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„Jetzt geht es mit vollem Elan weiter“

Bürgermeisterwahl Burgstetten: Irmtraud Wiedersatz holt 83,89 Prozent und kann mit Rückenwind in die vierte Amtszeit starten

Erwartete Kontinuität für Burgstetten: Die alte Bürgermeisterin ist auch die neue. Amtsinhaberin Irmtraud Wiedersatz hat bei der Wahl am Sonntag 83,89 Prozent geholt. Sonja Winter kam auf 9,27 Prozent, Dauerkandidat Samuel Speitelsbach erhielt 3,65 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 44,46 Prozent.

Eine gelöste, freudige Irmtraud Wiedersatz (Mitte, Zweite von links) nimmt die Glückwünsche nach der Wahl entgegen. Foto: T. Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Eine gelöste, freudige Irmtraud Wiedersatz (Mitte, Zweite von links) nimmt die Glückwünsche nach der Wahl entgegen. Foto: T. Sellmaier

Von Christine Schick

BURGSTETTEN. Noch kurz vor 18 Uhr finden sich eine Familie sowie zwei Nachzügler in der Grundschule Burgstall ein, um ihre Stimme abzugeben. Dann nehmen die Auszählteams ihre Arbeit auf und weitere Helfer beginnen, das Foyer der Grundschule umzubauen, stellen Tische auf und platzieren kleine Knabbereien auf ihnen. Kandidatin Sonja Winter ist mit ihrer Tochter und ihrem Sohn gekommen, ihr Mann ist beruflich verhindert. Wenig später findet sich die amtierende Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz mit ihrem Mann Bernhard Schmückle ein, auch ihr Sohn Andreas Schmückle ist mit seiner Freundin Lucy Scharr zur Unterstützung mit von der Partie. Während die Briefwahlergebnisse ausgezählt werden, treffen auch etliche Bürgermeisterkollegen aus den Kreisgemeinden sowie weitere Vertreter aus der Landes- und Kommunalpolitik ein. Gegen 18.45 Uhr verkündet Klaus Schwaderer, Vorsitzender des Wahlausschusses, das klare Ergebnis: Irmtraud Wiedersatz hat 1104 der gültigen Stimmen geholt. Bei Sonja Winter sind es 122. Für Dauerkandidat Samuel Speitelsbach haben 48 Wähler ihr Votum abgegeben. Auf sonstige, selbstgenannte Namen entfielen 42 Stimmen, was 3,19 Prozent entspricht. 49 Stimmen sind ungültig.

Irmtraud Wiedersatz wirkt gelöst, lächelt und wendet sich an die Gäste. „Eine Wahlbeteiligung von über 44 Prozent ist mit Blick auf eine Wahl für die vierte Amtsperiode richtig gut“, sagt sie. „Auf die Burgstettener ist Verlass.“ Gleichsam räumt sie ein, dass die ungültigen und sonstigen Stimmen für ein Nicht-Einverstanden-Sein stehen. In 24 Jahren müsse man auch Entscheidungen treffen, die nicht jeder akzeptieren kann. Dem hätten die Betroffenen durch solch ein Votum Ausdruck verliehen. Trotzdem: „Jetzt geht es mit vollem Elan weiter“, sagt Irmtraud Wiedersatz und dass sie sich auf die kommende Arbeit sowie weitere Projekte im Schulterschluss mit dem Gemeinderat freue. Sonja Winter spricht sie ihren Respekt aus. Sie sei mutig in den Wahlkampf eingestiegen, habe nun auch die andere Seite gesehen. „Sie haben ein respektables Ergebnis errungen“, und möglicherweise auch dazu beigetragen, die Wahlbeteiligung zu erhöhen.

Sonja Winter hatte auf elf Prozent oder etwas mehr gehofft. „Insofern hab ich mein selbst gestecktes Ziel nicht erreicht“, sagt sie. Möglicherweise habe auch eine Rolle gespielt, dass sich im Wahlkampf über die Gespräche mit den Bürgern auch Themen ergeben hätten wie Verkehrs- und Parkplatzproblematik oder Hundehinterlassenschaften, mit denen man nicht so hätte punkten können. Trotzdem bereut sie ihre Kandidatur keinesfalls. „Ich war wirklich beeindruckt, mit wieviel Offenheit und Vertrauen mir die Menschen begegnet sind.“ Insofern kann sie sich vorstellen, sich später in der Kommunalpolitik zu engagieren.

