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Immer loyal, nie ein Duckmäuser

Polizeipräsident Roland Eisele geht in den Ruhestand – Der 61-Jährige hat auch gegenüber der Politik nicht mit Kritik gespart

Vom einfachen Streifenpolizisten hat sich Roland Eisele bis zum Polizeipräsidenten hochgearbeitet. Der 61-Jährige ist einer, der immer deutlich seine Meinung gesagt hat, auch gegenüber der Politik. Nun ist Schluss: Ende Juli verabschiedet sich der Chef des Polizeipräsidiums Aalen in den Ruhestand.

Als Streifenpolizist hat Roland Eisele angefangen, als Polizeipräsident geht er nach 43 Dienstjahren in den Ruhestand. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Als Streifenpolizist hat Roland Eisele angefangen, als Polizeipräsident geht er nach 43 Dienstjahren in den Ruhestand. Foto: A. Becher

Von Kornelius Fritz

AALEN/BACKNANG. Der Weg an die Spitze war für Roland Eisele nicht vorgezeichnet. Als 18-Jähriger kam der gebürtige Waiblinger 1976 zur Polizei. Das Gymnasium hatte er abgebrochen, nach der Ausbildung war er einfacher Streifenpolizist. Später holte er die Fachhochschulreife nach, studierte an der Polizeihochschule und stieg zunächst in den gehobenen, später in den höheren Dienst auf.

Heute ist Roland Eisele Chef von rund 1600 Polizisten im Rems-Murr-Kreis, im Ostalbkreis und im Landkreis Schwäbisch Hall, aber er hat nicht vergessen, wie er damals, in den heißen RAF-Zeiten, in Stuttgart das Gerichtsviertel und die Villa des damaligen Ministerpräsidenten Hans Filbinger bewacht hat. „Ich glaube, es ist immer gut, wenn man etwas einmal selbst gemacht hat, denn dann kann man die Dinge gut einschätzen“, sagt der Polizeipräsident. Als Führungskraft trug Roland Eisele später bei vielen wichtigen Einsätzen Verantwortung. Unter anderem leitete er eine Arbeitsgruppe, die für die Sicherheit bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zuständig war. Dass das Sommermärchen bis heute als friedliches Fest in Erinnerung geblieben ist, sieht er auch als Verdienst der Polizei.

Heilbronner Polizistenmord bleibt im Gedächtnis

Aber es gab auch unerfreuliche Erlebnisse. Vor allem ein Tag hat sich in Eiseles Gedächtnis gebrannt: Der 25. April 2007. Erst seit wenigen Monaten war er Dienststellenleiter bei der Polizeidirektion Heilbronn, als dort auf der Theresienwiese die Polizistin Michèle Kiesewetter erschossen und ihr Kollege Martin Arnold lebensgefährlich verletzt wurden. Eisele leitete den Einsatz und war auch selbst am Tatort: „Diese Bilder vergisst man nicht“, sagt er mit zwölf Jahren Abstand. Genauso wenig wie den Druck, der in den folgenden Monaten auf den Ermittlern lastete und der Spott, der sich über sie ergoss, als sich herausstellte, dass die vermeintlich heiße DNA-Spur nicht von der Täterin stammte, sondern von verunreinigten Wattestäbchen.

Eisele war erleichtert, als man die Tat Jahre später dem NSU-Trio um Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zuordnen konnte, auch wenn die Frage nach dem Mordmotiv bis heute nicht zufriedenstellend beantwortet werden konnte.

Viel Zeit hat der Präsident, der 2016 die Nachfolge von Ralf Michelfelder antrat, in die Umsetzung von Reformen und strukturellen Veränderungen gesteckt. Sechs Innenminister hat er erlebt, und jeder hatte seine eigenen Ideen und Vorstellungen. Loyalität zum Dienstherrn ist für ihn als Spitzenbeamter selbstverständlich, trotzdem war Roland Eisele kein Duckmäuser und hat immer seine Meinung gesagt, auch wenn er sich damit nicht nur Freunde gemacht hat. „Ich muss auch noch in den Spiegel schauen können“, lautet sein Credo.

