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„Keine Klassenfahrten in Gefahr“

Schulleiter reagieren mit Gelassenheit auf Diskussionen um Reisekostenvergütung – GEW fürchtet um Exkursionen

Ein Brief des Kultusministeriums an die Schulleiter im Land zur Kostenbeteiligung für Lehrer bei Klassenfahrten sorgte jüngst für große Aufregung: Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht gar Fahrten in die Wilhelma als gefährdet an. Die Schulleitungen an den Schulen in der Backnanger Region, die von der Backnanger Kreiszeitung dazu befragt wurden, sehen die Sache im Moment noch gelassen und warten die Verhandlungen zwischen Finanz- und Kultusministerium ab. Für 2019 sehen sie keine Klassenfahrten in Gefahr.

Reichen die Gelder noch für die Klassenfahrt in den Zoo? Die Schulleiter im Raum Backnang sehen die Diskussionen mit Gelassenheit. Foto: Imago

© imago stock&people

Reichen die Gelder noch für die Klassenfahrt in den Zoo? Die Schulleiter im Raum Backnang sehen die Diskussionen mit Gelassenheit. Foto: Imago

Von Andreas Ziegele

BACKNANG/SULZBACH AN DER MURR.Lehrer mit Beamtenstatus müssen die Kosten für eine Klassenfahrt nicht aus eigener Tasche zahlen. Die Länder müssen die Ausgaben komplett erstatten. Das hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden. Das Kultusministerium wiederum hat die Schulleitungen angewiesen, „vorerst keine Reisen mehr zu genehmigen“, die die Schule nur finanzieren kann, „wenn die Lehrkräfte auf eine Reisekostenvergütung ganz oder teilweise verzichten“.

Am Gymnasium in der Taus gibt es viele Klassenfahrten, wie Schulleiter Udo Weisshaar erzählt. Die Klassenstufe 6 fährt ins Schullandheim, die Jahrgangsstufe 1 nach Berlin und die Jahrgangsstufe 2 in wechselnde Städte in Europa. Dazu kommen Schüleraustausche mit Annonay und Duttlenheim in Frankreich, Santa Margarida i els Monjos in Spanien sowie mit der Backnanger Partnerstadt Chelmsford in England. Darüber hinaus gibt es noch einige Ausflüge, die aber in erreichbarer Nähe und daher keine Kostentreiber sind. „Die Lehrer mussten sich in der Vergangenheit nicht an den Kosten beteiligen, da das Geld vom Kultusministerium immer gereicht hat“, sagt Weisshaar. Die Sprachaustauschreisen sind nach den Worten des Schulleiters kostenneutral, die Fahrten nach Berlin sind aufgrund von „Topangeboten“ kostengünstig. „Die Lehrkräfte, die unsere Schüler bei den Sprachaustauschen begleiten, wohnen vor Ort in privaten Unterkünften, sodass hier keine Kosten entstehen“, sagt er und ergänzt, dass er derzeit keine Klassenfahrten in Gefahr sieht.

Sabine Gross, Rektorin an der Lautereck-Realschule Sulzbach, sieht die Angelegenheit etwas kritischer: „Wir sitzen im Moment zwischen den Stühlen, was unsere Planungssicherheit angeht, und das ist unergiebig.“ An der Schule gibt es derzeit in den Klassen 7 oder 8 Schullandheimaufenthalte und eine Abschlussfahrt der 10er-Klassen. Tagesexkursionen, beispielsweise ins Lindenmuseum nach Stuttgart oder zu Betriebsbesichtigungen in der Region, stehen ebenfalls auf dem Programm. „Die Lehrer beteiligen sich bei uns schon heute an den Ausfahrten“, sagt Gross. Die Lautereck-Schule stellt den Lehrern ein Budget zur Verfügung, „das die Kollegen dann untereinander abstimmen“. Kurzfristig ist es nach ihren Worten auch gar nicht möglich, Fahrten zu stornieren, ohne dass Kosten anfallen. „Wir haben Verträge mit Einrichtungen, die mit einem Vorlauf von einem Jahr geschlossen werden“, erklärt Sabine Gross. Auch sie sieht im Moment keine Klassenfahrten gefährdet.

Im Bildungszentrum Weissacher Tal gibt es eine Fülle von unterschiedlichen Ausflügen und Klassenfahrten, erzählt der Schulleiter Jürgen Wörner. „Insbesondere die Studienfahrten am Gymnasium sind hier der Hauptanteil auf der Kostenseite.“ Daneben gibt es noch Schullandheimaufenthalte, Abschlussfahrten und Ausflüge. Bei den Studienfahrten der Gymnasiasten muss man sich nach seiner Ansicht auch ernsthaft überlegen, was gemacht werden kann, damit diese weiter stattfinden. „Die Lehrkräfte müssen sich aber nur beteiligen, wenn es keine Freiplätze durch die Veranstalter gibt“, erläutert Wörner. „Wir lassen die Lehrer hier aber auf keinen Fall allein.“ Er verweist in dieser Situation aber auch auf die Eltern, die solche Fahrten teilweise auch nicht allein stemmen können. Dafür gibt es am Bildungszentrum einen Sozialfonds im Rahmen einer Elternaktion. Ansonsten läuft im kommenden Jahr alles wie geplant und unter dem gültigen Modell weiter. Klassenfahrten in Gefahr sieht Jürgen Wörner im Moment nicht.

Vollkommen unaufgeregt bewertet Konrektor Timm Ruckaberle von der Max-Eyth-Realschule die Situation. Dort geht es für die Schüler der Klassen 7 ins Schullandheim und für die 10er-Klassen zur Abschlussfahrt nach Berlin. „Wenn die begleitenden Lehrkräfte Auslagen haben, rechnen sie diese über die Reisekostenabrechnung ab und bekommen diese so erstattet“, erläutert Ruckaberle. Die Realschule kommt mit dem zur Verfügung stehenden Budget aus, wie er sagt. Und was über das Budget hinausgehen sollte, muss geprüft und separat genehmigt werden, was aber in der Vergangenheit noch nie der Fall gewesen ist. Zumindest für das Jahr 2019 sind alle Ausfahrten in trockenen Tüchern und werden wie geplant stattfinden.

Gar keine Probleme mit dem Schreiben des Kultusministeriums hat Sieglinde Baumgart. Sie ist Schulleiterin an der Talschule in Heiningen. „Wir sind eine reine Grundschule, und mehrtägige Klassenfahrten gibt es bei uns nicht mehr“, erläutert sie. Aus Kosten-, aber vor allem aus Zeitgründen wurden die Schullandheimaufenthalte mittlerweile gestrichen, wie sie sagt. „Wir machen kleinere Exkursionen, beispielsweise heute in die Backnanger Bücherei.“ Da fallen nach ihren Worten nur geringe Kosten an, die auch gedeckt sind. Ob es in der Vergangenheit eine Beteiligung der Lehrkräfte an den Kosten gegeben hat, kann die neue Schulleiterin nicht beantworten.

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Erstellt:
15. November 2018, 06:00 Uhr

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