Insolvenz: keine Rettung für Signa-Neubau

Eine schnelle Lösung für die Brache an der Ecke König-/Schulstraße ist nicht mehr absehbar, ein neuer Eigentümer nicht in Sicht. Das Galeria-Handelshaus beim Bahnhof zahlt für seine Immobilie seit 2023 eine horrende Miete. Hier sichtet der Insolvenzverwalter seit Januar die Akten.

Für die Baustelle in bester Lage dauert der Stillstand an.

© STZN/Konstantin Schwarz

Für die Baustelle in bester Lage dauert der Stillstand an.

Von Konstantin Schwarz

Stuttgart - Für den insolventen Handelskonzern Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) wird ein neuer Eigentümer gesucht. Zwei Bieter könnten laut Insolvenzverwalter den Zieleinlauf erreichen. Doch der Handel braucht auch eine Hülle. Dabei lichtet sich in der Landeshauptstadt der Nebel über dem Geflecht des österreichischen Immobilienpleitiers René Benko (46) nur quälend langsam. Der in der Alpenrepublik lange als Wunderwuzi betitelte Unternehmer hinterlässt auch hier verbrannte Erde.

Am Abgang zur Schulstraße, die genaue Adresse lautet Königstraße 23 und 25, blicken Flaneure seit Monaten durch Zäune und die mit Schutt gefüllte Baugrube. Hier fiel im Sommer 2023 die Sportarena. Signa Real Estate, ein Ableger aus Benkos Immobilien-Irrgarten, plante unter dem Namen Zwei hoch Fünf den Neubau von 2300 Quadratmeter Handels- und 5000 Quadratmeter Bürofläche in moderner Holz-Hybridbauweise. Ende Oktober erfolgte der abrupte Baustopp. Mit dem Aushub für den Neubau wurden nicht mehr begonnen, den Schutt beließ man zur Sicherung der höher gelegenen Königstraße in der Grube.

Gerüchteweise war 2023 von einem Verkauf von Grundstück und Neubauplänen (Büro Steidle, München) an den Münchner Unternehmer Alfons Doblinger (Dibag AG) die Rede. Auch OB Frank Nopper (CDU) setzte auf Doblinger. Wenn Signa das Projekt nicht fortführen könne, müsse ein neuer Investor übernehmen, forderte er am 30. Oktober: „In dieser allerersten Lage darf nicht dauerhaft eine Baulücke bleiben“.

Vorerst aber bleibt sie. „Dieser Verkauf ist nicht zustande gekommen“, stellt ein Sprecher des Insolvenzverwalters auf Anfrage unserer Zeitung klar. Es handele sich damit „weiterhin um ein Signa-Grundstück“, so der Sprecher. Zwei Gesellschaften, darunter die Königstraße 23+25 Immobilien GmbH & Co. KG., hätten am 23. März 2024 einen Insolvenzantrag gestellt. Der Berliner Fachanwalt Professor Torsten Martini sei zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt worden.

Doblinger selbst hatte sich zum Sachverhalt nie geäußert. Er kann warten. 2023 wurden die Grundstückspreise durch den Gutachterausschuss stadtweit gesenkt, für die Königstraße um rund zehn Prozent auf 33 000 Euro pro Quadratmeter. 2024 sei wahrscheinlich mit einer weiteren „Abwärtsbewegung“ zu rechnen, heißt es im Rathaus; der Ausschuss tagt in zwei Wochen.

Ein rascher Baustart rückt in der zentralen Citylage in die Ferne, trotz angeblich guter Vorvermietungsrate. Immerhin: „ Wir halten an dem Mietvertrag fest und freuen uns auf die Realisierung eines Markts an dem Standort“, heißt es bei Edeka Südwest.

Bei der zentralen Liegenschaft steht der vorläufige Insolvenzverwalter ganz am Anfang. „Jede Gesellschaft muss aufgeschlüsselt werden, von einem Gesamtüberblick sind wir noch weit entfernt“, sagt der Sprecher. Wie bei einem Schwerverletzten kümmere man sich in der Notaufnahme „erst einmal um die Lebenserhaltung“ – will heißen: „Grundstücke sichern und wenn möglich werterhaltend verkaufen, sodass die Gläubiger nicht geschädigt werden.“ .

Einen ersten Blick hat Torsten Martini als vorläufiger Insolvenzverwalter auch auf jene Immobiliengesellschaften geworfen, die das Eigentum an der Königstraße 6 halten und verwalten. Hier findet sich der einzig verbliebenen Standort der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof in Stuttgart. Beide Gesellschaften sind beim Amtsgericht Köln angemeldet. Die Insolvenzanträge datieren von Ende Januar. Auch hier werde geklärt, ob „genügend Masse“ vorhanden sei, sagt Martinis Sprecher. Nach der Erstellung eines Gutachtens werde das Amtsgericht über die Eröffnung des Verfahrens entscheiden.

Für die Grundstücksgesellschaft Königstraße 6 liegen zur öffentlichen Einsicht keine aktuellen Bilanzen vor. Die jüngsten Einträge datieren für das Geschäftsjahr 2021. Sie zeigen ein rentierliches Unternehmen, das „stabil finanziert“ sei. Es diente auch dazu, anderen Gesellschaften im Signa-Kosmos auszuhelfen. Ein Darlehen in Höhe von 33,24 Millionen Euro floss an die Signa Development Selection AG, eines in Höhe von 1,8 Millionen an die Laura Holding GmbH. Daher musste die Stuttgarter Gesellschaft im März 2021 Bankdarlehen in Höhe von 36 Millionen Euro aufnehmen.

An Umsatzerlösen generierte die Grundbesitz-Gesellschaft für das Warenhaus in der Königstraße 6 rund 2,59 Millionen Euro. Sie lagen damit nur geringfügig höher als die für den Anfang 2024 geschlossenen Galeria-Standort in der Eberhardstraße 28. Der musste 2021 einen Aufschlag von zehn Prozent auf die Jahresmiete hinnehmen. Sie lag bei 2,58 Millionen Euro.

Als in Benkos Konzern offenbar an allen Ecken nicht mehr nur Kleingeld fehlte, setze Signa auch beim einzig noch verbliebenen, 20 000 Quadratmeter großen Standort Königstraße 6 die Miete hoch, und zwar heftig. „Unsere Fixkosten stiegen 2023 um 100 Prozent, die Miete wurde verdoppelt. Das war extrem schwer, da zieht es einem die Schuhe aus“, sagt der langjährige Filialgeschäftsführer Thomas Benedetti.

Der Standort gehöre zwar „zu den erfolgreichsten im ganzen Unternehmen“, so Benedetti, mit den neuen Vorgaben habe seine „supergute, engagierte Mannschaft“ dennoch zu tun gehabt. „Das Warenhaus ist nicht tot“, sagt Benedetti, „wir schreiben weiterhin schwarze Zahlen“.

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Erstellt:
7. April 2024, 22:06 Uhr
Aktualisiert:
8. April 2024, 21:54 Uhr

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