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Jahrelanger Kampf um gute Verbindung

Marode Kupferkabel sorgen dafür, dass Internet und Telefon im Aspacher Ortsteil Sinzenburg immer wieder ausfallen

„Früher wollte ich schnelles Internet, heute bin ich froh, wenn es überhaupt funktioniert.“ Martin Jacobi wohnt mit seiner Familie im Aspacher Ortsteil Sinzenburg. Seit Jahren kommt es immer wieder vor, dass er nicht nur keine Verbindung ins Internet mehr hat, sondern sogar sein Telefon ausfällt. Seit Jahren kämpfte er bei der Gemeinde und dem Telekommunikationsunternehmen für die Versorgungssicherheit des Ortsteils – bislang mit eher mäßigem Erfolg.

Martin Jacobi aus Sinzenburg am Verteilerkasten in Neuwirtshaus: Ärger mit Internet- und Telefonanschluss hat er bereits seit Jahren. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Martin Jacobi aus Sinzenburg am Verteilerkasten in Neuwirtshaus: Ärger mit Internet- und Telefonanschluss hat er bereits seit Jahren. Foto: A. Becher

Von Silke Latzel

ASPACH. „Ich bin eigentlich ein Fachmann für Türen und nicht für Kommunikation. Und ich will als Endkunde einfach nur beliefert werden und am Ende des Monats meine Rechnung bezahlen – mehr nicht.“ Martin Jacobi ist Unternehmer, sein Betrieb befindet sich neben seinem Wohnhaus in Sinzenburg. Und um diesen zu führen, ist er auf Internet und Telefon angewiesen. „Die meisten meiner Erstkontakte laufen nun einmal übers Telefon. Und wenn das dann nicht funktioniert, was soll ich tun?!“Der 47-Jährige kämpft seit rund sechs Jahren dafür, eine sichere Internet- und Telefonverbindung zu bekommen. Mittlerweile, so sagt er selbst, sei er gezwungenermaßen zu einem Experten geworden und weiß, wo die Probleme liegen – doch geholfen ihm das bisher nicht.

Ausbau von Glasfaserleitungen bis in jedes Haus gefordert

„Der Verteilerkasten der Telekom, über den wir in Sinzenburg unser Internet bekommen, ist nur ein paar Meter weiter in Neuwirtshaus, gehört allerdings schon nicht mehr zum Rems-Murr-Kreis, sondern zur Gemeinde Oberstenfeld im Kreis Ludwigsburg und fällt damit auch in deren Zuständigkeitsbereich. Die Kupferleitungen, die von diesem Kasten zu uns führen, sind komplett marode. Das weiß auch die Telekom, denn ich war mit ihnen oft genug dort. Das Problem ist: Es gibt keine Reserveleitungen mehr, auf die man zurückgreifen könnte, wenn eine der maroden Leitungen mal wieder ausfällt.“ Die Folge: Immer wieder sind einzelne Telefon- und Internetanschlüsse in Sinzenburg lahmgelegt, bei Jacobis beispielsweise kurz vor Weihnachten 2018 sowie im Januar und Februar dieses Jahres. „Meine Schwiegermutter konnte ganze sieben Wochen am Stück nicht telefonieren“, so Jacobi verärgert.

Die Liste seiner Unternehmungen, um die Situation zu verbessern, ist lang. „Stunden, Tage und Wochen habe ich mich mit dem Thema beschäftigt und schon vor Jahren versucht, die Dinge zu verbessern. Es wäre so viel möglich gewesen, aber es wurde von der Verwaltung aus einfach viel verschlafen. Und es kann ja auch einfach nicht sein, dass ich da als einfacher Bürger dafür zuständig bin.“

Jacobi hat unter anderem im Juni 2018 eine Infoveranstaltung für die Anwohner organisiert, zu der auch die Verwaltung der Gemeinde Aspach eingeladen war und dort den Ausbau von Glasfaserleitungen bis in jedes Haus in Sinzenburg gefordert. Diese gibt es bereits – vom Verteilerkasten aus nach Oberstenfeld und in Kleinaspach bis zum Hotel Sonnenhof, „nur wir in Sinzenburg bleiben auf der Strecke“.

Dabei gibt es laut Jacobi bereits die baulichen Gegebenheiten, um die Glasfaserleitungen ab dem Sonnenhof bis nach Sinzenburg zu verlängern: „Vor einiger zeit wurde dort die Straße aufgerissen, um einen Radweg anzulegen, dabei wurde dort ein Leerrohr gelegt, mit dem man mühelos die Glasfaserkabel bis zu uns bringen könnte.“ Eigentlich müsse die Gemeinde das wissen, so Jacobi. Er habe die Informationen weitergegeben.

Bürgerfragestunde genutzt, um die Verwaltung erneut zu informieren

„Was mir Angst macht: Wenn der nächste Ausfall kommt, kann ich nichts machen. Wir sind der Telekom einfach ausgeliefert. So abhängig und völlig machtlos zu sein, das ist kein gutes Gefühl..“ Kontakt zu den Technikern, die er in der Servicezentrale der Telekom an Telefon bekommt, helfen Jacobi nicht, sagt er. „Man muss Kontakt zu den Planern aufnehmen. Aber an die komme ich als einzelner Kunde ja nicht ran.“ Deshalb hat der 47-Jährige sich mit seinem Problem erneut an die Aspacher Verwaltung gewandt, in einer Bürgerfragestunde während der Gemeinderatssitzung. Bürgermeisterin Welte-Hauff versprach ihm, sich des Themas anzunehmen.

Das habe die Bürgermeisterin auch getan, sagte sie auf Anfrage unserer Zeitung. „Im Zusammenhang mit unserer Breitbandkooperation habe ich einfach die Gunst der Stunde genutzt und den Vertreter der Telekom auf die Probleme in Sinzenburg angesprochen und die Beschwerden weitergegeben“, so Welte-Hauff. „Wir haben zusammen Großes vor und ich finde, da muss dann auch das Vertrauen für den gemeinsamen Weg da sein und man muss auch sehen, dass sich der Dinge dann auch vor Ort angenommen wird, das ist sehr wichtig. Meiner Ansicht nach sind die zuständigen Mitarbeiter zu weit weg von den Bürgern und von diesen auch gar nicht zu erreichen. Ich habe zumindest für mich aber das Gefühl, dass wir jetzt jemanden gefunden haben, der sich der Sache annimmt und bin zuversichtlich.“

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Erstellt:
13. Mai 2019, 06:00 Uhr

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