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In der Trauer kann neuer Sinn entstehen

Neue Trauergruppe der Hospizstiftung Rems-Murr-Kreis für Menschen, die sich einen Austausch mit anderen Trauernden wünschen

Trauer darf sein. Trauer zeigt sich bei jedem anders. Und Trauer hat einen Wert. Eine neu entstehende Trauergruppe der Hospizstiftung Rems-Murr-Kreis will Menschen ansprechen, die sich nach dem Verlust eines Nahestehenden einen Austausch mit anderen Trauernden wünschen. Das erste Treffen findet Ende November in Waiblingen statt.

Symbole spielen für Marlis Funk-Becker, Tanja Menz und Susanne Stolp-Schmidt (von links) eine große Rolle. So wird zum Beispiel jedes Mal, wenn ein Hospizbewohner stirbt, die Kerze zum Gedenken angezündet. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Symbole spielen für Marlis Funk-Becker, Tanja Menz und Susanne Stolp-Schmidt (von links) eine große Rolle. So wird zum Beispiel jedes Mal, wenn ein Hospizbewohner stirbt, die Kerze zum Gedenken angezündet. Foto: A. Becher

Von Heidrun Gehrke

BACKNANG/WAIBLINGEN. Eine Frau brachte es lange Zeit nicht übers Herz, den Kleiderschrank ihrer verstorbenen Mutter leerzuräumen. Immer wieder plagten sie Selbstzweifel, ob mit ihrer Trauerarbeit alles okay sei, ob dieses Zögern „noch angemessen“ sei nach dem „Trauerjahr“. Erst in Gesprächen mit anderen lernte sie, dem eigenen Empfinden zu vertrauen: „Es tut gut, zu wissen, der andere versteht mich, wenn eine Erinnerung hochkommt“, sagt Susanne Stolp-Schmidt, Hospizreferentin der Hospizstiftung Rems-Murr-Kreis.

Schon vor über 15 Jahren hatte die Hospizstiftung die Idee zur Gründung einer Trauergruppe. Den Auslöser gaben mehrere Gespräche mit Trauernden, die Antworten auf die Fragen suchten: Wo bin ich mit meiner Trauer, wo will ich hin? Daraus entstanden Angebote, die einen geschützten Rahmen für die menschliche Situation bieten: Unter professioneller Leitung können Trauernde ihren Gefühlen begegnen und sich austauschen, entweder in einer Gruppe oder in Einzelgesprächen, mehrtägig oder bei regelmäßigen Treffen.

Die Teilnehmer teilen ein gemeinsames Schicksal

Die Ende November startende Trauergruppe hat die Besonderheit, dass sich im Gegensatz zu dem seit längerer Zeit bestehenden Treff für Trauernde eine einzige feste Gruppe achtmal über ein Jahr verteilt trifft. Die Teilnehmer kennen sich davor nicht, teilen aber ein gemeinsames Schicksal: Ein geliebter Mensch ist verstorben. Sie möchten den Trauerweg eine gewisse Zeit miteinander gehen, sich gegenseitig stützen und austauschen. „In der Gruppe öffnen sich viele Menschen, wenn sie sich betreut fühlen“, sagt Marlis Funk-Becker, professionelle Trauerbegleiterin. Sie moderiert die Treffen, damit jeder seinen Raum findet. Ziel ist es, dass Trauer nicht nur als unangenehmes Gefühl empfunden wird, das möglichst schnell verschwinden soll. „Die Trauer hat einen Sinn, den gilt es zu erfassen. In der Trauer kann neuer Sinn, eine neue Tiefe entstehen, sie hat einen Wert“, so Marlis Funk-Becker. Die menschliche Situation wird angeschaut: Trauernde können erkennen, dass es wieder viel Positives gibt, sollen hinfinden zu den „Trittsteinen auf dem Weg vorwärts zu Dingen, die ich wieder tun will“, sagt Susanne Stolp-Schmidt. Es gehe darum, auszuhalten, dass der Mensch fehlt, dabei aber die Frage zuzulassen: Was ist an mir selbst dran, wie finde ich zu meiner Lebendigkeit zurück? Welche positiven Effekte es bringt, kristallisiere sich häufig erst später heraus. Aus den Gruppen seien schon feste Lebensgemeinschaften und jahrelange Freundschaften entstanden. Viele treffen sich weiterhin, gehen gemeinsam ins Kino oder zum Essen. Einige bilden praktische Nachbarschaftshilfen, getreu dem Motto: „Ich putze dir die Fenster, du machst meinen Papierkram.“ Witwen, die ihnen bis dato unbekannte Funktionen im Haushalt künftig selbst übernehmen sollen, finden Unterstützung. Im Gegensatz zum offenen Angebot, bei dem sich die Teilnehmer jedesmal neu mischen, ist die neu entstehende Trauergruppe eine feste, geschlossene und verbindliche Gruppe. Für die Teilnehmer kann es „ein Nährboden sein, Neues und Eigenes im Leben wiederzufinden“, so Stolp-Schmidt.

Info
Treffen im Forum Mitte

Das erste Treffen der Trauergruppe ist am Mittwoch, 27. November, von 16.30 bis 18 Uhr im Forum Mitte in Waiblingen (Blumenstraße 11). Die Dezember-Termine sind Mittwoch, 4. und 18. Dezember. Alle weiteren Treffen werden erst später in der Gruppe vereinbart. Die Teilnahme ist kostenpflichtig.

Um eine Anmeldung wird gebeten. Wer teilnehmen möchte, kann sich bei Tanja Menz unter Telefon 07191/92797-0 melden. Die Angemeldeten werden zu Vorgesprächen bei Marlis Funk-Becker, Trauerbegleiterin und Diplom-Psychologin, eingeladen, die den Treff leitet.

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Erstellt:
20. November 2019, 16:00 Uhr

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