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Inklusion auf den Bühnen Backnangs

Zehn Bands an vier Orten: Erstes integratives Festival in der Stadt – Zahlreiche Gäste bei der „Mu5ikmaile“

Das hat es in Deutschland noch nicht gegeben – klingt erst mal hochtrabend, ist aber so: Zehn Bands traten am Samstagabend in vier Backnanger Lokalitäten auf. Mit der Idee eines Festivals, der Mu5ikmaile, wollen die Veranstalter Menschen mit und ohne Behinderung auf die Bühnen bringen und Zuhörern gute Musik bieten.

Die 13 Musiker der Band „The Cool Chickpeas“ sind Lokalmatadoren und Gastgeber der ersten „Mu5ikmaile“ in Backnang und eröffneten den Abend.Fotos: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Die 13 Musiker der Band „The Cool Chickpeas“ sind Lokalmatadoren und Gastgeber der ersten „Mu5ikmaile“ in Backnang und eröffneten den Abend.Fotos: A. Becher

Von Sarah Schwellinger

BACKNANG. Merlin, Samstagabend, 19 Uhr. An der Tür das Festivalbändchen und Programmflyer abgeholt, beginnt kurz nach dem Eingang auch schon der Trubel. Viele sind gekommen. Vor der Bühne ist das Gedränge besonders groß. Gleich soll es beginnen, das erste Inklusionsfestival in Backnang. „Hallo Backnang, hallo Berlin, hallo Waghäusel“, ruft Organisatorin Birgit Kneiser ins Mikro. Orte, die wohl selten in einem Atemzug miteinander fallen. Doch die sozialpädagogische Begleiterin begrüßt an diesem Abend die Gäste, die Bands und Künstler, die das Festival zu einem Erlebnis machen. Zehn Bands treten in vier Locations in der Stadt auf, Menschen mit und ohne Behinderung machen Musik und Poetry-Slam, verzaubern mit Klängen und Worten.

Schirmherr, oder in dem Moment auch Patenonkel genannt, ist Oberbürgermeister Frank Nopper, der nebst kleiner Geschenktüte für die Künstler auch die Aufforderung bereithält: „Wir wollen Spaß haben bis zum Morgengrauen und darüber hinaus.“

Während der offiziellen Eröffnung der Mu5ikmaile stehen auf der Bühne schon die Lokalmatadoren und Gastgeber an ihren Instrumenten bereit: The Cool Chickpeas eröffnen mit „I love Rock’n’Roll“ schwungvoll das Festival. Die Stimmung ist von der ersten Sekunde an gut. „Auf geht’s, mitklatschen!“, animiert ein Mann aus dem Publikum die Zuhörer um sich herum. Währenddessen erklärt Thomas Wildermuth, Manager der Cool Chickpeas und Mitveranstalter der Mu5ikmaile: „Wenn du Lebensfreude lernen willst, geh zu den Cool Chickpeas.“ Die Mu5ikmaile sei in der Form bundesweit einzigartig: Menschen mit und ohne Behinderung eine Plattform zu geben, um so Hemmschwellen oder Berührungsängste aus dem Weg zu räumen. Auch das Logo ist ganz bewusst so gewählt: „Insider wissen, dass der 5. Mai der Aktionstag zur Gleichstellung von Behinderten ist.“ Hier geht es nicht nur um reale Inklusion, sondern auch einfach gute Musik. Die Musiker der Cool Chickpeas seien gleich begeistert von der Festivalidee gewesen, berichtet Wildermuth. Die Veranstalter haben sich zum Ziel gesetzt, andere mit ihrer Idee anzustecken. Das Publikum jedenfalls scheint überzeugt, so wie Tim Gebel, der mit seiner Oma Edda gekommen ist: „Wir mögen beide Musik und wollen uns ein paar Auftritte anschauen.“ Damit das alles so funktionieren kann und für die Besucher sogar kostenlos ist, sind die Veranstalter auf Fördertöpfe angewiesen. Die Partnerschaft Demokratie leben und Aktion Mensch unterstützen das Projekt.

Um 20 Uhr beginnen dann die Bands auch in den anderen Lokalen (Bandhaus, Kunberger und Wohnzimmer) zu spielen. Im Wohnzimmer starten „Ick mach Welle“ aus Berlin mit Techno-Musik in den Abend. Die Band Frozen Fingers schickt die Besucher im rappelvollen Bandhaus mit Oasis’ Dauerbrenner „Don’t look back in Anger“ in den nächsten Auftritt, nämlich den Auftritt des Slam-Poeten Kai Bosch. Der legt sich voll ins Zeug, agiert mit dem Publikum, reißt mit.

Mit Stottern zum Slam-Poeten: Der Waiblinger Kai Bosch trat am Abend gleich zweimal auf.

© Pressefotografie Alexander Beche

Mit Stottern zum Slam-Poeten: Der Waiblinger Kai Bosch trat am Abend gleich zweimal auf.

Beim Kunberger in der Marktstraße stimmt der Backnanger Dani Suara mit seinem Akustik-Trio ruhigere Töne an, während im Merlin die Sängerinnen von The Mamatoo alles geben. Wo das Festival seinen Anfang nahm, endet es auch wieder. Wo die Gäste ausströmten, um das Festival zu erleben, da treffen sie sich wieder, zum Tanzen mit DJ Lars bis in die späte Nacht.

Volle Stimmgewalt und Interpretationen bekannter Songs gab’s bei The Mamatoo zu hören.

© Pressefotografie Alexander Beche

Volle Stimmgewalt und Interpretationen bekannter Songs gab’s bei The Mamatoo zu hören.

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Erstellt:
6. Mai 2019, 06:00 Uhr

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