Kandidiert Hornauer in Backnang?

Der exzentrische Unternehmer aus Plüderhausen postet Wahlplakate bei Facebook.

Thomas G. Hornauer ist bekannt für seine bizarren Auftritte. Archivfoto: E. Layher

© Edgar Layher

Thomas G. Hornauer ist bekannt für seine bizarren Auftritte. Archivfoto: E. Layher

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Plant Thomas G. Hornauer eine Kandidatur bei der Backnanger Oberbürgermeisterwahl im März? Mit Einträgen in Backnanger Facebook-Gruppen hat der schrille Unternehmer aus Plüderhausen am Wochenende jedenfalls diesen Eindruck erweckt. Hornauer postete dort Wahlplakate mit seinem Konterfei und dem Schriftzug „Hallo Backnang“ sowie dem bereits aus anderen Gemeinden bekannten Slogan „Deine Stimme spricht durch mich – für dich“. Das Foto kommentierte Hornauer noch mit den Worten: „Hallo Backnang. Jetzt wird es hell in der Stadt.“

Ob dies als Ankündigung für eine Kandidatur bei der OB-Wahl zu verstehen ist oder nur ein Gag sein sollte, bleibt vorerst offen. Auf Anfragen unserer Zeitung per Telefon und E-Mail reagierte Hornauer bis gestern Abend nicht. Allerdings wäre es keine Überraschung, wenn der 60-Jährige tatsächlich seine Bewerbung einreichen würde, schließlich hat er in den vergangenen Jahren bereits siebenmal bei Bürgermeisterwahlen in der Region kandidiert. Mit überschaubarem Erfolg: 4,8 Prozent in Plüderhausen waren sein bisher bestes Ergebnis, bei der jüngsten Kandidatur in Lorch reichte es im Februar nur für 2,0 Prozent.

Für Aufsehen sorgte Hornauer dafür mit seinen teils bizarren Auftritten im Wahlkampf. So trat er etwa bei einer Podiumsdiskussion in Welzheim im Königsmantel auf. Vom Veranstalter, dem Zeitungsverlag Waiblingen, forderte er für diesen und zwei weitere Auftritte anschließend mehr als 300000 Euro Gage. Als dieser nicht zahlen wollte, zog Hornauer vor Gericht. Seine Klage wurde im Juni allerdings vom Oberlandesgericht Stuttgart in zweiter Instanz abgewiesen. Auch sonst beschreitet Hornauer gerne den Rechtsweg: Die Wahlergebnisse in Plüderhausen und Kernen im Remstal ließ er – ebenfalls erfolglos – anfechten.

Um kommunalpolitische Ämter bemüht sich Thomas Hornauer erst seit knapp drei Jahren, für seine exzentrischen Auftritte ist er aber schon viel länger bekannt. Hornauer ist laut eigener Aussage ein unehelicher Ururenkel von König Ludwig II. und rief 2008 das „Vereinte Heilige Deutsche Königreich“ aus. Seitdem lässt er sich mit „Seine Königliche Heiligkeit“ ansprechen und residiert auf einem goldenen Thron.

Nachdem er in den 1990er-Jahren mit Sex- und Astro-Hotlines ein Vermögen verdient hatte, übernahm er 2003 den insolventen Regionalsender BTV und machte aus dem Nachrichtenprogramm einen „spirituellen TV-Lebensberatungssender“ mit Esoterik- und Wahrsageshows. Die Landesstelle für Kommunikation entzog ihm daraufhin 2004 die Lizenz. Hornauers „Kanal Telemedial“ sendete allerdings noch bis 2017 weiter, zunächst mit österreichischer Lizenz, später übers Internet. Mittlerweile betreibt Thomas Hornauer ein Licht-Kristallzentrum in Plüderhausen und einen spirituellen Wallfahrtsort namens „Paradise Valley“ in Thailand. Hornauer bezeichnet sich als Anhänger des „Christ-Buddhismus“. „Christ-Buddhisten haben den Erleuchter Buddha und den Erlöser Jesus harmonisch in ihrem Herzen“, heißt es dazu auf seiner Homepage.

Um in Backnang zur Oberbürgermeisterwahl zugelassen zu werden, müsste Thomas Hornauer allerdings Unterstützerunterschriften von 50 Wahlberechtigten vorlegen. Eine Hürde, die es in den Gemeinden, in denen er bisher kandidiert hatte, nicht gab. Sollten ihm die Unterschriften fehlen, könnte er es so machen wie im Juni in Berglen: Dort stand Hornauers Name zwar nicht auf dem Wahlzettel, trotzdem hängte er im ganzen Ort seine Wahlplakate auf.

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Erstellt:
8. Dezember 2020, 06:00 Uhr

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