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Integration sorgt für Entspannung

Beim Projekt Weltcafé der Kinder- und Jugendhilfe Backnang bauen Kinder und Jugendliche XXL-Liegestühle

Um die Integration von Flüchtlingen und Menschen mit Migrationshintergrund in Backnang voranzubringen, organisiert die Kinder- und Jugendhilfe verschiedene Veranstaltungen. Nun bot sie Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, ihr handwerkliches Geschick imWonnemar beim Bau übergroßer Liegestühle unter Beweis zu stellen.

Der Umgang mit dem Akkuschrauber erfordert ein hohes Maß an Präzision und Konzentration. Restauratorin Cornelia Jens (rechts) stellt sicher, dass keine Ungenauigkeiten auftreten. Fotos: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Der Umgang mit dem Akkuschrauber erfordert ein hohes Maß an Präzision und Konzentration. Restauratorin Cornelia Jens (rechts) stellt sicher, dass keine Ungenauigkeiten auftreten. Fotos: A. Becher

Von Philip Kearney

BACKNANG. Warum nicht einfach größere Liegestühle bauen, auf denen mehrere Personen entspannen können? Diesen Gedanken hatte Tatjana Riekert vom Verein Kinder- und Jugendhilfe Backnang. Um die Idee im Rahmen des sozialen Projekts Weltcafé realisieren zu können, richtete sich die Sozialpädagogin an die Bürgerstiftung und die Wonnemar-Stiftung. Da sich die materiellen und personellen Kosten insgesamt auf rund 2000 Euro beliefen, benötigte die 26-Jährige finanzielle Unterstützung. Diese erhielt sie denn auch von den beiden Stiftungen.

„Die Bürgerstiftung steht – wie das Projekt Weltcafé – für das Zusammenleben von Menschen verschiedenster Nationalitäten in Backnang“, begründet Vorsitzender Ulrich Schielke die Beteiligung an den Projektkosten. Daher habe man sich dazu entschieden, den Bau von drei der insgesamt vier Liegestühle zu fördern. Für den vierten kam die Stiftung Wonnemar auf.

Der Betriebsleiter des Backnanger Mineralfreibads, Ricardo Haas, erlaubte den hoch motivierten Liegestuhlbauern, auf dem Gelände des Wonnemars zu arbeiten. Die Teilnehmer bekamen freilich freien Eintritt und Verpflegung.

Als die finanziellen und örtlichen Bedenken beseitigt waren, machte sich Riekert auf die Suche nach einem Schreiner, der zudem erfahren im Umgang mit Kindern und Jugendlichen ist. Ihre Wahl fiel letztlich auf die Restauratorin und Künstlerin Cornelia Jens. Diese kannte Riekert bereits, da Jens schon in mehrere Projekte der Murrhardter Familienbildungsstätte involviert war. Dadurch verfüge sie nicht nur über das notwendige handwerkliche Know-how, um die Liegen bauen zu können, sondern bringe auch die notwendige pädagogische Komponente mit, erklärt die Sozialpädagogin. Teilnehmerin Mareike Riekert findet, dass die Wahl der Künstlerin die richtige war: „Es herrscht eine angenehme Arbeitsatmosphäre und man lernt auch ein bisschen was.“ Cornelia Jens reicht das Lob weiter. „Es gibt nichts Schöneres, als mit Kindern zusammenzuarbeiten.“

Unter der Aufsicht und Anleitung der Restauratorin bauten die Teilnehmer an zwei Tagen in dieser Woche im Wonnemar vier XXL-Liegestühle. Um diese innerhalb dieser Zeit fertigstellen zu können, hatte die Künstlerin etwas Vorarbeit geleistet. Unterstützung erhielt sie dabei von zwei der insgesamt fünf Teilnehmerinnen. Etwa dreieinhalb Tage lang arbeitete Cornelia Jens mit ihren Helfern in einer Werkstatt. Dort fertigten sie gemeinsam Schablonen an und sägten anschließend Einzelteile zurecht. Im Wonnemar erfolgten dann Zusammenbau und Feinschliff. Um die Liegestühle fertigzustellen, mussten die Kinder und Jugendlichen unter anderem fräsen, hobeln, bohren und ölen. Abschließend schraubten sie die Holzplatten zusammen. Dank handwerklichen Geschicks und klaren Anweisungen war bereits nach wenigen Stunden der erste Liegestuhl fertiggestellt und bereit für die erste Sitz- beziehungsweise Liegeprobe. Nach einer Pause, die auch dazu genutzt wurde, um sich im Wasser abzukühlen, ging es zurück an die Arbeit. Schließlich sollte es nicht bei einem Liegestuhl mit Übergröße bleiben.

Neben ihren handwerklichen Fähigkeiten konnten die Kinder und Jugendlichen auch ihre Teamfähigkeit unter Beweis stellen. Denn viele Aufgaben ließen sich nur gemeinsam bewältigen. Um Unebenheiten oder Unregelmäßigkeiten zu verhindern, musste außerdem konzentriert und präzise gearbeitet werden. „Die Jugendlichen kriegen ein Gefühl für genaues Arbeiten“, freut sich Schielke.

Die Liegestühle sollen von jedermann genutzt werden können

Die Liegestühle sind nach Angabe der Restauratorin etwa 1,40 Meter breit, die Liegefläche betrage der Länge nach 1,78 Meter. Zum Vergleich: Standardliegestühle sind etwa halb so breit. Wo die Liegestühle letztlich platziert werden, ist noch nicht ganz klar. Fest steht bislang nur, dass ein Liegestuhl dem Wonnemar erhalten bleibt und ein weiterer vor dem Gebäude der Kinder- und Jugendhilfe in Backnang platziert wird. Auch die anderen beiden Liegestühle sollen künftig der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

Die Aktion ist eine von zahlreichen Veranstaltungen des Projekts Weltcafé. Verwirklicht wird dieses von der Kinder- und Jugendhilfe Backnang. Das Weltcafé richtet sich vor allem an Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund, aber auch Einheimische können an den Events und Workshops teilnehmen. Ziel des Projekts ist es, Menschen jeglicher Herkunft in Backnang zu integrieren und den interkulturellen Austausch voranzubringen.

Um den XXL-Liegestuhl transportieren zu können, muss jeder mit anpacken.

© Pressefotografie Alexander Beche

Um den XXL-Liegestuhl transportieren zu können, muss jeder mit anpacken.

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Erstellt:
24. August 2019, 16:00 Uhr

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