In den Startlöchern

Bernd Knödler und Monika Kaiser wollen die alte Kelter in Bruch retten. Viele bürokratische Hürden waren zuletzt noch zu überwinden. Jetzt kam die Förderzusage vom Denkmalschutz.

Das markante Bauwerk der alten Kelter oberhalb von Bruch bildet gleischsam das Tor zum Weissacher Tal. Fotos: A. Becher/J. Fiedler

© Pressefotografie Alexander Beche

Das markante Bauwerk der alten Kelter oberhalb von Bruch bildet gleischsam das Tor zum Weissacher Tal. Fotos: A. Becher/J. Fiedler

Von Armin Fechter

WEISSACH IM TAL. „Die Brucher Kelter hat eine umfassende Sanierung nötig, die mit dem Dach beginnt“, erklärt Eckart Rosenberger, Vorstandsmitglied der Denkmalstiftung Baden-Württemberg. Die Einrichtung unterstützt die privaten Eigentümer bei der Instandsetzung des Dachs als erstem Sanierungsschritt mit einem Zuschuss in Höhe von 24000 Euro aus Mitteln der Lotterie Glücksspirale. Um die frohe Kunde zu überbringen, war Rosenberger jetzt gemeinsam mit Lotto-Regionaldirektor Michael Layer vor Ort. Die Stiftung ergänzt damit eine vom Landesdenkmalamt zugesagte Förderung in Höhe von 23800 Euro.

Bernd Knödler nahm dies zum Anlass, die Finanzierung für die Keltersanierung transparent zu machen. Von den Gesamtkosten, die sich auf über 600000 Euro belaufen dürften, muss er ein Drittel über Darlehen decken. Umso mehr ist er deshalb auf Fördermittel angewiesen.

Dazu zählt auch eine Zuwendung aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) zum Ausbau der Kelter. Einen entsprechenden Bescheid über rund 90000 Euro überbrachte Staatssekretär Wilfried Klenk im Frühjahr. Knödler geht aber davon aus, dass er nicht die gesamte ELR-Förderung ausschöpfen kann. Denn der Zuschuss ist auf 15 Prozent der förderfähigen Kosten begrenzt – die Ausgaben für den Erwerb der Kelter und die Eigenleistung, die Knödler zusammen mit Freunden bei den Arbeiten einbringen will, gehören nicht dazu. Ähnlich verhält es sich bei den Zuschüssen vom Denkmalschutz: Kann er die auf 180000 Euro geschätzten Kosten für die Dachstuhlsanierung mit Eigenleistungen reduzieren, sinkt anteilig auch die Förderung. Und: Zuschüsse fließen erst nach der Fertigstellung, wenn Rechnungen da sind.

Unklar war dabei zunächst, ob eine Doppelförderung aus Landestöpfen möglich ist. Nach langem Hin und Her wurde aber bestätigt, dass ein stark gefährdetes Kulturdenkmal eine Ausnahme darstellt. Die 1762 für die ortsansässigen Wengerter errichtete Kelter hat ein für solche Gebäude typisches Walmdach. Dieses ist vom Verfall bedroht. „Dabei zeugt gerade der Dachstuhl von einer heute nur noch selten zu findenden Zimmermannskunst: Er wurde aufgesetzt auf einer massiven Eichenbalkenstatik, die dazu diente, die Presskräfte bei der Weinerzeugung aufzunehmen“, erklärt Eckart Rosenberger.

Die historischen Lehmziegel sollen wiederverwendet werden.

Eine weitere Besonderheit des Dachs sei die Deckung: Sie besteht aus handgezogenen, gebrannten Lehmziegeln. Die Spalten dazwischen sind mit Holzschindeln abgedichtet. Nach der Ertüchtigung der Unterkonstruktion sollen die historischen Ziegel wiederverwendet werden, um das Außenbild des Kulturdenkmals zu erhalten. Die Brucher Kelter sei ein echter Gemeinschaftsbau, ergänzt Rosenberger. Sie wurde bis in die 1930er-Jahre durchgängig genutzt. „Dass die Restaurierung auch mit Blick auf künftige Publikumsnutzung erfolgt, könnte diese Tradition in neuer Form fortsetzen“, sagt er. Bernd Knödler und Monika Kaiser wollen im Gebäude Raum für Begegnungen, Treffen und Veranstaltungen schaffen. Unterstützung bei der dazu nötigen Erschließung will Bürgermeister Ian Schölzel seitens der Gemeinde leisten.

Knödler hofft, dass die Mittel vom Denkmalamt reichen, um den Aufwand für Planung und Dokumentation zu decken. Schon jetzt geht es dabei um 15000 Euro. So musste jedes einzelne Bauteil per Videolaserscan aufgenommen werden. Darüber hinaus sollen die Zuschüsse auch noch den denkmalbedingten erhöhten Aufwand bei den Sanierungsarbeiten decken. Nun steht noch die Freigabe durch die für die ELR-Fördermittel zuständige L-Bank aus. Aktuell besonders ärgerlich: Diebe haben große Teile des Gerüsts gestohlen. Doch davon will sich Knödler nicht ausbremsen lassen.

Die Denkmalstiftung fördert private Initiativen und gemeinnützige Bürgeraktionen, die sich für den Erhalt von Kulturdenkmalen engagieren. Dazu dienen Erträge aus dem Stiftungskapital und Mittel aus der Glücksspirale. Daneben ist die Stiftung auf Spenden angewiesen.

Übergabe des Förderbescheids an der alten Kelter (von links): Die Eigentümer Bernd Knödler und Monika Kaiser, Eckart Rosenberger, Vorstandsmitglied der Denkmalstiftung Baden-Württemberg, Michael Layer, Lotto-Regionaldirektor, Bürgermeister Ian Schölzel und Architekt Wolfgang Kühn.

© Jörg Fiedler

Übergabe des Förderbescheids an der alten Kelter (von links): Die Eigentümer Bernd Knödler und Monika Kaiser, Eckart Rosenberger, Vorstandsmitglied der Denkmalstiftung Baden-Württemberg, Michael Layer, Lotto-Regionaldirektor, Bürgermeister Ian Schölzel und Architekt Wolfgang Kühn.

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Erstellt:
2. Oktober 2020, 16:00 Uhr

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