Immer als Erster am Ort des Geschehens

Menschen bei der Polizei (7): Polizeioberkommissar Dominik Englmann ist im Streifendienst tätig – Vielseitigkeit des Berufs reizt ihn

Eine Ölspur auf dem Weg zum Waiblinger Hallenbad – es war ein völlig unspektakuläres Ereignis, das Dominik Englmann bei seinem ersten Einsatz im Streifendienst zu bewältigen hatte. Etwas spannender war der erste Tag in Backnang: Ein Ladendiebstahl rief den Streifenpolizisten auf den Plan. Streifenpolizist zu sein, sei seine Leidenschaft, sagt der 29-Jährige. Nichts anderes könne er sich vorstellen.

Polizeioberkommissar Dominik Englmann und Polizeianwärterin Natalie Pilich fahren derzeit gemeinsam Streife in Backnang. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Polizeioberkommissar Dominik Englmann und Polizeianwärterin Natalie Pilich fahren derzeit gemeinsam Streife in Backnang. Foto: A. Becher

Von Yvonne Weirauch

BACKNANG. Lässig steht Dominik Englmann neben dem Einsatzfahrzeug. Was zunächst cool für das Zeitungsfoto wirkt, zeigt die typische Polizistenhaltung: gerade stehen und beide Hände am Gürtel. Auch wenn der Beamte keine Gegenwehr bei diesem Fotoshooting befürchten muss, hat diese Haltung einen einfachen und technischen Hintergrund: „So hat man die Hand gleich am Teleskopschlagstock, wenn dieser erforderlich sein sollte.“ Die Ausrüstung am Körper ist beachtlich. In einer Schutzweste und am Gürtel ist so einiges verstaut und befestigt: Pfefferspray, Ersatzmagazin, Taschenlampe, Taschenmesser, Waffe und Handschließen sowie das Funkgerät mit dazugehörigem Ohrteil trägt jeder Streifenbeamte mit sich. „Da kommt schon was an Gewicht zusammen“, sagt der Polizeioberkommissar lachend.

Dass er mal die Polizistenlaufbahn einschlagen wird, war fast vorprogrammiert. Er sei „familiär vorbelastet“, da auch der Vater Polizist ist. Nachdem sich Dominik Englmann für den gehobenen Dienst beworben hatte, ist er 2008 in den Polizeidienst eingestiegen, kam nach Waiblingen, anschließend 2012 nach Backnang: „Und hier möchte ich auch nicht weg“, fügt Englmann schmunzelnd hinzu. Polizist wollte er schon immer werden, es sei sein Traumberuf. „Wenn ich meine Schicht antrete, weiß ich nie, was mich erwartet und wie der Tag ausgeht“, beschreibt Englmann die Faszination seines Berufs. Genau das sei es, was ihn reize. Es werde nie langweilig, kein Tag sei wie der andere.

Auf dem Backnanger Revier werde im sogenannten Wechselschichtdienst gearbeitet. 41 Stunden sind es offiziell, die die Beamten wöchentlich arbeiten, Überstunden lassen sich nicht vermeiden. Englmann erklärt den Arbeitsrhythmus: „Der erste Tag beginnt mit der Spätschicht, am zweiten steht dann eine Doppelschicht an – zuerst Früh- und dann Nachtdienst. Die drei folgenden Tage sind frei.“ Zwischen Spät-, Früh- und Nachtdienst werde innerhalb einer Schichtfolge gewechselt. Nach den drei Ruhetagen beginne die Schicht wieder von vorne. „Natürlich kommen auch immer wieder Zusatzschichten dazu, sei es eine zweite Nachtschicht oder Sondereinsätze wie beispielsweise beim Heimspiel von Andrea Berg oder einem Fußballspiel der SG Sonnenhof Großaspach.“ Diese Sondereinsätze blieben meist in Erinnerung, weil sie „immer anders ablaufen“.

