In diesem Haus ist alles für die Katz

Sammellust (2) Ob aus Plüsch oder Porzellan, ob Dekoartikel oder Gebrauchsgegenstand: Margret Schmid aus Rietenau sammelt alles von, mit und über Katzen. In den zurückliegenden 38 Jahren hat sie rund 3000 Sammlerstücke zusammengetragen.

Eine Wohnzimmerwand ganz im Zeichen der Katze: Die Einliegerwohnung im Haus von Sammlerin Margret Schmid haben sich die samtpfotigen Exponate erobert. Fotos: A. Becher

© Alexander Becher

Eine Wohnzimmerwand ganz im Zeichen der Katze: Die Einliegerwohnung im Haus von Sammlerin Margret Schmid haben sich die samtpfotigen Exponate erobert. Fotos: A. Becher

Von Nicola Scharpf

Aspach. Die erste Porzellankatze zog im Jahre 1984 bei Margret Schmid ein. Damals suchten sie und ihr Mann einen Kachelofen für ihr Haus in Rietenau. Auf dem Ofen in der Ausstellung des Ofenbauers saß eine Porzellankatze. „Ich nehme den Ofen, aber nur zusammen mit der Katze“, gibt die 69-Jährige wieder, was damals Bedingung für den Ofenkauf war. Heute sitzt diese Porzellankatze nicht mehr auf dem Ofen. Seniorensamtpfote Lucy, die einzige echte Katze im Hause Schmid, hat sie vor zwei Jahren vom Kachelofen geschmissen, was dem Porzellan nicht gut bekam. Zu diesem Zeitpunkt war die Porzellankatze längst nicht mehr alleine bei Schmid. Denn seit der erste Stubentiger zusammen mit dem Ofen einzog, war es um die Katzenfreundin geschehen: Seitdem sammelt sie Katzenexemplar um Katzenexemplar. Sie kauft sie sich selbst bei eBay im Internet, sie bekommt sie geschenkt. Schmid schätzt, dass sie rund 3000 Exponate oder Alltagsgegenstände rund um die Katze besitzt.

Es beginnt bereits mit der Hausfassade, auf die ein Bekannter der Familie vor ein paar Jahren in dunkler Farbe ein riesiges Katzenkonterfei aufgebracht hat. Auch die Motorhaube von Schmids Auto ziert eine Katzensilhouette, der Fahrersitz hat einen Schonüberzug mit Katzenmotiv – genauso wie die Handyhülle und Schmids Visitenkarte nicht ohne Katzendarstellung auskommen. „Wenn schon, denn schon“, findet die Sammlerin. Im Vorgarten: Katzenfiguren; auf den Fensterbänken: Katzenfiguren; im Flur: gerahmte Katzenpuzzles an den Wänden, magnetische Katzenfiguren am Sicherungskasten, kleine Katzenfiguren in einer Vitrine, große Katzenfiguren daneben auf dem Boden stehend, an der Garderobe Hausschuhe, Gummistiefel, Taschen mit Katzenmotiven. Im Eingangsbereich heißt ein Holzschild in Katzenform Gäste mit der Aufschrift „In diesem Haus ist alles für die Katz’“ willkommen.

Geschenke von Freunden lassen die Sammlung wachsen

Das Schild ist ein Geschenk gewesen, das Margret Schmid von einer Freundin bekommen hat. Durch ihre Sammelleidenschaft sei sie leicht zu beschenken, sagt Schmid. Sie passt während des Urlaubs auf den Nachbarskater auf – und bekommt als Dankeschön ein Urlaubsmitbringsel rund um die Katz. Gleiches passiert, wenn sie die Kaninchen vom anderen Nachbarn hütet. Auch ihr Mann hat mit Geschenken schon zur Erweiterung ihrer Sammlung beigetragen – obwohl er die Liebe zu Katzenfiguren nicht teilt. Über die geschenkten Exemplare hinaus stöbert Schmid selbst im Internet nach neuen Katzenschönheiten. Einmal, so berichtet sie, habe sie eine große Anzahl an Katzen in der Schweiz ersteigert. Ihre Tochter, die in der Schweiz lebt, hat ihr die Schätze dann bei ihrem nächsten Besuch mitgebracht. „Der Kofferraum des Autos war voll mit Kartons.“ Ihre Exponate bewahrt sie nicht in Kartons auf. „Das will ich nicht, da habe ich nichts von ihnen.“

Schmid ist stolz auf ihre Katzensammlung. „Ich zeige sie eigentlich gerne. Und ich nehme auch gerne noch welche auf – nur keine echten Katzen.“ Das neueste Stück, mit einem Körper aus Fell und langen Gliedmaßen wie eine Marionette, hat seinen Platz auf einem niedrigen, blauen Samtsofa vor der Wohnzimmerwand in der Einliegerwohnung. Gesellschaft bekommt es von Figuren der österreichischen Künstlerin Rosina Wachtmeister, der kein anderes Tier so oft Modell stand wie die Katze.

