Grippewelle ebbt ab

Ist das Schlimmste jetzt überstanden?

Winterwetter und viel Zeit in Innenräumen: Da haben Atemwegserreger leichtes Spiel. Während das Influenza-Geschehen langsam nachlässt, hält sich RSV weiter hartnäckig.

 

© Imago/Westend61

 

Von Markus Brauer

Die Mitte Januar hatte die EU-Gesundheitsbehörde ECDC vermeldet, dass die diesjährige Grippesiason besonders früh begonnen hatte. Deshalb empfahlt sie allen, die ein erhöhtes Risiko haben, besonders schwer zu erkranken sowie denjenigen, die ein erhöhtes Risiko haben sich anzustecken, sich schnellstmöglich impfen zu lassen.

Aus der Risikobewertung der EU-Gesundheitsbehörde geht hervor, dass eine neu aufgetauchte Influenza-Variante, A(H3N2) der Subklade K, die derzeitige Virusverbreitung vorantreibt.

Welche Influenza-Variante gerade verbreitet ist

Die Grippewelle erreicht ihren Höhepunkt in der Regel rund um den Jahreswechsel. Die Monate Oktober und November sind dem Robert-Koch-Institut zufolge die beste Zeit für die Immunisierung gegen das Virus.

In Deutschland rät die Ständige Impfkommission (Stiko) unter anderem Menschen ab 60 Jahren, chronisch Kranken, Schwangeren, Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen sowie medizinischem Personal zur Grippeimpfung.

RKI: Höhepunkt der Grippewelle ist überschritten

Doch nun, Ende Februar, sieht das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem wöchentlichen Bulletin den Höhepunkt der aktuellen Grippewelle als überschritten an. Zwar erkrankten weiterhin Menschen aller Altersgruppen an der Influenza, doch der Trend zeige nach unten.

Das RKI in Berlin verzeichnet in seinem Bericht einen Rückgang bei den akuten Atemwegserkrankungen in der Bevölkerung. Die Zahl sank im Vergleich zur Vorwoche und hat sich laut RKI auf einem „moderaten Niveau“ eingependelt.

RSV-Welle rollt über Deutschland

Wer über Fieber, Husten oder Halsschmerzen klagt und zum Arzt geht, hat sich zumeist mit Influenza-Viren angesteckt. In den vom RKI untersuchten Stichproben machten Influenza A-Viren mit 32 Prozent den größten Anteil aus. Bestimmend ist dabei Subtyp A(H3N2), seltener tritt der Typ A(H1N1)pdm09 auf.

Neben der saisonbedingten Influenza sind auch saisonale Coronaviren und das Respiratorische Synzytialvirus (RSV) derzeit aktiv. Beide sind laut RKI in jeweils 17 Prozent der positiven Proben zu finden.

Während die Grippe- und Corona-Meldungen (SARS-CoV-2) eine sinkende Tendenz vermitteln, bleibt dagegen die RSV-Fallzahlen relativ stabil. Allerdings ist die Zahl der stationären Aufenthalte in Krankenhäusern wegen dem RS-Virus zurückgegangen. Auch hier scheint also der Zenit überschritten zu sein.

Wie das RSV-Virus krank macht

Obwohl die offiziellen Zahlen sinken, warnt das RKI vor voreiligen Schlussfolgerungen bezüglich der Schwere der Erkrankungen. Das RS-Virus kann vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern sowie bei immungechwächten Personen zu teils schweren Erkrankungen der unteren Atemwege führen. Ein Überblick:

Symptome

Die Symptome einer RSV-Infektion ähneln häufig denen einer Erkältung. Doch der Verlauf einer Infektion lässt sich kaum voraussagen. Eltern sollten deshalb aufmerksam bleiben, wenn ihr Baby oder Kleinkind erste Anzeichen für eine RSV-Infektion zeigt, wie etwa Husten, Schnupfen und Appetitlosigkeit.

Altersgruppen

RSV-Infektionen können in jedem Alter auftreten. Es trifft aber oft schon die Allerjüngsten. Bis zum zweiten Lebensjahr stecken sich nahezu alle Kinder an. Bei Säuglingen ist das Virus sogar die Hauptursache für eine Erkrankung der unteren Atemwege.

Übertragungswege

Tröpfcheninfektion: RSV wird vor allem über Tröpfcheninfektion übertragen. Beim Niesen oder Husten kann eine infizierte Person Tröpfchen, die Viren enthalten, in die Luft versprühen. Eine andere Person kann sich anstecken, wenn diese virushaltigen Tröpfchen eingeatmet werden und auf die Schleimhäute der Atemwege in Nase, Mund und Rachen gelangen.

Schmierinfektion: Das RS-Virus kann auch durch eine Schmierinfektion über die Hand oder gemeinsam benutzte Gegenstände und Oberflächen weiterverbreitet werden. Eine Ansteckung ist möglich, wenn dann eine andere Person mit dem virushaltigem Sekret in Kontakt kommt und mit ungewaschenen Händen, Auge oder Nase berührt.

Dauer

Zwischen Ansteckung mit dem RS-Virus und Ausbruch der Erkrankung vergehen zwei bis acht Tage. Durchschnittlich sind es fünf Tage. Infizierte Personen können das Virus schon einen Tag nach der Ansteckung und vor dem Auftreten von Krankheitszeichen weiterverbreiten.

Die Dauer der Ansteckungsfähigkeit beträgt in der Regel drei bis acht Tage. Frühgeborene, Neugeborene sowie Personen mit beeinträchtigtem Immunsystem können das Virus jedoch über mehrere Wochen, im Einzelfall sogar über Monate ausscheiden.

Verlauf

Erkrankungen durch das RS-Virus verlaufen meistens mild. Aber gerade bei kleinen Kindern und besonders anfälligen älteren Erwachsenen kann es einen schweren oder sogar tödlichen Verlauf geben.

Ein akuter Verlauf kann sich durch Atemwegserkrankungen wie einer Bronchiolitis oder Lungenentzündung mit Atemnot äußern, die zu einer Krankenhauseinweisung führen können.

Auch gesunde Kinder können von schweren Verläufen betroffen sein. In der Regel haben bis zum Ende des zweiten Lebensjahres alle Kinder eine erste Infektion mit dem Virus durchgemacht. Im Laufe des weiteren Lebens kann man sich öfter mit RSV infizieren.

Symptome

Kinder bekommen bei einer RSV-Infektion meist zuerst eine laufende Nase und verlieren den Appetit. Der Rachen kann entzündet sein. „Husten und Niesen folgen, und häufig tritt Fieber auf“, schreibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. In der Folge seien zum Beispiel Lungenentzündungen möglich. Bei schwerem Verlauf könne eine Beatmung nötig sein.

Eine RSV-Infektion kann unterschiedlich schwer verlaufen. Die Krankheitszeichen können einer leichten Infektion der oberen Luftwege entsprechen. Die Erkrankung kann jedoch auch so schwer sein, dass eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich wird. Tödliche Verläufe sind in seltenen Fällen möglich.

Risikogruppen

Als Risikogruppen für schwere Verläufe gelten bei RSV Frühgeborene, Kinder mit Lungen-Vorerkrankung oder mit Herzfehler, Erwachsene über 65 und Menschen mit beeinträchtigtem Immunsystem. Grundsätzlich kann man in jedem Alter daran erkranken und sich wiederholt infizieren.

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Erstellt:
27. Februar 2026, 11:38 Uhr

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