Irritationen rund um neue Porsche-Kita

Das Unternehmen hätte gerne externe Kinder aufgenommen. Der Personalvorstand beklagt „bürokratische Hemmnisse“.

Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern, will Porsche eine Betriebskita eröffnen.

© picture alliance/dpa/Uwe Anspach

Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern, will Porsche eine Betriebskita eröffnen.

Von Viola Volland

Stuttgart - In Stuttgart mangelt es nicht nur an Kitaplätzen, die Zuverlässigkeit der Betreuungszeiten lässt auch immer mehr zu wünschen übrig. Die Auswirkungen spüren auch Unternehmen. Kritisch zur Situation äußerte sich kürzlich auch Porsche-Personalvorstand Andreas Haffner in der Wochenzeitung „Die Zeit“. Man gebe in den umliegenden Kitas viel Geld für Belegplätze für die Kinder der Mitarbeitenden aus, wurde er zitiert. „Leider erleben wir, dass die Öffnungszeiten trotzdem zunehmend reduziert werden“, klagte Haffner. Doch dabei beließ er es nicht. In seinem Beitrag kam auch die Stuttgarter Stadtverwaltung nicht gut weg – wobei sie namentlich nicht erwähnt ist. So kritisierte Haffner die „umfangreiche Bürokratie“ als „weiteres Hemmnis“ und führte als Beispiel die Kita an, die Porsche in Zuffenhausen bauen will.

Dort hätte man gerne, berichtete der Personalvorstand, die Hälfte der 80 Kitaplätze Familien aus dem Stadtbezirk angeboten. „Die Behörden bremsten: Auf unserem Zuffenhausener Betriebsgelände dürfen keine anderen Kinder zur Kita gehen“, wird Haffner zitiert. Angesichts der aktuellen Lage fehle ihm „ hierfür jegliches Verständnis“.

Bei der Stadt Stuttgart hat man diese Aussagen offenbar mit Verwunderung gelesen. „Wir können die Aussagen nicht ganz nachvollziehen“, sagt Stadtsprecher Sven Matis. Baurechtlich sei die Lage jedenfalls eindeutig. Eine Kita im Gewerbegebiet dürfe nur von Kindern von Betriebsangehörigen genutzt werden. Das hat nach weiteren Informationen seitens der Pressestelle mit bundesgesetzlichen Vorschriften aus dem Baugesetzbuch und der Baunutzungsverordnung zu tun. Ob eine Kindertagesstätte zulässig ist, richtet sich nach dem geltenden Bebauungsplan. In Gewerbe- und Industriegebieten seien Kitas in der Regel nicht zulässig. Kitas würden der Zweckbestimmung solcher Baugebiete widersprechen. Aber warum sind dann im Gegenzug Betriebskitas erlaubt? Auch das erklärt die Stadt. Betriebskitas würden „nicht als eigenständige Anlage, sondern als Teil des gewerblichen Betriebs“ gewertet.

Wollte man also auch externe Kinder in einer Betriebskita aufnehmen, um Familien aus der Umgebung zu unterstützen und zudem die Kita verlässlich auszulasten, müsste erst der Bebauungsplan geändert werden. Daran wiederum dürfte die Firma Porsche selbst gar kein Interesse haben. So führt die Pressestelle der Stadt aus: Die Änderung des Bebauungsplanes hätte „zu einer Einschränkung der gewerblichen Nutzung geführt.“ Weiter heißt es: „Die festgesetzte Baugebietsart dient letztendlich der Firma Porsche, die aufgrund ihrer Emissionen nur in uneingeschränkten Gewerbe- und Industriegebieten produzieren kann.“ Mit anderen Worten: eine öffentliche Kita würde die Produktion gefährden.

Dem Vernehmen nach hat es bereits ein klärendes Gespräch zwischen Porsche und der Stadt gegeben. Beide Seiten stellen nun das gute Verhältnis heraus. Es gebe „keinen Dissens zwischen der Stadt und Porsche“, wird in der Pressestelle der Stadt betont. Und auch Porsche würdigt in einem schriftlichen Statement die Zusammenarbeit. Die Kita in Zuffenhausen sei als reine Betriebskita genehmigt worden. Der Grund dafür sei die Lage der Kita in einem Gewerbegebiet. „Wir sind hierzu im kooperativen Austausch mit Vertretern der Stadt Stuttgart“, so eine Sprecherin. Das Bauprojekt werde von der Stadt nicht blockiert, versichert sie im Gespräch. Entsprechend stehe die Verzögerung bei dem Projekt – der erste Spatenstich war ursprünglich schon im Dezember geplant – „in keinem Zusammenhang“ mit der Frage, ob auch externe Kinder aufgenommen werden.

Nicht nur bei der Betriebskita von Porsche schaut die Stadt übrigens genau hin. „Kitakindern droht Kündigung“ war ein Artikel in dieser Zeitung vom Februar 2022 überschrieben. Damals ging es um eine Element-i-Kita im Gewerbepark Step in Stuttgart-Vaihingen. Die Stadt hatte dem Träger Konzept-e dort ebenfalls aus baurechtlichen Gründen untersagt, weiterhin Kinder aus der Nachbarschaft zu betreuen. Die Wogen gingen hoch, auch die Politik schaltete sich ein.

Letztlich hat die Geschichte einen versöhnlichen Ausgang genommen. Die Stadt Stuttgart hat Konzept-e eine Übergangsfrist gewährt und erlaubt, dass Bestandskinder in der Kita verbleiben. Seit dem 1. Januar dieses Jahres dürfe man nur noch Kinder aufnehmen, von denen mindestens ein Elternteil im Industriegebiet Step beschäftigt sei, berichtet Konzept-e-Geschäftsführerin Waltraud Weegmann auf Anfrage. Kündigungen hätten sie dann doch keine aussprechen müssen. „Insgesamt ist das eine Lösung, die machbar ist“, meint Weegmann, auch wenn ihr eigentliches Ziel ein anderes war: eine Änderung des Bebauungsplans. Angesichts des großen Anteils an Homeoffice bei vielen Firmen fände sie es auch weiterhin sinnvoll, Bebauungspläne zu ändern. „Wir müssen vereinzelt flexibler sein“, so Weegmann.

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Erstellt:
3. März 2024, 22:04 Uhr
Aktualisiert:
4. März 2024, 21:55 Uhr

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