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Jetzt muss der Komiker liefern

Wladimir Selenski hat sich bisher vor klaren Positionen gedrückt – das kann sich die Ukraine nicht leisten

Früher hat Wladimir Selenski, der ukrainische Komiker, die politische Realität als Vorlage für seine brillante Satire-Sendung genutzt. Seit Sonntag ist die Satire nun die Vorlage für die politische Realität in der Ukraine. Da der neu gewählte ukrainische Präsident wenig zu seinen politischen Positionen sagte und darauf setzte, dass man ihn – oder vielmehr den fiktiven Präsidenten seiner TV-Serie „Diener des Volkes“ – ja längst kenne, bleibt in diesen Tagen wenig übrig, als die Aussagen dieses fiktiven Präsidenten näher zu betrachten.

Das aber ist mehr als irreführend: In Selenskis Serienwirklichkeit gibt es keine Annexion der Krim, es gibt auch keinen Krieg im Donbass. Es gibt viele nette Russen und viele dämliche ukrainische Politiker. Für eine Satire-Show mag das ausreichen, für eine ernsthafte Politik, die das Land weiter wirtschaftlich stabilisieren soll, reicht das nicht. Das Land ist in der Schwebe und kann es sich angesichts seiner wirtschaftlichen Lage wie auch der Destabilisierungsversuche Russlands eigentlich nicht leisten.

Die ukrainische Staatlichkeit ist zwar auch mit Selenski an der Spitze seines Landes nicht gefährdet. Doch der Komiker hat sich in eine herausfordernde Lage manövriert: Da er sich als alles und nichts gab und damit punktete, weil jeder Wähler in ihm das sehen konnte, was er sich wünschte und erhoffte, ist die Enttäuschung der Ukrainer programmiert. Wladimir Selenski mag die Politik verhöhnen, nun aber ist er ein grundlegend wichtiger Teil dieser Politik und muss liefern, will er tatsächlich ein Diener seines Volkes sein.

politik@stzn.de

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Erstellt:
23. April 2019, 10:17 Uhr

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