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„Kann kaum glauben, dass ich 60 werde“

Der CDU-Landtagsabgeordnete Wilfried Klenk feiert morgen Geburtstag – Mit dem Älterwerden hat er keine Probleme

An seinem 60. Geburtstag ist Wilfried Klenk ausnahmsweise nicht in Baden-Württemberg. Der CDU-Landtagsabgeordnete und Staatssekretär im Innenministerium verbringt das Wochenende mit seiner Frau in Rom. Vor seiner Abreise sprach der Politiker aus Oppenweiler mit unserer Zeitung über...

Wilfried Klenk denkt zwar noch nicht ans Aufhören, der Gedanke an ein Leben nach der Politik macht ihm aber auch keine Angst. Archivfoto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Wilfried Klenk denkt zwar noch nicht ans Aufhören, der Gedanke an ein Leben nach der Politik macht ihm aber auch keine Angst. Archivfoto: A. Becher

Von Kornelius Fritz

...die Bedeutung von Geburtstagen: Runde Geburtstage sind für mich schon so etwas wie Meilensteine im Leben. Meinen 50. Geburtstag habe ich damals mit allen meinen Weggefährten groß gefeiert. Dieser Geburtstag hatte für mich auch deshalb eine besondere Bedeutung, weil meine Mutter ihren 60. Geburtstag gar nicht mehr erlebt hat, sondern mit 56 Jahren gestorben ist. Deshalb freue ich mich heute umso mehr, dass ich meinen 60. bei bester Gesundheit erleben darf.

...das Älterwerden: Damit habe ich überhaupt kein Problem. Körperlich fühle ich mich wohl und kann es eigentlich selbst kaum glauben, dass ich schon 60 werde. Manche Entscheidung treffe ich aufgrund meiner Lebens- und Berufserfahrung heute aber sicher anders, als ich es vor 30 Jahren getan hätte.

...Wünsche mit 60: Ich träume nicht von einer Weltreise oder etwas in dieser Art. Aber ich führe zurzeit ein Leben, bei dem ich sieben Tage in der Woche eingespannt bin. Jetzt trete ich in das Lebensjahrzehnt ein, in dem das Ende der beruflichen Laufbahn naht. Und da macht man sich natürlich auch Gedanken darüber, was danach kommt. Ich bin ja sehr naturverbunden und besitze an meinem Wohnort in Ellenweiler ein großes Grundstück. Dem will ich mich irgendwann noch mehr widmen, als es momentan möglich ist.

...Oppenweiler: Hier ist für mich Heimat. Ich bin hier geboren und aufgewachsen und habe tatsächlich nie woanders gelebt. Durch meine politische Tätigkeit bin ich viel in Baden-Württemberg, in Deutschland und in Europa unterwegs. Umso wohler fühle ich mich, wenn ich mal freie Zeit habe und die in meiner Heimatgemeinde verbringen kann. Ich glaube, ich würde mich woanders dauerhaft nicht wohlfühlen.

...Politiker als Vollzeitjob: Ich bin mit 21 Jahren in den Gemeinderat gewählt worden. Das war ein reines Ehrenamt. Auch als Landtagsabgeordneter habe ich Beruf und Mandat noch einige Jahre miteinander verbunden – einfach, um eine gewisse Bodenhaftung zu behalten. Das hat mir auch für die Politik sehr viel gebracht. Erst als ich Landtagspräsident wurde, war das zeitlich nicht mehr möglich. Ich bin der Meinung, jeder Abgeordnete sollte einen Berufsabschluss haben und möglichst auch für eine gewisse Zeit in einem anderen Beruf gearbeitet haben. Wir sind ja Volksvertreter und deshalb sollten auch aus allen beruflichen und gesellschaftlichen Schichten Vertreter im Parlament sein.

...das Gefühl, wichtig zu sein: Ich halte mich nicht für wichtiger als jeden anderen. Einer von 143 Abgeordneten zu sein, die für elf Millionen Menschen in Baden-Württemberg stehen, ist aber natürlich etwas Besonderes.

...das neue Klima im Landtag: Ich kenne noch das Zusammenwirken der vier etablierten Parteien in der letzten Legislaturperiode. Als Landtagspräsident hatte ich damals ja auch die Sitzungsleitung. Mit der jetzigen Situation ist das überhaupt nicht mehr vergleichbar. Der Umgangston ist wesentlich rauer geworden. Das liegt in erster Linie am Einzug einer neuen Partei in den Landtag, dadurch hat sich aber auch zum Teil das Verhalten der Kollegen in den anderen Fraktionen verändert. Ich habe nichts dagegen, dass man auch mal hart in der Sache streitet, finde es aber wichtig, dass man sein Gegenüber trotzdem respektiert.

...Freundschaften in der Politik: Die gibt es, auch über Parteigrenzen hinweg. Auch ich habe Kolleginnen und Kollegen, zu denen ich außerhalb des parlamentarischen Betriebs eine gute Vertrauensbasis habe. Umgekehrt gibt es aber auch Leute in der eigenen Partei, mit denen man nicht so gut klarkommt. Wenn es um Posten und Funktionen geht, sitzen die Mitbewerber ja in der Regel in den eigenen Reihen. Als ich Landtagspräsident wurde, gab es beispielsweise Stimmen, ich solle zugunsten einer Frau verzichten. Das entspricht aber nicht meinem Demokratieverständnis, denn ich wurde mit deutlicher Mehrheit nominiert und vom Parlament gewählt.

...Enttäuschungen in der Politik: Ich habe in meiner politischen Laufbahn eigentlich keine großen Enttäuschungen erlebt. Ich glaube, dass ich auch in schwierigen Diskussionen in der Politik ganz gut bestehe, weil ich offen und ehrlich bin. Ich rede nichts schön und stelle keine Forderungen, von denen ich selber weiß, dass sie nicht haltbar sind. So etwas funktioniert in der Politik nicht lange.

...Politikverdrossenheit: Die Zusammenhänge in der Politik sind oft leider nicht so einfach, wie sie manchmal am Stammtisch diskutiert werden. In der Praxis stößt man immer wieder an die Grenzen der Machbarkeit. Aber das müssen wir den Menschen vermitteln. Wir müssen erklären, warum etwas nicht geht, sonst entsteht der Eindruck, dass „die da oben“ sich nicht für die Probleme der Menschen interessieren, und das darf nicht passieren. Wir sind vom Volk gewählt und müssen immer mit dem Volk in Kontakt bleiben, denn nur dann bekommen wir mit, was die Menschen bedrückt.

Zur Person
Wilfried Klenk

Wilfried Klenk ist in Oppenweiler geboren und aufgewachsen. Nach einer Ausbildung zum Rettungsassistenten und einer internen Weiterqualifizierung übernahm er verschiedene Führungspositionen beim Deutschen Roten Kreuz. Bis 2015 war er Leiter des Stuttgarter Rettungsdienstes und der DRK-Oberleitstelle Baden-Württemberg.

1980 wurde Wilfried Klenk erstmals in den Gemeinderat von Oppenweiler gewählt und gehörte dem Gremium bis 2018 an. Von 1999 bis 2018 saß er auch im Kreistag. 2001 zog der CDU-Politiker in den Landtag ein und verteidigte bei drei Wahlen das Direktmandat.

Von 2015 bis 2016 war Wilfried Klenk Landtagspräsident und anschließend zwei Jahre Vizepräsident. Im April 2018 berief ihn Innenminister Thomas Strobl zum politischen Staatssekretär.

Wilfried Klenk ist verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn.

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Erstellt:
2. März 2019, 06:00 Uhr

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