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Kein Gerücht: Ja, es fiel ein Schuss

Aber es war wohl eine Schreckschusspistole – Schlägerei in Schorndorf am Samstag: Was wir wissen und was noch unklar ist

Von Peter Schwarz

SCHORNDORF. 60 Leute, eine heftige Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen, Blaulicht, Sirene, Rettungshubschrauber, Streifenwagen – es ging drunter und drüber am Samstag gegen 17.30 Uhr bei der Schorndorfer Künkelinhalle. Ein junger Syrer wurde durch einen Schuss aus einer Waffe – wohl einer Schreckschusspistole – verletzt. Der Dunst in der Gerüchteküche ist so dicht, dass man kaum was sieht – auch die Polizei kann den Nebel momentan nur ansatzweise lichten: „Wir ringen noch damit“, sagt Holger Bienert, Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen.

Am Samstag gegen 17.30 Uhr ging bei der Polizei ein Notruf ein: „Schlägerei zwischen zwei größeren Personengruppen in der Schlichtener Straße, Einmündung Urbanstraße.“ Aber nicht nur die Polizei bekam das mit – bald brodelte es in der Stadt. Gerüchte, Mutmaßungen, Halbwahrheiten... Um 22.20 Uhr meldete die Polizei auf ihrem Presseportal: „Bei einer Auseinandersetzung zwischen zwei Personengruppen“ sei „eine Person schwer und eine weitere leicht verletzt worden“. Ein 18 Jahre alter Syrer erlitt Gesichtsverletzungen und wurde per Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen. Ein 19 Jahre alter Syrer wurde mit dem Rettungswagen zur ambulanten Behandlung ins Krankenhaus gebracht.

Weil diese Meldung offenbar viele nicht zufriedenstellte, schossen die Gerüchte weiter ins Kraut, nun kombiniert mit giftigen Verdächtigungen, die Polizei wolle was vertuschen. Der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer reagierte via Facebook: „Meine dringende Bitte: keine wilden Spekulationen. Die Polizei und die Stadt informieren, wenn es Neuigkeiten gibt.“ Er erntete dafür Lob in der Kommentarspalte: „Ich finde es gut, wenn man Infos bekommt. Man hört Rettungshubschrauber, Sirenen und macht sich schon so seine Gedanken. Es ist viel besser, die Wahrheit zu hören und nicht nur Spekulationen oder verdrehte Tatsachen aus dritter Hand.“ Die Spekulationen aber gingen weiter: Vor allem von einer Schusswaffe war immer wieder die Rede. Was also stimmt? Was nicht? Was kann als gesichert gelten? Was ist weiter unklar? Eine Bestandsaufnahme.

Wer stritt sich da? „Zeugen sagen aus“, berichtet Polizeisprecher Bienert, dass sich rund 60 Leute getroffen hätten, zwei jeweils 30-köpfige Gruppen. Die eine habe „hauptsächlich aus Syrern und Afghanen“ bestanden, die andere sei ein „bunt gemischter Haufen verschiedenster Nationalitäten“ gewesen, „auch Deutsche“. Worum ging es? „Es sieht so aus“, als seien die Gruppen „nicht zufällig“ aufeinandergetroffen, sondern hätten sich verabredet. Aber warum? Dazu hat die Polizei noch keine Erkenntnisse.

Was ist dran am Schusswaffengerücht? „Das stimmt“, bestätigt Bienert, es handelte sich „wohl um eine Schreckschusswaffe“, die irgendeiner aus dem 60-köpfigen Pulk offenbar nahe am Gesicht des 18-jährigen Syrers abfeuerte.

Warum stand davon nichts im ersten Polizeibericht? Die Polizei wollte das zunächst „aus ermittlungstaktischen Gründen nicht offensiv thematisieren“, denn wenn alle über die Waffe reden, steigt die Gefahr, dass der Besitzer sie verschwinden lässt. Nachdem aber in den sozialen Medien die Pistole mittlerweile dermaßen oft erwähnt worden ist, ergibt weiteres Schweigen wohl keinen Sinn mehr.

Wie schwer wurde der Syrer verletzt? Zunächst ging man „von sehr schweren Verletzungen im Bereich des Auges aus“. Mittlerweile gibt es zumindest teilweise Entwarnung, sagt Bienert, „vermutlich keine bleibenden Schäden“.

Aber ist eine Schreckschusspistole denn nicht ungefährlich? Nein. Experten sprechen von einer der „unterschätztesten Waffengattungen überhaupt“. Aus der Mündung tritt sehr heiße Luft mit enormer Geschwindigkeit aus. Wird so eine Pistole direkt am Kopf eines Menschen abgefeuert, kann das zur Erblindung oder im Extremfall gar zum Tode führen.

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Erstellt:
4. Juni 2018, 16:16 Uhr

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