Wachsender Einfluss

Irans Revolutionsgarden schließen die Reihen

Sie sind ein Staat im Staate, das mächtigste Herrschaftsinstrument des Mullah-Regimes. Irans Revolutionsgarden sind hochgerüstet, wirtschaftlich stark und unantastbar.

Die Revolutionsgarden sind die ideologische Armee des Landes und gelten seit jeher als loyale Truppen des obersten Führers und geistlichen Oberhaupts.

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Die Revolutionsgarden sind die ideologische Armee des Landes und gelten seit jeher als loyale Truppen des obersten Führers und geistlichen Oberhaupts.

Von Markus Brauer/AFP

Die iranischen Revolutionsgarden haben sich in ihrem mehr als 40-jährigen Bestehen zu einem Staat im Staate entwickelt. Mit der Tötung wichtiger ranghoher Politiker der iranischen Führung durch die US-israelischen Angriffe wurden sie nach Einschätzung von Experten bisher nicht geschwächt, sondern gewannen im Verlauf des seit drei Wochen andauernden Iran-Krieges eher noch an Einfluss und Bedeutung für das Land.

Zentraler politischer Akteur

Der Nahost-Experte Farsan Sabet vom Genfer Hochschulinstitut für internationale Studien verweist auf die Ernennung des erzkonservativen Hardliners Modschtaba Chamenei zum neuen obersten Führer im Iran. Der 56-Jährige hatte die Nachfolge seines Vaters, Ayatollah Ali Chamenei, angetreten, nachdem dieser am ersten Tag des Krieges durch einen israelischen Luftangriff getötet wurde.

Im Iran nach Ali Chamenei seien die Revolutionsgarden „wahrscheinlich – und offener denn je – auch der zentrale politische Akteur“, sagt Sabet. Ganz offenbar sei Modschtaba Chamenei den „Ansichten und Absichten der Revolutionsgarden eng verbunden“, fügt Sabet hinzu. Sein „schneller Aufstieg“ zum obersten Führer zeige den großen Einfluss der Garden.

Ideologische Armee der Islamischen Republik

Es gebe Informationen, dass Modschtaba Chamenei die Nachfolge seines Vaters auch deshalb antreten konnte, weil der Geheimdienst der Revolutionsgarden massiven Druck auf „zögernde“ Mitglieder des Expertenrates ausgeübt habe, sagt Sabet weiter. Der aus 88 Juristen bestehende Expertenrat ernennt den obersten Führer auf Lebenszeit.

Die Garden sind die ideologische Armee des Landes und gelten seit jeher als loyale Truppen des obersten Führers und geistlichen Oberhaupts. Sie wurden nach dem Sturz des Schahs 1979 von Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Khomeini gegründet, um die Revolution vor inneren und äußeren Feinden zu schützen.

Schon mehrere hochrangige Anführer im Krieg getötet

Inwiefern die Garden ihren Einfluss in Zukunft noch ausbauen können, könnte auch davon abhängen, ob Modschtaba Chamenei überlebt. Der neue Ayatollah ist nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten, seitdem er seinem Vater am 8. März nachfolgte. Nach Angaben des Pentagon gibt es Hinweise darauf, dass er bei dem Angriff auf seinen Vater verletzt wurde.

Israel drohte bereits mehrfach damit, nach Ali Chamenei auch dessen Sohn und Nachfolger zu töten. Unnachgiebig setzt die israelische Regierung auf die Strategie gezielter Tötungen, binnen weniger Tage wurden in dieser Woche Sicherheitschef Ali Laridschani, Geheimdienstminister Esmail Chatib sowie der Chef der Basidsch-Miliz, Gholamresa Soleimani, getötet.

Basidsch-Miliz, El-Kuds-Brigaden

Die Revolutionsgarden bestehen aus mehreren Unter-Organisationen: Neben der Basidsch-Miliz, zu der Millionen Freiwillige gehören, und einem eigenen Geheimdienst verfügen sie auch über eine eigene Marineeinheit und Luftwaffe.

Hinzu kommen die El-Kuds-Brigaden, eine Spezialeinheit, die vor allem im Ausland agiert. Der Einfluss der Revolutionsgarden reicht in der Golfregion und im Nahen Osten weit über den Iran hinaus. Die Größe der Einheit ist ein Staatsgeheimnis, Schätzungen zufolge sind es 190.000 Mitglieder.

Die Garden seien keine zentralisierte Truppe, „so dass man nicht wirklich sagen kann, dass sie das Land als eine Organisation kontrollieren“, erklärt Arasch Asisi von der US-Universität Yale. Mit ihren weit verzweigten Netzwerken und Kontakten verfügten die in der Bevölkerung „Sepah“ (Korps) oder „Pasdaran“ (Wächter) genannten Garden jedoch über „einen großen Teil der wirtschaftlichen und militärischen Macht im Iran“.

Vorrangiges Ziel der US-israelischer Angriffe

So blieben die verschiedenen Sparten der Revolutionsgarden auch in den Kriegstumulten der vergangenen Wochen ständig präsent. Sie verkündeten Angriffe gegen Israel, errichteten die De-facto-Blockade der Straße von Hormus und warnten die iranische Bevölkerung vor einer Zusammenarbeit mit ausländischen Staaten.

Ihr großer Einfluss macht auch die Revolutionsgarden zu einem vorrangigen Ziel der US-israelischen Angriffe. Ihr Anführer Mohammed Pakpur wurde am ersten Kriegstag getötet, dessen Vorgänger war im Zwölf-Tage-Krieg vom Juni 2025 getötet worden.

Als nächster Anführer der Garden wird der ehemalige Innenminister Ahmed Wahidi gehandelt. Bisher wurde er nicht offiziell ernannt. Vermutlich, um nicht das gleiche Schicksal zu erfahren wie seine Vorgänger.

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Erstellt:
19. März 2026, 12:54 Uhr

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