Für Anja Geldner, die im Burgstettener Gemeinderat der Freien Wählervereinigung vorsteht und stellvertretende Bürgermeisterin ist, war der Wahlausgang nicht allzu überraschend. „Ich freue mich natürlich, dass die alte auch die neue Bürgermeisterin ist.“ Jetzt gehe es darum, die konstruktive Arbeit der vergangenen Jahre fortzusetzen. Wichtige Projekte könne man nur im Schulterschluss zum Erfolg bringen.

Ganz ähnlich fällt die Einschätzung von Hans-Joachim Elzmann aus, Vorsitzender der Bürgervereinigung im Gemeinderat. Zum Ergebnis der Wahl sagt er: „Ich habe nichts anderes erwartet. Irmtraud Wiedersatz ist sehr anerkannt.“ Ein wichtiger Punkt sei, dass sie in Bezug auf Zuschüsse eine Hartnäckigkeit an den Tag lege, über die nicht jeder ihrer Kollegen verfüge. Entweder sie bemühe sich frühzeitig um die Unterstützung oder bleibe einfach dran. Nichtsdestotrotz stünden nun ebenso wichtige Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit und klimapolitische Weichenstellungen an, die für alle auch Neuland und somit Herausforderungen darstellten. Am Sonntagabend heißt es dann aber erst einmal, den Wahlabend bei Gesprächen entspannt ausklingen zu lassen. Irmtraud Wiedersatz lässt keinen Zweifel daran, dass sie sich „richtig gut fühlt“ und ihr die Tatkraft sicher nicht ausgehen werde.

„Jetzt geht es mit vollem Elan weiter“
Kommentar
Eine starke Frau

Von Kornelius Fritz

Das Ergebnis der Bürgermeisterwahl in Burgstetten war vorhersehbar: Letztlich ging es eigentlich nur um die Frage, wie deutlich der Sieg von Irmtraud Wiedersatz ausfallen wird. 83,89 Prozent sind es am Ende geworden. Damit konnte die Amtsinhaberin ihr Ergebnis von 2011 noch toppen. Auch mit der Wahlbeteiligung von 44,46 Prozent kann sie zufrieden sein. Das Ergebnis zeigt: Die Beliebtheit der Bürgermeisterin ist auch nach
24 Jahren im Amt ungebrochen.

Wiedersatz führt die Gemeinde ohne persönliche Eitelkeiten und hat – im Gegensatz zu manchem männlichen Kollegen – nie die Bodenhaftung verloren. Mit Charme, Ideenreichtum und Beharrlichkeit hat die 58-Jährige einiges erreicht. Jüngstes Beispiel: die Rettungsaktion für das „Bädle“ in Erbstetten. Statt das marode Freibad zu schließen, gab Wiedersatz die Parole aus: „Unser Bädle darf nicht baden gehen.“ Viele zogen an einem Strang und spendeten, die Bürgermeisterin bemühte sich um Fördergelder. Mit Erfolg: Vor zwei Wochen haben die Sanierungsarbeiten begonnen.

Gegenkandidatin Sonja Winter wollte den Bürgern eine echte Wahlmöglichkeit bieten und hat sich richtig ins Zeug gelegt. Dafür gebührt ihr Respekt. Eine echte Alternative war sie für die meisten Wähler allerdings nicht. Neben Verwaltungserfahrung fehlte es ihr auch an Überzeugungskraft: Bei der Kandidatenvorstellung der Gemeinde wirkte die Herausforderin eher konfus.

Rätselhaft bleibt die Kandidatur von Samuel Speitelsbach: Wieso sich jemand als Bürgermeister bewirbt, der offensichtlich keinerlei Interesse an der Gemeinde hat, ist nicht nachvollziehbar. Nach Speitelsbachs unsäglichen Auftritten in anderen Gemeinden, hat ihn in Burgstetten aber auch keiner vermisst.

Irmtraud Wiedersatz geht nun mit Rückenwind in ihre vierte und voraussichtlich letzte Amtszeit. Die Sorge, dass sie es nun gemütlicher angehen lässt, ist in ihrem Fall ganz sicher unbegründet.

k.fritz@bkz.de

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Erstellt:
23. September 2019, 06:00 Uhr

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