US Vizepräsident über Aliens, UFOs und Dämonen
JD Vance im Podcast: Aliens sind in Wirklichkeit „Dämonen“
Mitglieder der US-Regierung fallen immer wieder durch seltsame Aussagen auf – so jetzt auch Vizepräsident JD Vance. Er glaubt, außerirdisches Leben gehe auf zurück „himmlische Wesen, die herumfliegen und seltsame Dinge mit Menschen anstellen“. Auf den Punkt gebracht: Aliens seien in Wirklichkeit Dämonen.
© Imago/ZUMA Press Wire
US-Vizepräsident JD Vance glaubt zwar nicht an Aliens, aber an Dämonen.
Von Markus Brauer
US-Vizepräsident James David (JD) Vance ist nach eigenem Bekunden „besessen“ vom Thema UFOs. Und: Er hält Aliens für „Dämonen“.
Der 41-jährige republikanische Politiker äußerte sich am Freitag (27. März) beim konservativen Podcaster Benny Johnson zur Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, Akten der Regierung zu UFOs und möglichen Außerirdischen veröffentlichen zu wollen. Selbst der rechtsgerichtete politische Kommentator und YouTuber Benny Johnson war angesichts von Vance’ steiler These sichtlich überfordert (siehe Video).
JD Vance: „Ich werden den UFO-Akten auf den Grund gehen“
„Ich habe noch nicht ausreichend Zeit dafür aufwenden können, um es wirklich zu verstehen, aber ich werde das tun, glauben Sie mir“, sagte Vance (lachend). „Ich bin besessen davon.“ Er habe noch drei Jahre als Vizepräsident vor sich und wolle diese Zeit nutzen: „Ich werden den UFO-Akten auf den Grund gehen“, versprach er dem amerikanischen Volk.
Auf die Frage von Johnson, ob außerirdisches Leben existiere, antwortete Vance: „Ich glaube nicht, dass es Aliens sind. Ich denke, es sind Dämonen.“ Das sei das christliche Verständnis von „himmlischen Wesen, die herumfliegen und seltsame Dinge mit Menschen anstellen.“
Die Aussagen des zweitmächtigsten Mannes der USA hören sich kryptisch an. Deshalb muss man sie auch einer ausführlichen Exegese – also einer wissenschaftlichen Interpretation von Texten, insbesondere der Bibel – unterziehen.
JD Vance, der „Babykatholik“
Da trifft es sich gut, dass Vance gläubiges Mitglied der katholischen Kirche ist. Er hängt einer Glaubensrichtung an, die in den USA „Catholic integralism“ genannt wird. Das ist eine geistige Strömung, deren erklärtes Ziel es ist, massiven christlichen Einfluss auf die Politik auszuüben.
Vance, der in einer zerrütteten Arbeiterfamilie in Middletown im Rust Belt – der ältesten und größten Industrieregion im Nordosten der USA – aufwuchs, ist im Jahr 2019 vom Protestantismus zum katholischen Glauben konvertiert.
Er beschreibt sich selbst als „Baby-Katholik“. Sein Glaube ist stark intellektuell geprägt und orientiert sich an der katholischen Sozial- und Morallehre, wobei er sehr konservative Positionen vertritt, etwa in Fragen zu Abtreibung und Ehe. Vance sucht nach eigener Aussage nach moralischer Ordnung in einer zerrütteten Welt.
Barack Obama zu Aliens: „Es gibt sie, aber ich habe sie nicht gesehen“
Donald Trump hatte im Februar 2026 angekündigt, er wolle Regierungsakten zu „außerirdischem Leben, unbekannten Luftphänomenen (UAP) und unbekannten Flugobjekten (UFOs)“ veröffentlichen lassen.
Der frühere US-Präsident Barack Obama hatte kurz zuvor in einem Podcast auf die Frage nach der Existenz von Außerirdischen geantwortet: „Es gibt sie, aber ich habe sie nicht gesehen.“ Später relativierte Obama diese Aussage. Trump warf Obama daraufhin vor, „geheime Informationen“ preisgegeben zu haben.
Von Aliens, himmlischen Wesen und Dämonen
Was Vizepräsident Vance jetzt von sich gegeben hat, ist - zugegeben - starker Tobak. In gemütlicher Podcast-Atmosphäre plaudert er locker und fröhlich über zwei Mega-Themen, welche die Menschheit bewegen (sollten).
Man muss – anders als in einem Podcast – an dieser Stelle hermeneutisch sauber differenzieren – also den Sinn hinter den Äußerungen erfassen –, um nicht den Überblick zu verlieren. Zwei zentrale Fragen werden von JD Vance aufgeworfen:
- Gibt es Aliens?
- Gibt es Dämonen?
JD Vance: „Ich glaube nicht, dass es Aliens sind“
Kommen wir zu den ersten dieser rätselhaften Wesen, von denen der Vizepräsident glaubt, das sie nicht existieren: Aliens.
