Umfrage in Baden-Württemberg
Jeder Fünfte im Südwesten bangt um seinen Arbeitsplatz
Die Bürger im Land sehen die Wirtschaft als drängendstes Problem. Der neue BWTrend zeigt, dass dies zum Topthema im Landtagswahlkampf werden kann.
© Julian Rettig
Protest von Bosch-Mitarbeitern in Leonberg im November 2024
Von Rainer Pörtner
Im Jahr 1992 wurde der Satz „It`s the economy, stupid“ zum Leitspruch des Wahlkämpfers Bill Clinton: „Es geht um die Wirtschaft, Dummkopf!“ Der Demokrat gewann damals das Rennen um die US-Präsidentschaft. Seither gilt als goldene Regel von Politikern rund um den Globus, in ihren Wahlkämpfern zu beachten, dass Erfolge und Misserfolge in der Wirtschaftspolitik zum entscheidenden Faktor für die Bürger bei ihrer Entscheidung an der Wahlurne werden können.
Angesichts aktuell vieler schlechter Nachrichten für baden-württembergische Unternehmen rücken Wirtschaftsfragen im laufenden Landtagswahlkampf deutlich stärker in den Fokus. Das zeigt der aktuelle BWTrend, die landespolitische Umfrage von Stuttgarter Zeitung und SWR.
Das Thema Zuwanderung fällt auf Platz zwei
Gefragt nach den derzeit wichtigsten politischen Problemen, die in Baden-Württemberg gelöst werden müssen, steht für 29 Prozent und damit für sichtbar mehr Bürgerinnen und Bürger als noch im Herbst vorigen Jahres (plus 9 Prozentpunkte) die heimische Wirtschaft ganz oben auf der Themenagenda. Auf Platz zwei folgen Fragen der Zuwanderung, die für ein gutes Fünftel (23 Prozent; minus 2) am drängendsten sind, auf Platz drei das Thema Bildung (15 Prozent; minus 7).
Der Umwelt- und Klimaschutz steht für 12 Prozent (+/-0) im Mittelpunkt, für 11 Prozent (minus 5) sind Mobilität und Verkehr entscheidend. Soziale Fragen bewegen jeden Zehnten (10 Prozent; plus 1). Die Situation am Wohnungsmarkt hat für 8 Prozent (minus 1) die größte Relevanz, Arbeitslosigkeit (minus 3) und die Absicherung im Alter (plus 2) zählen für jeweils 7 Prozent zu den derzeit wichtigsten Aufgaben.
Wirtschaftliche Stimmung trübt sich weiter ein
Der größere Stellenwert von Wirtschaftsfragen spiegelt sich noch stärker als im Sommer letzten Jahres in der Sorge um die wirtschaftliche Lage im Land. Die wirtschaftliche Stimmung, die bereits im Mai letzten Jahres auf ein Rekordtief eingebrochen war, trübt sich weiter ein.
Aktuell bewertet gerade noch ein Drittel (35 Prozent; minus 8 zu einer Umfrage im Mai 2025) die Lage der heimischen Wirtschaft als sehr gut oder gut, fast zwei Drittel (63 Prozent; plus 8) sehen die Situation pessimistisch. Ein neues Rekordtief im erfolgsverwöhnten Baden-Württemberg.
Sparprogramme und Stellenabbau
Eine ganze Reihe großer Unternehmen in Baden-Württemberg hat Sparprogramme und den Abbau von Stellen angekündigt. Eine Mehrheit der Erwerbstätigen (80 Prozent) sorgt sich zwar nur wenig (34 Prozent) oder überhaupt nicht (46 Prozent) um den eigenen Arbeitsplatz. Immerhin jeder fünfte Erwerbstätige im Bundesland (20 Prozent; plus 3 im Vergleich zu Februar 2025) hat aber sehr große (7 Prozent) oder große (13 Prozent) Sorge, seinen Arbeitsplatz zu verlieren.
Die Umfrage wurde durchgeführt vom Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap.
