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Keine guten Noten von den Nutzern

Zwei Wohnmobilisten kritisieren Standort sowie Zustand der Backnanger Stellplätze und liefern Verbesserungsvorschläge

Wünscht sich eine Sanierung der Stellplätze: Wohnmobilistin Karin Berger. Foto: J. Fiedler

Wünscht sich eine Sanierung der Stellplätze: Wohnmobilistin Karin Berger. Foto: J. Fiedler

Von Philip Kearney

BACKNANG. „Ziemlich weit draußen“, so beschreibt die Wohnmobilistin Karin Berger die Lage der vier Stellplätze am Wonnemar. Die 56-Jährige kritisiert, dass der derzeitige Standort für sie persönlich zum Beispiel deshalb nicht optimal ist, weil die Geschäfte oder der Wochenmarkt verhältnismäßig weit weg sind. „Man muss autark sein“, merkt sie daher an. Stellplatznutzer Gerald Huhnen ist da anderer Meinung: „Die Entfernung zur Stadt ist in Ordnung, vor allem da die meisten Wohnmobilisten Fahrräder dabeihaben.“ Mit diesen sei das Stadtzentrum gut zu erreichen. Dem 57-Jährigen missfällt an der Lage stattdessen, dass sich die Stellplätze direkt an der stark befahrenen Martin-Dietrich-Allee befinden. Gerade zu den Öffnungszeiten des Wonnemars seien die Stellplätze deshalb „kein ruhiger Standort“, sagt der Backnanger.

Verkehr auf Martin-Dietrich-Allee erschwert das Handling bei der Ver- und Entsorgungsstation

Gerald Huhnen macht bei den Parkboxen hauptsächlich zur Entsorgung von Grauwasser halt. Das fäkalienfreie Wasser abzulassen, gestalte sich dabei alles andere als einfach. Denn es sei sehr schwierig, an die Ver- und Entsorgungsstation heranzufahren. Zur Entsorgung müsse man halb auf der Straße und halb auf dem Geh- beziehungsweise Radweg parken. Dies sei angesichts des Verkehrs nicht ungefährlich. Auch deshalb wünscht sich der Backnanger eine Versetzung der Entsorgungsstation. Solange diese ausbleibt, meidet er nach Möglichkeit die Stellplätze am Wonnemar und greift auf Alternativen in der Region zurück, er empfiehlt Winnenden.

Durch die Versetzung könnte auch das Geruchs- und Hygieneproblem gelöst werden, das laut Huhnen besteht. Denn bislang trennt die Ver- und Entsorgungsstation und die Stellplätze lediglich ein Weg. Aus hygienischen Gründen spricht sich der Wohnmobilist zudem für eine eigene Station für jeweils Versorgung und Entsorgung aus. Auch Berger bemängelt dies. Denn zurzeit befindet sich auf der einen Seite der Station der Frischwasseranschluss, während die andere Seite für die Entsorgung der Fäkalien vorgesehen ist. Dies sei aber kein backnangspezifisches, sondern ein generelles Stellplatzproblem, ergänzt Huhnen.

Wer jedoch nicht zur Grauwasserablassung oder zum Besuch des Stadtzentrums, sondern wegen des Wonnemars da sei, komme nach den Worten Bergers voll auf seine Kosten – im doppelten Sinn: Die Nutzung der Stellplätze ist nämlich gebührenfrei, die Kosten für das Wasser in Höhe von einem Euro überschaubar. Schließlich könne man für diese Summe seinen gesamten Wassertank auffüllen. Bei größeren Vehikeln, zu denen auch Bergers Wohnmobil zählt, fasst der Tank gut und gerne schon mal 380 Liter.

Vom Terrain zeigt sich die 56-Jährige deutlich weniger begeistert. Dieses sei ziemlich abschüssig, was sie sehr stört. Selbst mit modernster Technik sei die Steigung nicht ganz auszugleichen. Berger muss es wissen. Schließlich verfügt ihr Wohnmobil über ein automatisches Ausgleichssystem. Mit ihrer Kritik am abschüssigen Gelände steht sie übrigens nicht alleine da. Auch in den Online-Bewertungen der Stellplätze ist wiederholt Kritik am Gefälle zu lesen. Seit etwa neun Monaten lebt Berger dauerhaft in ihrem Reisemobil und weiß daher, was einen guten Stellplatz ausmacht. Gerade bei vermeintlich banalen Dingen wie dem Fassungsvolumen des Mülleimers hapere es bei den Backnanger Stellplätzen. Hinzu kommt die fehlende Stromversorgung vor Ort.

Auch die Größe der Stellplätze spricht sie an. Für Wohnmobile, die über acht Meter lang sind, seien die Parkboxen nicht geeignet. Unpassenderweise für den Standort in Backnang überschreitet Bergers Wohnmobil diese Länge. Deshalb steht ihr Caravan zum Teil nicht auf steinigem Untergrund, sondern auf einer Wiese. Für Reisemobile mit Standardmaßen sei die Größe jedoch ausreichend, versichert Huhnen.

Die Aussage des Baudezernenten Stefan Setzer, dass die Nachfrage nach den Stellplätzen überschaubar sei, können die Wohnmobilisten aus eigener Erfahrung nicht nachvollziehen. Innerhalb der ersten 24 Stunden ihres Aufenthalts hätten drei weitere Reisemobile auf den Stellplätzen haltgemacht, berichtet Berger. Und das nicht etwa am Wochenende, sondern mitten in der Woche. Ähnliche Beobachtungen hat Huhnen gemacht. Immer wenn er dort ist – in der Regel mindestens einmal die Woche –, seien ein bis zwei Stellplätze belegt – mit Ausnahme des Winters.

Generell seien viele Plätze in der Region völlig überlaufen, ist Bergers Eindruck. Insgesamt sei die Stellplatzsituation in Baden-Württemberg aber „supergut“, schätzt sie die Lage ein. Das Gegenteil sei in Bayern der Fall, dort gebe es kaum Parkmöglichkeiten für Caravans.

Wohnmobilisten sind bereit, Gebühren für einwandfreie Plätze zu bezahlen

Weiterempfehlen würden die beiden Wohnmobilisten die Stellplätze am Wonnemar nicht. Eben wegen des Standorts und des momentanen Zustands. „Für Backnang sind die derzeitigen Stellplätze schon ärmlich“, urteilt Huhnen. Eine Rundumerneuerung, wie sie zuletzt zur Diskussion stand, halten die Wohnmobilisten daher, entgegen der Meinung der Verantwortlichen der Stadt, für dringend notwendig. Um diese zu finanzieren, schlägt Berger vor, eine Parkuhrpflicht einzuführen und fünf Euro pro Übernachtung zu verlangen. „Das wäre kein Thema.“ Auch Huhnen findet, es gebe genug Wohnmobilisten, die bereit seien, für Qualität zu bezahlen. Mit Qualität meint er auch gute sanitäre Anlagen. Auf Duschen könne man sogar verzichten, wenn man gegen Bezahlung die des Wonnemars nutzen dürfe, so sein Vorschlag. Und zwar ohne sich eine normale Eintrittskarte kaufen zu müssen.

Berger glaubt daran, dass Backnang von neuen Parkboxen profitieren würde: „Ein Stellplatz an günstigerer Stelle würde die Stadt aufwerten.“ Zwei weitere Parkplätze für Wohnmobile fände sie nicht übertrieben. Huhnen schlägt bei einer möglichen Erneuerung die Überdachung aller Stellplätze vor. Nach seiner Auffassung sind überdachte Stellplätze „sehr begehrt“.

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Erstellt:
21. August 2019, 06:00 Uhr

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