es unter https://waterlandcircus.de/city_de_stuttgart.html

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Erstellt:
14. Januar 2026, 22:10 Uhr
Aktualisiert:
14. Januar 2026, 23:58 Uhr

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