Fall der Collien Fernandes

Jörg Kachelmann wehrt sich gegen Vergleiche: „Meine Solidarität gilt den Opfern“

Jörg Kachelmann wehrt sich dagegen, dass er als „lebender Beleg“ für Falschbeschuldigungen herhalten müsse. Das passiere vermehrt im Zusammenhang mit dem Fall Fernandes.

Jörg Kachelmann im Jahr 2022 bei der Aufzeichnung der MDR-Sendung „Riverboat“.

© IMAGO/STAR-MEDIA

Jörg Kachelmann im Jahr 2022 bei der Aufzeichnung der MDR-Sendung „Riverboat“.

Von Michael Bosch

Vor dem Hintergrund der aktuellen Vorwürfe von Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen wehrt sich Jörg Kachelmann dagegen, im Netz als „lebender Beleg“ dafür herzuhalten, dass sich Vorwürfe in manchen Fällen auch schon als Falschbeschuldigungen herausgestellt haben.

Der ehemalige ARD-Wettermoderator saß 2010 wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung für mehr als vier Monate in der JVA Mannheim in Untersuchungshaft, wurde später aber freigesprochen. Die Klägerin, seine Ex-Partnerin, wurde wegen „wahrheitswidriger“ Beschuldigung verurteilt.

Jörg Kachelmann: „Was mir passiert ist, lässt sich nicht verallgemeinern“

Kachelmann schrieb in einem Posting auf X, er sei bestürzt, wie oft sein Name unter Beiträgen zu dem Thema zu lesen sei. Es sei für ihn „einerseits positiv, dass bei vielen Menschen angekommen ist, dass ich Opfer einer Falschbeschuldigung wurde. Dass ich aber dadurch grundsätzlich und in jedem Fall zu einem argumentativen Hindernis gemacht werden soll, wenn Frauen Gewalterfahrungen anzeigen und diese unter einen Generalverdacht gestellt werden, dass es ‚womöglich wie beim Kachelmann’ war, ist abseitig und falsch.“

An den „langen Kampf, bis die Schuld der Täterin zweifelsfrei festgestellt wurde“ zu denken, sei für ihn nach wie vor schwierig, so Kachelmann. Zum Fall von Fernandes schloss er: „Meine Solidarität gilt immer den Opfern, wo sie auch immer sind. Was mir passiert ist, lässt sich nicht verallgemeinern. Lassen Sie mich raus.“

Er lehne die Vergleiche ab und fordere, „allen Frauen mit Respekt zu begegnen, die sexualisierte und andere Gewalt anzeigen“, schrieb der 67-Jährige.

Ermittlungsverfahren in Spanien befindet sich in früher Phase

Seit Jahren kursieren gefälschte Nacktbilder, sogenannte sexualisierte Deepfakes, von Fernandes im Netz. Die Moderatorin wehrt sich gegen die digitale Gewalt – am Wochenende demonstrierten Tausende in Berlin, zu der Demo hatte auch die 44-Jährige aufgerufen.

Auch ihren Ex-Mann, den Schauspieler Christian Ulmen, beschuldigt Fernandes in ihrem Kampf gegen die Verbreitung der Aufnahmen. Zuerst hatte das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ über die Vorwürfe berichtet. Ein in Spanien geführtes Ermittlungsverfahren befindet sich in einer sehr frühen Phase. Es geht laut dem „Spiegel“-Bericht unter anderem um Identitätsmissbrauch, Beleidigung, Bedrohung und körperliche Gewalt innerhalb der Beziehung.

Ulmens Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung an, bei der es sich „in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung“ handle. Zudem würden „unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet“, wie es in einem veröffentlichten Informationsschreiben heißt. Eine Anfrage unserer Zeitung zu den erhobenen Vorwürfen ließ die Kanzlei unbeantwortet. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Inzwischen haben sich etliche Prominente zu dem Fall positioniert.

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Erstellt:
23. März 2026, 16:00 Uhr
Aktualisiert:
23. März 2026, 16:22 Uhr

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