Junge frankophile Mitstreiter gesucht

Noch sind die Formalitäten zur Gründung des Partnerschaftsvereins Backnang/Annonay nicht abgeschlossen, im Hintergrund werden aber schon Fäden gesponnen, die in die Zeit nach der coronabedingten Durststrecke reichen. In Annonay gibt es einen Wechsel beim Partnerschaftskomitee.

Daniel Misery (rechts), der neue Vorsitzende des „Comité de Jumelage“ in Annonay, bei der 50-Jahr-Partnerschaftsfeier in Frankreich. Foto: I. Knack

Daniel Misery (rechts), der neue Vorsitzende des „Comité de Jumelage“ in Annonay, bei der 50-Jahr-Partnerschaftsfeier in Frankreich. Foto: I. Knack

Von Ingrid Knack

Backnang/Annonay. Bei der Partnerschaft zwischen Backnang und dem französischen Annonay hat sich in der letzten Zeit hinter den Kulissen einiges getan. Nicht nur, dass die Freunde beider Städte selbst während der coronabedingten Lockdowns dank digitaler Wege aufeinander zugegangen sind – auch die Komitees in beiden Städten haben sich Gedanken darüber gemacht, wie sie die über 50 Jahre andauernde Partnerschaft neu beleben könnten. In Annonay wurde Daniel Misery zum neuen Vorsitzenden des Partnerschaftskomitees gewählt. In Backnang wird das bisherige Partnerschaftskomitee durch einen Verein abgelöst. „Es dauert noch einige Wochen, bis die erforderlichen Stufen mit Finanzamt und Notar abgeschlossen und wir im Vereinsregister sind“, sagt Inge Wagner, die den Vorsitz übernehmen wird. „Wir nennen uns immer noch Komitee. In der Interimszeit haben wir den Vorstand gewählt, und der bleibt dann auch im Verein so.“ Solange die Formalitäten nicht abgeschlossen sind, können allerdings noch keine Mitglieder geworben werden. „Wenn wir ein Verein sind, legen wir sofort los“, so Inge Wagner.

Vor allem sollen junge Menschen für die Partnerschaftsarbeit gewonnen werden. Dies sei auch bei einem Gespräch Mitte Oktober mit Oberbürgermeister Maximilian Friedrich und weiteren Vertretern der Stadt, des Partnerschaftsvereins Backnang/ Chelmsford und des Paten- und Partnerschaftskomitees Bácsalmás/Backnang sowie Gemeinderäten als eines der Ziele genannt worden. Mit der Gründung des Vereins wird nun auch eine immer wieder geforderte klare Trennung zwischen städtischem und ehrenamtlichem Engagement im Sinne der Völkerverständigung realisiert.

Der neue Verein setzt auf Bewährtes und wartet zudem mit neuen Ideen auf

Dies bedeutet aber auch, dass bei der Planung von bedeutenden Veranstaltungen wie dem Straßenfest möglichst Absprachen getroffen werden. Bei den Planungen „sollte man uns auch hören“, erklärt Inge Wagner. Dass die Kommunikation klappen wird, da ist sie zuversichtlich. Denn der Termin beim OB sei sehr gut verlaufen. Gespräche wie dieses mit allen Partnerschaftsexperten – künftig einmal im Jahr – hält Wagner für einen guten Weg. Und sie fügt an: „Wir wollen sehr viel Leben reinbringen nach den Lockdowns.“ Wie das konkret aussieht? „Im Prinzip wollen wir bei dem andocken, was sich bewährt hat“, sagt die Vorsitzende. Dazu gehören der Schüleraustausch, den Wagner schon in ihrer Zeit als Lehrerin gefördert hat, gemeinsame Aktivitäten von Vereinen und Institutionen etwa auf sportlichem, musikalischem oder kirchlichem Gebiet, Kinoabende mit Filmen in französischer Sprache, Chanson-Abende oder Ausstellungen von Backnanger und Annonayer Künstlern. Dass die französischen Freunde zum Straßenfest kommen, ist genauso gesetzt wie die Teilnahme von Backnangern am Feinschmeckermarkt „Les Gourmandises d’Ardèche“ immer am dritten Wochenende im November. Vertreter der Backnanger Gastronomie bieten dort schwäbische Spezialitäten wie Schupfnudeln, Sauerkraut und Laugenbrezeln an. Beim Weihnachtsmarkt in Backnang verkauften Mitglieder des Backnanger und Annonayer Komitees bisher Produkte aus der Ardèche wie Lavendel- und Kastanienhonig oder Maronencreme. Dieses Jahr sieht es nach den Worten Wagners so aus: „Auf dem Weihnachtsmarkt wird es einen gemeinsamen Stand der Partnerschaftskomitees beziehungsweise der Vereine geben.“

