Neue AfD-Jugendorganisation

Jung, forsch und stramm rechts: Jean-Pascal Hohm führt neue AfD-Jugend an

Jean-Pascal Hohm, 28, führt die neue AfD-Jugendorganisation an. Der Verfassungsschutz hat ihn im Blick. Welche Pläne verfolgt er und wie reagiert die Politik?

Jean-Pascal Hohm, Chef der neuen AfD Jugendorganisation «Generation Deutschland», spricht auf der Gründungsveranstaltung.

© Thomas Frey/dpa/Thomas Frey

Jean-Pascal Hohm, Chef der neuen AfD Jugendorganisation «Generation Deutschland», spricht auf der Gründungsveranstaltung.

Von Alexander HOLECEK

Die AfD hat wieder eine Jugendorganisation und die nun auch einen Chef: Jean-Pascal Hohm, 28 Jahre, aus Cottbus, vom rechten Rand der AfD führt den neuen Nachwuchsverband an. Der Posterboy der jungen Rechten will Deutschland "vor dem Niedergang bewahren", sagt er am Samstag bei der Gründungsveranstaltung der Generation Deutschland in Gießen. Die wählt ihn mit 90,4 Prozent ins Amt. Damit dürfte Hohm künftig in ganz Deutschland aufs politische Radar kommen.

Der Verfassungsschutz in Brandenburg hat Hohm schon lange auf dem Schirm. Im Einstufungsvermerk seines gesichert rechtsextremistischen brandenburgischen Landesverbands wird er dutzendfach namentlich erwähnt und mit migrationsfeindlichen und völkischen Thesen zitiert. So beschrieb er auf X einen "großen Austausch" der Bevölkerung. Wer "Staatsvolk sukzessive durch Einbürgerung ersetzt, verändert Deutschland nicht, sondern schafft es ab", schrieb er da. "Ohne Deutsche kein Deutschland". Widerstand sei "darum Pflicht".

Neue Struktur durch Neugründung

Die Generation Deutschland löst die Junge Alternative (JA) ab, die vom Verfassungsschutz ebenfalls als gesichert rechtsextremistisch eingestuft war. Die JA war ein eingetragener Verein und hätte vom Bundesinnenministerium verboten werden können. Das wird durch die neue Struktur deutlich schwieriger. Hohm sieht die neue Jugendorganisation daher "besser vor staatlicher Repression" geschützt, schrieb er auf X und stellte damit wie die Parteichefs Alice Weidel und Tino Chrupalla die Rechtmäßigkeit der Beobachtung durch den Verfassungsschutz in Frage.

Mit Hohm an der Spitze dürfte die AfD-Jugend weiter auf stramm rechtem Kurs unterwegs bleiben. Nähe zu extremistischen Strömungen lässt der neue Chef explizit zu. Er wolle künftig "eng mit dem politischen Vorfeld" zusammenarbeiten, sagt er in Gießen. Er kündigt "Mut zum eigenen Standpunkt" an.

Verfassungsschutz: In „Hochburgen des Rechtsextremismus politisch sozialisiert“

1997 im brandenburgischen Ludwigsfelde südlich von Berlin geboren sei er in "Hochburgen des Rechtsextremismus politisch sozialisiert" worden, schreibt der Verfassungsschutz. Dort sei er noch immer "persönlich vernetzt" und nehme "an einer rechtsextremen Subkultur" teil. 2014 trat er in die AfD ein - noch als Minderjähriger.

Seit 2017 lebt Hohm in Cottbus nahe der polnischen Grenze. "Erst in einer Ströbitzer Plattenbau-Wohnung, dann im Altbau in der Innenstadt, jetzt im Ortsteil Willmersdorf", wie er selbst seinen eigenen sozialen Aufstieg beschreibt. In dem ländlichen, vom Braunkohlebergbau geprägten Stadtteil im Norden der Stadt leben insgesamt nur gut 600 Menschen - zwei davon sind Hohm und seine Ehefrau, die er in diesem Jahr geheiratet hat.

AfD-Erfolg im Osten: Jungwähler als Schlüssel zum Sieg bei Landtagswahl?

Das südliche Brandenburg gilt als Hochburg der AfD. Hohm gewann bei der Landtagswahl 2024 das Cottbuser Direktmandat und sitzt seither im Potsdamer Landesparlament. In den angrenzenden Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt führt die AfD die Umfragen klar an und könnte bei den Landtagswahlen im kommenden Jahr stärkste Kraft werden. Die Basis für ein starkes Wahlergebnis dürften im Osten die Jungwähler legen.

Genau diese Klientel spricht Hohm in Gießen an. Er wolle die "Stimme all der Jungen und Mädchen sein, die auf den Schulhöfen in Ost und West zur Minderheit werden", sagte er. Und er wolle "die Stimme all jener jungen Deutschen sein", die bereit seien, den Dienst bei der Bundeswehr abzuleisten.

Wie tritt Hohm auf?

Hohm tritt schneidig auf, freundlich, aber verbindlich. Er mahnt im Tagesablauf zum Tempo, hat kurze Haare und ein beiges Sakko an, sein hellgraues Hemd trägt er offen, ohne Krawatte. Er lächelt freundlich. Die Basisarbeit zu Hause bereite ihm eigentlich zu viel Freude, um nun Politfunktionär zu werden, sagt er. Aber die Probleme in "diesem liebenswerten Land" seien zu groß.

Er meint vor allem die Migration, die auch von der CDU in der Regierung nicht eingedämmt werden könne. "Wir werden entschlossen streiten für eine echte Migrationswende, die dafür sorgt, dass Deutschland die Heimat der Deutschen bleibt", sagt er unter großem Applaus. Nach seiner Wahl skandieren die Mitglieder "Hohm, Hohm, Hohm".

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Erstellt:
29. November 2025, 19:50 Uhr

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