Investitionen in einen zukunftsfähigen Wald

Die Gemeinde Sulzbach rechnet im Forstbetriebsplan 2022 mit einem positiven Ergebnis. Doch Schäden im Wald werden lange sichtbar sein.

Der verregnete Sommer hat dem Wald gut getan. Foto: U. Gruber

Der verregnete Sommer hat dem Wald gut getan. Foto: U. Gruber

Von Ute Gruber

SULZBACH AN DER MURR. Die Bundeswaldprämie hat die Bilanz 2020 des Gemeindeforsts von Sulzbach an der Murr gerade noch gerettet. Statt des laut Planung berechneten Defizits von schmerzlichen 125000 Euro belief sich der Verlust „nur“ noch auf knapp 35000 Euro. „Wir haben diese Nachhaltigkeitsprämie gleich im November 2020 beantragt“, erläutert Revierförster Axel Kalmbach in der letzten Gemeinderatssitzung 2021, „und die war vor Weihnachten schon auf dem Konto.“ Die einmalige Unterstützung von 100 Euro pro Hektar aus dem Konjunkturfonds des Bundes war ein warmer Regen für alle dürregeschädigten Waldbauern, die ihren Wald zertifiziert nachhaltig bewirtschaften – wie die 700 Hektar Gemeindewald in Sulzbach.

Drei trockene Jahre: Holzpreis fiel in historische Tiefen

Drei trockene Jahre mit heißen Sommern in Folge hatten den Bäumen zuletzt sehr zugesetzt. Unmengen an zwangsweise gefällten Bäumen überschwemmten den Holzmarkt und drückten den Preis in historische Tiefen: „20 Euro für den Festmeter – das ist weniger als der Lohn für den Holzfäller!“ Dennoch musste das Schadholz schnellstens raus aus dem Wald, damit die Schädlinge nicht auch noch die gesunden Nachbarbäume befallen. Im Sulzbacher Gemeindewald haben diese unplanmäßigen Nutzungen auch aktuell noch 75 Prozent des Einschlags ausgemacht und man hat 2020 gezwungenermaßen um 60 Prozent mehr geerntet als im Zehnjahresplan vorgesehen – nämlich 8600 Festmeter statt 5300. Was wegen der schlechten Preise freilich nicht einmal Gewinn gebracht hat.

Dazu kamen im Jahr 2020 noch zusätzliche Ausgaben für die umfangreiche Kalkung der Forstflächen (wir berichteten), welche die Bäume widerstandsfähiger und damit den Wald resilienter gegen die Folgen des Klimawandels machen soll. Von den knapp 200000 Euro Kosten wurden aber 150000 vom Land übernommen, außerdem gab es Beihilfen zur Aufarbeitung, Wiederaufforstung und für den Baumlehrpfad (wir berichteten). War in früheren Zeiten der Wald für den Besitzer eine Sparbüchse, die er bei Bedarf nutzen konnte, übertrifft heute leider häufig der Aufwand den Ertrag und die Erhaltung des Waldes muss von öffentlicher Hand gesichert werden.

„Der üppige, kühle Regen des vergangenen Sommers war daher ein Segen für den Wald. Auch wenn – entgegen der allgemeinen Wahrnehmung – immer noch zehn Prozent weniger Niederschläge gefallen sind als im langjährigen Mittel, wurden die Wasservorräte an vielen Standorten wieder nachgefüllt und die Borkenkäfer konnten sich kaum entwickeln.“ Stürme blieben aus, wegen der miserablen Preise machte kaum jemand regulär Holz und die Nachfrage nach Bauholz stieg stark an. Dadurch wendete sich im Sommer 2021 schlagartig das Blatt: Plötzlich war Holz knapp und es wurden im dritten Quartal wieder angemessene Preise bezahlt.

Just in diesem günstigen Moment kann die lang geplante Holzvermarktungsgemeinschaft Schwäbisch-Fränkischer Wald/ Ostalb (HVG), in der auch die Gemeinde Sulzbach Gründungsmitglied ist, an den Start gehen, wie Amtsleiterin Dagmar Wulfes vom Kreisforstamt in ihrer Stellungnahme berichtet. Die Genossenschaft aus privaten und kommunalen Waldbesitzern mit zusammen 40000 Hektar Forst soll mit jährlich über 200000 Festmetern angebotenem Holz einen ernst zu nehmenden Marktpartner gegenüber den teils weltweit agierenden Großabnehmern unter den Sägewerken bilden.

Wie wird der Wald fit für den Klimawandel?

Neben der Vermarktung hat man sich im Kreisforstamt auch viele Gedanken um die Zukunft des Waldes gemacht: Wie kann der Wald fit gemacht werden für veränderte Klimabedingungen? „Wir haben ja seit 1986 regelmäßig unplanmäßige Nutzungen“, erinnert Wulfes an die Stürme Wiebke und Lothar, an die Hitzesommer 2003, 2015 und zuletzt 2018 bis 2020. Sie sieht für den Wald eine gute Chance durch Vielfalt: „Wir denken, dass es gut ist, die Baumarten intensiv zu mischen, auch mit seltenen Arten. Damit irgendetwas übrig bleibt.“

Auch im Sulzbacher Gemeindewald sollen im Forstjahr 2022 wieder neue Bäumchen gepflanzt werden, rund 2400. Vor allem Eichen und Hainbuchen, Fichten, Douglasien und Spitzahorn. Außerdem 50 wärmeliebende Esskastanien. Dafür müssen die Flächen erst frei gemacht und die zarten Bäumchen dann meist mit einer Wuchshülle versehen werden. Anschließend heißt es in den Jungbeständen jahrelang die Dornen niedrig halten, bis die Pflanzen aus dem Gröbsten heraus sind. Alles dies verursacht natürlich Kosten, für welche unter anderem die eingangs erwähnte Bundeswaldprämie ausgezahlt wurde: damit aus dem Patienten Wald wieder der Klimaretter Wald werden kann. Deutlich widerspricht die Fachfrau Wulfes hierbei der in manchen Kreisen geäußerten Behauptung, man solle den Wald lieber sich selbst überlassen, das sei besser für die CO2-Bindung: „Das Holz nutzen und verbauen – zum Beispiel statt Stahlbeton – hält das klimaschädliche CO2 länger fest und macht zugleich im Wald wieder Platz für neue Bäume.“

Auch wenn es noch Jahre dauern wird, bis sich die aktuellen Schäden an den alten Bäumen verwachsen haben werden, rechnet man in Sulzbach für 2022 vorsichtig optimistisch mit einem positiven Ergebnis in Höhe von 39000 Euro. Dazu trägt auch der vor einem Jahr angeschaffte eigene Forstschlepper bei, der nicht nur Lohnunternehmerkosten spart, sondern ein sicheres und effektives Fällen möglich macht.

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Erstellt:
15. Januar 2022, 16:00 Uhr

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