Der britische Physiker Stephen Hawking (1942-2018) war überzeugt: Die Menschheit sollte sich besser still verhalten, denn Außerirdische könnten uns als Konkurrenz ansehen. Doch dafür könnte es längst zu spät sein.
Dass der Planet Erde bewohnt wird, ist von unzähligen Sternen im Umkreis von 300 Lichtjahren aus sichtbar. Vorausgesetzt, dort lebende Wesen sind im Besitz ähnlicher oder gar besserer Teleskope als wir. Und in mehreren Dutzend dieser Sternensysteme sind inzwischen sogar Radiosignale von der Erde eingetroffen.
Ulrich Walter: „Da draußen gibt es welche“
„Da draußen gibt es welche, aber wir werden sie nie treffen. Selbst kommunizieren werden nie mit ihnen. Aber es muss sie geben“, ist der Münchner Physiker und frühere Astronaut Ulrich Walter überzeugt. „Das verlangt allein die Logik, weil es nahezu unendlich viele andere Planeten gibt.“ Allerdings in anderen Galaxien, ergänzt Walter.
„Tatsächlich kann man zeigen, dass man nie Botschaften von ihnen auffangen wird, wenn sie uns welche zuschicken.“ Eine Reise sei erst recht nicht möglich. Derartige Flüge würden mehr als 10.000 Jahre dauern, selbst wenn es nur um ein paar Lichtjahre Entfernung gehe.
Warum haben wir noch keine Spuren von Aliens entdeckt?
Extraterrestrisches Leben kann einfache biologische Lebensformen wie Mikrosphären (Molekül-Klumpen), Prionen (Protein-Strukturen), Viren und Prokaryoten (zelluläre Wesen) genauso umfassen wie pflanzliches und tierisches Leben sowie dem Menschen weit überlegene, komplexere Lebensformen.
Nach Schätzungen einiger Astronomen wie dem Amerikaner Seth Shostak – der seit 2001 das Seti-Projekt (Search for Extraterrestrial Intelligence/Suche nach außerirdischer Intelligenz) leitet –, müsste es allein in unserer Milchstraße rund 10.000 außerirdische Zivilisationen geben und noch weit mehr einfachere extraterrestrische Lebensformen.
JD Vance: „Ich denke, es sind Dämonen“
Nun kaprizieren wir uns auf das zweite potenzielle Wesen, von der JD Vance im Gegensatz zu Aliens überzeugt ist, dass es sie gibt: Dämonen.
Diese schwer fassbaren, weder menschlichen noch göttlichen Wesen finden sich von der Antike bis heute in Geschichte, Kunst und Literatur. In ihnen drückt sich das spannungsgeladene Verhältnis des Menschen zur Welt des Übernatürlichen aus.
„Dämonen galten seit jeher als hochgefährlich, konnten aber in gewissen Lebenslagen oder zu bestimmten Anlässen auch hilfreich erscheinen und sie wurden in dieser Gegensätzlichkeit in alltäglichen, literarischen und künstlerischen Kontexten dargestellt“, erläutert die Literaturwissenschaftlerin Martina Wagner-Egelhaaf von der Universität Münster.
JD Vance: „Himmlischen Wesen, die herumfliegen . . .“
Ein Dämon ist laut Deutschem Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm eine böser Geist, eine verhängnisvolle übernatürliche Macht. Der Begriff stammt vom griechischen Wort dá͞imōn (lateinisch daemōn) ab, was ein schützendes oder Verderben sendendes göttliches Wesen meint.
Ursprünglich handelte es sich bei Dämonen in der Mythologie und in den frühen Religionen als ein Geistwesen (lateinisch: spiritus) oder eine Schicksalsmacht (griechisch: daimónion), das seine warnende oder mahnende Stimme im Gewissen erhebt.
In der christlichen Glaubenslehre wandelte sich die Bedeutung im Laufe der Jahrhunderte und Dämonen wurden zu Handlangern des Teufels. Entgegen dem originären neutralen bis eher positiven Sinn des Ursprungswortes werden Dämonen bis in die Postmoderne häufig als böse Geistwesen charakterisiert, die Menschen erschrecken, bedrohen oder ihnen Schaden zufügen wollen.
Die systematische Lehre über die Dämonen nennt man in der christlichen Tradition Dämonologie. Systematische Traktate in der katholischen Theologie enthielten lange eine Dämonenlehre als Anhang zur Angelologie (Lehre von den Engeln), da die Dämonen als gefallene Engel konzeptualisiert wurden.
JD Vance: „. . . und seltsame Dinge mit Menschen anstellen“
Ab dem 16. Jahrhundert wurde der Begriff Dämon mit der vom christlichem Denken geprägten Bedeutung „Teufel“ assoziiert.
Der Mitte des 18. Jahrhunderts einsetzende literarische Gebrauch des Wortes greift stärker auf antike Vorstellungen zurück – im Sinne von einem Gutes oder Böses bewirkendem überirdischem Wesen oder eine dem Menschen innewohnende, das Schicksal bestimmende Macht . Es wurde aber weiterhin meist mit negativen Wertungen konnotiert.