Deshalb hat er zum Beispiel öffentlich kritisiert, dass der Sitz des Polizeipräsidiums 2014 nach Aalen gelegt wurde, das Führungs- und Lagezentrum (FLZ) aber zunächst in Waiblingen blieb. „Das gibt es sonst nirgends“, sagt der Präsident, der diese Lösung „mehr als suboptimal“ fand. Inzwischen wird in Aalen ein neues FLZ gebaut, bei der Eröffnung wird Eisele aber nicht mehr im Dienst sein.

Insgesamt habe sich bei der Polizei aber viel zum Positiven verändert, stellt Roland Eisele im Rückblick fest: „Die Ausstattung ist wesentlich besser als früher“, sagt der Polizeipräsident, der noch Anzeigen mit doppeltem Durchschlag auf der Adler-Schreibmaschine tippte. „Heute haben wir hoch technisierte Arbeitsplätze“, sagt Eisele.

Auch in Sachen Sicherheit habe sich viel getan: Als er anfing, war ein kleiner Gummischlagstock, den die Polizisten „Schwarzwurst“ nannten, neben der Pistole die einzige Verteidigungswaffe, die Beamten hatten weder Pfefferspray noch Schutzweste.

Hausgemachte Gründe für die Personalnot

Auch die viel kritisierte Polizeireform von 2014, als 37 Polizeidirektionen zu zwölf großen Präsidien zusammengefasst wurden, war aus Eiseles Sicht im Grundsatz richtig: „Wir mussten größere Einheiten schaffen“, sagt der scheidende Präsident. Nun sei man auch in der Lage, größere Einsätze mit eigenen Kräften zu bewältigen. Das Ziel, durch die Reform mehr Polizisten auf die Straße zu bringen, wurde allerdings nur in der Theorie erreicht. Angesichts von 70 unbesetzten Stellen ist man zurzeit froh, wenn man auf den Revieren alle Schichten besetzen kann: „Bei Prävention und anderen Küraufgaben müssen wir leider Abstriche machen“, bedauert Eisele.

Fragt man ihn nach den Gründen für den Personalmangel, nimmt der Polizeichef kein Blatt vor den Mund. Die vielen Pensionierungen seien zwar die Ursache für den Engpass, „aber die Altersstruktur war ja lange bekannt.“ Trotzdem habe die CDU-geführte Landesregierung vor zehn Jahren sogar noch rund 1000 Stellen im Polizeidienst gestrichen: „Auch das ist Teil der Wahrheit.“

Ende Juli übernimmt nun der bisherigen Kripo-Chef Reiner Möller den Chefposten in Aalen. Aus Eiseles Sicht eine gute Wahl: „Ich halte ihn fachlich und menschlich für äußerst kompetent, und er hat den Vorteil, dass er unser Präsidium von Anfang an kennt.“ Roland Eisele will sich künftig nicht mehr über Politiker ärgern, sondern lieber selbst Politik machen. In seinem Wohnort Obersulm ist er kürzlich auf der CDU-Liste in den Gemeinderat gewählt worden: „Ich war immer jemand, der gerne bei Entscheidungen mitwirken wollte“, sagt er.

Ansonsten will er aber auf den Rat eines Freundes hören, der ihm empfohlen hat, sich im Ruhestand nicht zu viele Ehrenämter aufschwätzen zu lassen. „Ich will jetzt auch ein bisschen mehr nach mir schauen“, sagt der 61-Jährige und freut sich auf mehr Zeit zum Laufen, Wandern und Radfahren. Das perfekte Revier dafür hat er gleich vor der Haustür, denn Eisele wohnt ganz in der Nähe des Breitenauer Sees.

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Erstellt:
12. Juni 2019, 06:00 Uhr

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