Eine Idee, um den Backnangern Annonay (noch) näher zu bringen, ist eine Stadtführung, die Annonay und Frankreich zum Thema hat. Schließlich gibt es in Backnang eine Annonaystraße und den Annonaygarten, der bei den 50-Jahr-Partnerschaftsfeierlichkeiten 2017 eingeweiht wurde. Und: Beide Städte haben eine Geschichte, die mit der Lederindustrie zu tun hat (hier wäre das Technikmuseum eine gute Station). Und dann gibt es die Schickhardt-Route, die 2004 zu einer Kulturstraße des Europarats erhoben wurde und von Montbéliard über Freudenstadt und Tübingen bis nach Backnang führt. Freilich ist hier vor allem die Stadt gefragt. Vorstellen kann sich Wagner auch einen französischen Gesprächskreis. Übrigens: Noch gibt es die Blätter „Schümmlahsch“ (schwäbisch für Jumelage = Partnerschaft), in denen Michel Thobois, der bis 2020 Partnerschaftskomitee-Vorsitzender war, dreimal im Jahr Berichte aus Annonay und Backnang für die Mitglieder des Komitees veröffentlicht.

Inge Wagner 2016 beim Ausstellungsbesuch in Annonay anlässlich der Feierlichkeiten zum 50-Jahr-Partnerschaftsjubiläum. Foto: privat

Inge Wagner 2016 beim Ausstellungsbesuch in Annonay anlässlich der Feierlichkeiten zum 50-Jahr-Partnerschaftsjubiläum. Foto: privat

Neue Positionen

Der neue Backnanger Verein Nachdem der frühere Präsident des Partnerschaftskomitees Annonay/Backnang, Michel Thobois, sein Amt wegen seines Wegzugs aus Backnang niedergelegt hatte, war dessen frühere Stellvertreterin Christa Elser die erste Ansprechpartnerin im Komitee. Sie und Michael Balzer unterstützen nun als stellvertretende Vorsitzende die Vorsitzende Inge Wagner. Schriftführerin ist Gerlinde Fritz, die viele Jahrzehnte als Vertreterin der Stadt Backnang im Partnerschaftskomitee mitarbeitete. Die Position des Schatzmeisters wird Klaus Siebrand übernehmen.

Der Neue in Annonay: Jedes Jahr wird der Vorstand des Partnerschaftskomitees in Annonay neu gewählt. Bei der jüngsten Vorstandssitzung des „Comité de Jumelage“ erhielt Daniel Misery die meisten Stimmen. Er tritt nun die Nachfolge von Patrick Charrier an. Misery ist seit 2008 Mitglied des Komitees. 2008 war er auch zum Stadtrat gewählt worden. Nach seiner Wahl sagte er nach einem Bericht der freien Journalistin Fabienne Dusser in der örtlichen Presse: „Ich hatte das Glück, 1967 in Backnang bei der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde dabei gewesen zu sein.“ 54 Jahre später erinnere er sich noch immer an den herzlichen Empfang in Backnang. Damals war er Journalist beim Réveil du Vivarais, später wurde er der Chef der Wochenzeitung. Auch er mahnte, „das Partnerschaftskomitee zu verjüngen, um sich auf die Zukunft vorzubereiten“. Die meisten der derzeitigen Mitglieder seien Rentner.

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Erstellt:
26. Oktober 2021, 11:30 Uhr

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