Ein Ereignis, das mit keiner Veranstaltung in Verbindung gebracht werden kann, aber Englmann im Gedächtnis haftet, ist ein Tötungsdelikt, das 2014 in Aspach begangen wurde: Eine Mutter hatte ihr Neugeborenes getötet. Er habe den „ersten Angriff“ nach dem Alarm gefahren, wie es im Polizistenjargon heißt. Bedeutet: Der Streifenpolizist war als Erster vor Ort. „Ich habe mit der Frau geredet. Zu diesem Zeitpunkt stand noch nicht fest, dass sie ihr Baby getötet hat“, erzählt der 29-Jährige. Ein beklemmendes Gefühl habe er bekommen, als sich herausstellte, was passiert sei. „Das war unangenehm, zu wissen, man war da vor Ort und dem Geschehen ganz nah.“ Aber mit solchen Situationen müsse er lernen, umzugehen, das weiß der junge Polizist: „Sonst hätte ich mich nicht für den Beruf entschieden.“

Däumchen wird

nicht gedreht

Als Streifenpolizist soll Dominik Englmann möglichst oft auf der Straße präsent sein. Das bedeutet aber nicht, dass seine Kollegen und er ziellos durch die Stadt fahren. „Wir drehen nicht Däumchen, wenn wir keinen Einsatz haben.“ In dem Job langweile man sich nicht. „Wir suchen Brennpunkte auf, führen Geschwindigkeitskontrollen durch oder versuchen Verkehrssünder ausfindig zu machen, die beispielsweise auf schriftliche Verwarnungen nicht reagieren.“ Und sobald es richtig zur Sache geht, ein Alarm eingeht und ein Einsatz ansteht, sind die Streifenpolizisten als Erste vor Ort. Unfälle, Schlägereien, Ruhestörungen, Einbrüche – das ist das tägliche Brot. Zuweilen müssen die Beamten auch einstecken. Der Ton sei rauer geworden, das merkt auch Dominik Englmann an, der sich schon die eine oder andere Beleidigung hat anhören dürfen. „Es gibt schon ein besonderes Klientel, die ihr Missfallen an der Polizei ausdrücken“, umschreibt er es vornehm. Meist seien es Betrunkene und Drogenkonsumenten, die nicht mehr wissen, was sie sagen. Mehrfach leicht verletzt wurde der Beamte auch schon. Der letzte Vorfall liegt erst einige Wochen zurück: „Wir hatten einen Betrunkenen in der Ausnüchterungszelle. Er war ziemlich aggressiv und wollte aus der Zelle flüchten.“ Mit einem Schlag landete Englmann am Schrank: Kapselriss am Arm. Der Polizist zuckt mit den Schultern, er nimmt es gelassen, so scheint es: „Das gehört in unserem Job dazu, dass so was passieren kann.“

Seine Erfahrung gibt er derzeit an Polizeianwärterin Natalie Pilich weiter. Die 26-Jährige ist im zweiten Jahr ihrer Ausbildung und bildet derzeit mit Dominik Englmann ein Einsatzteam im Streifendienst. „Ich wollte eigentlich schon immer zur Polizei, habe mich aber erst mit 25 Jahren für den mittleren Dienst beworben. Zum Glück wurde ich gleich genommen“, freut sie sich. Im Moment sei noch vieles neu und bis auf den einen oder anderen Unfall habe sie noch nicht viele Einsätze gefahren.

Von seiner Pistole musste Englmann bisher noch nie ernsthaft Gebrauch machen. „Auf einen Menschen musste ich zum Glück noch nicht schießen.“ Was regelmäßig vorkomme: „Wir befreien ein Tier nach einem Wildunfall von seinem Leiden, wenn kein Jagdpächter zur Verfügung steht“, sagt der junge Beamte, der seinen Ausgleich in der Freizeit mit seiner Frau findet und der sich neben regelmäßigem Einsatztraining auch sportlich fit hält – er ist Linienrichter bei Fußballspielen in der Oberliga und fährt selbst Motorradrennen. Da schalte er ab: „Es ist auch mal schön, wenn man nicht an die Arbeit denken muss.“ Denn – und das gibt er zu – diese Minuten, in denen er auf der Rennstrecke Gas geben darf, genießt er, denn im öffentlichen Straßenverkehr ist er nicht nur als Polizist auf die Geschwindigkeit bedacht, sondern auch als Verkehrsteilnehmer.

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Erstellt:
17. November 2018, 06:00 Uhr

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