Wer oder was ist der Teufel?
Dämonen sind zwar mächtig, aber weit mächtiger ist ihr „Boss“: der Teufel.
Er ist der Diabolos, Verwirrer, Faktenverdreher und Verleumder, der Zerwürfnis stiftet, verleumdet und zum Schlechten anstiftet. In vielen Religionen ist er ein eigenständiges, übernatürliches Wesen.
Im Christentum und im Islam ist er die Personifizierung des Bösen – der Fürst der Finsternis, die Quelle aller Niedertracht und alles Schlechten. Ein Wesen, das als Engel mit schwarzen Flügeln oder als Junker mit Pferdefuß in Erscheinung tritt. Im Buddhismus heißt er Mara oder Devadatta und ist ein dämonisches Wesen.
Über Satan heißt es im Katechismus der Katholischen Kirche:
„Die Schrift bezeugt den unheilvollen Einfluss dessen, den Jesus den ,Mörder von Anfang an‘ nennt (Johannes-Evangelium 8,44) und der sogar versucht hat, Jesus von seiner vom Vater erhaltenen Sendung abzubringen. ‚Der Sohn Gottes aber ist erschienen, um die Werke des Teufels zu zerstören‘ (Erster Johannesbrief 3,8). Das verhängnisvollste dieser Werke war die lügnerische Verführung, die den Menschen dazu gebracht hat, Gott nicht zu gehorchen.“
JD Vance’ Fazit: „Es sind Dämonen!“
„Du glaubst: Es gibt nur einen Gott. Damit hast du Recht; das glauben auch die Dämonen und sie zittern“ (Neues Testament, Jakobusbrief, Kapitel 2, Vers 19).
Dämonen streunen umher, immer auf der Suche nach Menschen, die ihnen durch ihr sündiges Tun verfallen. Sie suchen Kontakt zu ihnen, lassen sich auf sie ein und behausen sie dann unerbittlich als ihren „Wirt“.
Dämonen verführen Menschen zum Bösen, stiften Chaos und zetteln Zerstörung ann. Die Bibel nennt viele von ihnen beim Namen: Asasel, Leviatan, Lilith oder Beelzebub. Hinzu kommen zahlreiche „unreine Geister“, die meist keine Namen tragen. Sie werden manchmal als Diener Satans beschrieben oder als gefallene Engel, die Gott erzürnt haben und deshalb zu seinen Gegenspielern wurden.
Beelzebul – Fürst der Dämonen
Ein A-Promi im Reich der biblischen Dämonen ist Beelzebub (auch Beelzebul). Von ihm liest man bereits im Alten Testament, wo er als heidnischer Gott und Dämon (2. Buch Könige, Kapitel 1, Vers 2) bezeichnet wird. Der Name dieses Geistwesens bedeutet wörtlich „Herr der Fliegen“.
Wer an ihn glaubt, den wird Gott bestrafen, wie es im 2. Buch der Könige (Kapitel 1, Vers 16) heißt: „Du hast Boten ausgesandt, um Beelzebub, den Gott von Ekron, zu befragen, als gäbe es in Israel keinen Gott, dessen Wort man einholen könnte. Darum wirst du von dem Lager, auf das du dich gelegt hast, nicht mehr aufstehen; denn du musst sterben.“
Im Neuen Testament macht Beelzebub eine steile Karriere und wird zum Herrscher unter den Dämonen erhoben (Markusevangelium Kapitel 3, Vers 22).
JD Vance: „Ich werden den UFO-Akten auf den Grund gehen“
Und was ist nun mit den UFOs? Wenn die „unidentified flying objects“ nicht von Aliens gesteuert werden, die von weit entfernten Planeten aus anderen Galaxien stammen, wer sitzt dann auf der extraterrestrischen Kommandobrücke?
Bezieht sich Vance’ Aussage „Ich denke, es sind Dämonen“ auch auf die Crew der UFOs? Schließlich „fliegen“ Aliens genauso wie "himmlische Wesen“ auch „herum“. Und dass Aliens bekanntlich „seltsame Dinge mit Menschen anstellen“, haben sie mit Dämonen gemeinsam.
So viel ist sicher: Vizepräsident Vance hat den amerikanischen Bürgern im Podcast zugesagt, dass er „den UFO-Akten auf den Grund gehen“ werde.
„Die spinnen die Alien-Dämonen!“
Vielleicht kommt US-Vizepräsident JD Vance am Ende seiner Studien ja zu dem Schluss, dass die UFOs von Dämonen unter dem Kommando von Ober-Dämon Beelzebub gesteuert werden, die im Auftrag des Teufels als Aliens verkleidet unterwegs sind, um arglosen Menschen einen Streich zu spielen.
Wenn dem so wäre, wären Dämonen gar nicht so böse, wie das Christentum über Jahrhunderte immer suggeriert hat. Frei nach dem Lieblingsspruch des Galliers Obelix: „Die spinnen die Dämonen!“ (mit AFP-Agenturmaterial)