Hier in der Einliegerwohnung ist wirklich alles für die Katz: In Vitrinen und Regalen, in Schubladen und Schränken, das Thema Katze ist überall. Stunden ließen sich zubringen, diese Welt der Katzen, die sich vor einem ausbreitet, zu erfassen. In Vitrinen stehen Katzenfiguren teilweise nach Farben sortiert. Es gibt einen Bereich für Kristallkatzen und andere Bereiche für Katzenuhren, -tassen, -kannen, -dosen. Schmid nimmt ein Nudelholz zur Hand. Klar, es durchzieht den Teig beim Auswellen mit Katzenmotiven. Der Tesafilmhalter hat die Form einer Katze, der Flaschenöffner jene einer Katzenpfote, das Bett ist mit Katzenbettwäsche und die Sofakissen sind mit Katzenkissenhüllen bezogen. Im Regal stapeln sich Shirts mit Katzenmotiven und auf dem Nachttischchen unter der Lampe mit dem mit Katzen bemalten Schirm liegt das Büchlein „Kleine Bettlektüre für alle, deren Herz einer Katze gehört“. „Das ist halt mein Vogel“, sagt Schmid achselzuckend und macht erst auf ein hölzernes Vogelhäuschen aufmerksam, dessen Front Disneys Bösewichtkater Lucifer darstellt – wie er sein Maul zum Rund formt, durch das der Vogel ins Häuschen fliegen kann. Und dann knipst sie das Licht eines an der Wand hängenden Bildes an. „Ein bisschen verrückt ist völlig normal“ ist darauf zu lesen.

Die Enkelkinder sind aufgeschlossen gegenüber dem Katzensammeln

„Wir haben ein großes Haus“, sagt Schmid. „Es braucht viel Platz.“ Wäre er nicht vorhanden, könnte sie ihre Sammelleidenschaft nicht in dem Maße ausleben. Auf ihre beiden Töchter habe sich die Freude am Katzensammeln nicht übertragen. Ihre beiden Enkel aber seien den Katzen gegenüber sehr aufgeschlossen. Sind die Enkel zu Besuch, bastelt Schmid oft mit ihnen. Zum Beispiel bemalen sie Karton und schneiden ihn in Katzenform. Platt gedrückten Kaffeekapseln haben sie spitze Öhrchen, Kulleraugen, Schnurrhaare und einen Faden verpasst, um mit diesen Katzenköpfchenanhängern Zweige zu verzieren. Ausrangierte Weingläser bekommen Katzengesichter aufgemalt und das Lieblingsbuch der Enkelin handelt von Katze Tommi Tatze.

Komplett ist Schmids Katzenglück allerdings noch nicht: „Vorhänge fehlen. Danach suche ich noch.“ Und sie würde gerne nach Ludwigshafen ins Katzinett, das dortige Katzenmuseum, fahren. „Aber keiner will mitfahren“, bedauert die Sammlerin.

Serie Unter dem Titel Sammellust stellen wir in dieser Serie Menschen aus der Region vor, die außergewöhnliche Sammlungen haben. Kennen Sie jemanden, der dafür infrage kommt, oder sind Sie selbst leidenschaftlicher Sammler? Dann melden Sie sich per E-Mail unter redaktion@bkz.de.
Katzen in allen Variationen füllen die Vitrinen im Haus der Sammlerin. Insgesamt besteht die Sammlung von Margret Schmid inzwischen aus rund 3000 Exponaten.

© Alexander Becher

Katzen in allen Variationen füllen die Vitrinen im Haus der Sammlerin. Insgesamt besteht die Sammlung von Margret Schmid inzwischen aus rund 3000 Exponaten.

Schon die Hausfassade verrät die Leidenschaft der Bewohnerin.

© Alexander Becher

Schon die Hausfassade verrät die Leidenschaft der Bewohnerin.

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Erstellt:
30. April 2022, 06:00 Uhr

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