„Kein Problem bei der Feuerwehr“

Backnang setzt weiterhin aufs Ehrenamt, will aber Anreize für die Helfer schaffen.

Backnanger Feuerwehr im Einsatz. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Backnanger Feuerwehr im Einsatz. Foto: A. Becher

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Die Backnanger Feuerwehr hat die gesetzliche Hilfsfrist von zehn Minuten in den vergangenen zweieinhalb Jahren nur bei 45 Prozent ihrer Einsätze eingehalten, erforderlich wäre jedoch ein Erreichungsgrad von mindestens 80 Prozent. Das geht aus dem neuen Brandschutzbedarfsplan hervor, der im Auftrag der Stadt erstellt und nun vom Gemeinderat einstimmig verabschiedet wurde (wir berichteten). Brandschutzexperte Christof Backes, der das Gutachten verfasst hatte, sprach deshalb von „deutlichem Handlungsbedarf“ und regte an, die fast ausschließlich ehrenamtlich organisierte Feuerwehr durch zusätzliche hauptamtliche Kräfte zu unterstützen.

Im Backnanger Rathaus sieht man dafür momentan allerdings keine Veranlassung. „Grundsätzlich besteht kein Problem bei der Backnanger Feuerwehr, was die Hilfsfristen und den Erreichungsgrad anbelangt“, sagte Erster Bürgermeister Siegfried Janocha in der jüngsten Gemeinderatssitzung. In der Vergangenheit seien alle Einsätzen erfolgreich abgelaufen und selbst schwierige Situationen sehr gut gemeistert worden. Die schlechten Werte begründet Janocha auch mit der lückenhaften Dokumentation der Einsatzzeiten. Das sei angesichts des Stresses, dem die Helfer bei einem Einsatz ausgesetzt seien, aber „völlig normal“ und „nicht zu beanstanden“. Auch aus den Reihen des Gemeinderats gab es viel Zuspruch für die Ehrenamtlichen: „Unsere Feuerwehr ist gut aufgestellt. Wir haben nicht den Eindruck, dass es hier Defizite gibt“, sagte etwa der SPD-Fraktionsvorsitzende Heinz Franke.

Einig waren sich die Stadträte allerdings auch darin, dass die Feuerwehr gestärkt werden soll: „Wir müssen unsere Wertschätzung auch zeigen“, forderte CDU-Fraktionschefin Ute Ulfert. So sollen einerseits das ehrenamtliche Engagement mehr honoriert und zum anderen die Arbeitsbedingungen und die Ausstattung weiter verbessert werden.

Aufwandsentschädigung soll 2021 erhöht werden.

Laut Siegfried Janocha ist geplant, die Aufwandsentschädigungen für die Feuerwehrleute zum 1. Januar 2021 zu erhöhen. Aktuell bezahlt die Stadt ihnen bei Einsätzen einen Stundensatz von 13 Euro, Funktionsträger erhalten zusätzlich eine jährliche Pauschale. Für die Abteilungskommandanten liegt diese zum Beispiel bei 310 Euro. Zum Vergleich: In Winnenden bekommt ein Abteilungskommandant pro Jahr 1500 Euro. Man sei gerade in Gesprächen mit der Feuerwehr, um diese Sätze anzuheben, erklärt Janocha. Immerhin liegt die letzte Anpassung auch schon neun Jahre zurück. Zusätzlich bietet die Stadt noch ein kleines Bonbon: Gegen Vorlage ihres Feuerwehrausweises erhalten die Ehrenamtlichen im Wonnemar zehn Prozent Rabatt auf die regulären Eintrittspreise.

Dass man damit nicht scharenweise Freiwillige zur Feuerwehr locken wird, ist allerdings klar. AfD-Stadtrat Michael Malcher regte deshalb an, Ehrenamtliche zum Beispiel bei der Wohnungssuche zu unterstützen. Für Ute Ulfert wäre auch denkbar, dass die Stadt bei Neueinstellungen Bewerber mit Feuerwehrausbildungen bevorzugt. Das hätte den Vorteil, dass diese dann auch tagsüber für Einsätze bereitstünden. Die Tagesverfügbarkeit ist in Backnang nämlich ein Problem, weil rund zwei Drittel der aktiven Feuerwehrleute auswärts arbeiten.

Ebenso wichtig ist eine zeitgemäße Ausstattung der Feuerwehr, doch auch in diesem Punkt sieht der Brandschutzbedarfsplan Defizite. Siegfried Janocha versprach aber, die Stadt werde bis 2024 rund 6,6 Millionen Euro in ihre Feuerwehr investieren. 5,6 Millionen soll alleine der Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses Süd kosten. Dort werden künftig die drei Abteilungen Heiningen, Waldrems und Maubach zusammengefasst. Den Baubeschluss will der Gemeinderat noch im Oktober fassen, der Spatenstich ist laut Baudezernent Stefan Setzer im Frühjahr 2021 geplant.

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Erstellt:
7. Oktober 2020, 06:00 Uhr

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