Mannheim

Junge Muslime räumen nach der Böllerei in der Innenstadt auf

Seit etwa 30 Jahren rücken jedes Jahr nach der großen Böllerei junge Muslime mit Besen und Mülltüten aus. Warum der Einsatz für saubere Straßen dieses Jahr besonders politisch ist.

In Mannheim beteiligten sich rund 70 junge Menschen am Neujahrsputz.

© Uwe Anspach/dpa

In Mannheim beteiligten sich rund 70 junge Menschen am Neujahrsputz.

Von red/dpa/lsw

Nach der von Bundeskanzler Friedrich Merz ausgelösten Stadtbild-Debatte haben sich junge Muslime in vielen Städten zur Beseitigung des Silvestermülls getroffen, um ihr Stadtbild zu verschönern. Auch in Mannheim beteiligten sich rund 70 junge Menschen am Neujahrsputz, wie der zuständige Imam Noor-ud-Din Ashraf berichtete. 

Es seien mehr Menschen als in den vergangenen Jahren dabei gewesen, die Jugendlichen hätten sich zunächst zum Gebet um 6.15 Uhr versammelt, dann gefrühstückt und danach gemeinsam Böller- und Raketenreste weggeräumt. 

Aktion läuft seit 30 Jahren

Die Aktion Neujahrsputz läuft bereits seit rund 30 Jahren, sie erhält dieses Jahr wegen der Stadtbild-Debatte aber eine besondere Bedeutung. Man habe ein noch kräftigeres Zeichen mit der Putzaktion setzen wollen, sagte der Theologe Ashraf. „Wo die Straßen am schlimmsten sind, da sind Muslime da und helfen.“

Muslime würden in der Stadtbild-Debatte pauschalisiert und schief angesehen, kritisierte er. Auch gut integrierte Menschen müssten immer wieder beweisen, dass sie Teil der Gesellschaft seien. Das nerve die Jugendlichen. Mit der Aktion wolle man ein Zeichen der Liebe setzen, Deutschland etwas zurückgeben und zeigen, dass Muslime genauso integriert seien. 

Streben nach Frieden

Hinter der Putzaktion steht der Verband Ahmadiyya Muslim Jamaat und dessen Jugendverband, die das Streben nach Frieden und soziales Engagement in den Mittelpunkt stellen. Der Ahmadiyya-Jugend gehören nach Worten des Imams bundesweit etwa 20.000 junge Leute an. In den vergangenen Jahren hatten sich etwa 10.000 junge Muslime bundesweit an der bundesweiten Putzaktion beteiligt und nach eigenen Angaben rund 3.300 Beutel Müll gesammelt und entsorgt.

Bundeskanzler Merz hatte im Oktober gesagt, die Bundesregierung korrigiere frühere Versäumnisse in der Migrationspolitik und mache Fortschritte, „aber wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem“. Das hatte bundesweit eine hitzige Debatte und eine Welle des Protests ausgelöst. Später konkretisierte Merz, Probleme machten Migranten, die keinen dauerhaften Aufenthaltsstatus hätten, nicht arbeiteten und sich nicht an die Regeln in Deutschland hielten.

Zum Artikel

Erstellt:
1. Januar 2026, 14:34 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen