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Kernen: Altenberger hat noch keinen Plan B

Kurz nach der Wahl ist die Zukunft des abgewählten Bürgermeisters noch ungewiss – SPD-Gemeinderat Erich Ehrlich schmeißt hin

Stefan Altenberger. Foto: B. Büttner

© Benjamni Büttner

Stefan Altenberger. Foto: B. Büttner

Von Sebastian Striebich

KERNEN IM REMSTAL. Der Regenbogen über dem Bürgerhaus am Wahlabend hat es gezeigt: Sonne und Regen liegen oft nah beieinander. Wahlsieger Benedikt Paulowitsch nahm am Montagmorgen im Innenministerium die Glückwünsche seiner Arbeitskollegen entgegen. Bürgermeister Stefan Altenberger erschien ebenfalls zur Arbeit – wurde im Kernener Rathaus aber von seinen Mitarbeitern getröstet statt gefeiert. Die Frage stellt sich: Wie geht es nun weiter mit Altenberger? Eigentlich hätte er am Montagabend die Blumenschau in der Glockenkelter in Stetten eröffnen sollen, die das Finale der Remstal-Gartenschau in Kernen einläutet. Dazu fehlte ihm am Tag nach der Wahlniederlage allerdings die Kraft – der Beigeordnete Peter Mauch vertrat ihn.

In den kommenden Wochen bis zum Ende seiner Amtszeit am 31. Oktober wird der 55-Jährige kürzertreten – und wenigstens einen kleinen Teil der vielen Urlaubstage abbauen, die sich in den vergangenen Jahren angestaut haben. Wie aus dem Rathaus zu hören ist, hatte Altenberger, der mit seiner Familie in Stetten wohnt, fest mit seiner erneuten Wiederwahl gerechnet.

Im Gespräch am Montagnachmittag sagte der spürbar geknickte Bürgermeister, die Situation sei für ihn „emotional schwer zu ertragen“. Es trifft Altenberger hart, dass er an zahlreichen Projekten, die er in den kommenden Jahren anpacken wollte, nicht mehr federführend mitwirken darf – besonders bei der Entwicklung der Hangweide. Außerdem hätten die vergangenen Jahre, insbesondere die Vorbereitung auf die Gartenschau, ihn und seine Mitarbeiter im Rathaus enger zusammengeschweißt. Einen Plan B hat Altenberger nach eigenen Angaben noch nicht. Ziemlich sicher ist: Er wird nicht in Frührente gehen, sondern sich nach einer neuen Arbeitsstelle umsehen.

Nur rund die Hälfte der Wahlberichtigten ging zur Wahl

Besser war die Laune am Montag bei Wahlsieger Benedikt Paulowitsch. Wobei der 31-Jährige am Wahlabend kein rauschendes Fest gefeiert hat, sondern gemütlich mit Familie und Freunden zusammensaß. Mehr als das Gläschen Sekt im Bürgerhaus habe er nicht getrunken, so Paulowitsch, der noch damit beschäftigt ist, seinen Erfolg überhaupt zu realisieren: „Ich habe mich jahrelang auf diesen Moment gefreut“, sagte der Regierungsrat, „jetzt wo er da ist, ist er sehr schwer zu fassen.“ Helfen dürften ihm dabei die Schulterklopfer der Kollegen und „Hunderte Nachrichten“ auf seinem Smartphone. Doch auch nach der Wahl übte sich Paulowitsch in Zurückhaltung: Er wisse, dass es auch viele Kernener gibt, die ihn nicht gewählt haben. Denn die Wahlbeteiligung lag bei gerade mal 53,2 Prozent. Das heißt: Von 12553 Wahlberechtigten machten nur 6679 von ihrem Wahlrecht Gebrauch.

„Enttäuscht“ von der Wahlbeteiligung hat sich bereits am Sonntag Hans-Peter Kirgis gezeigt, SPD-Gemeinderat und Parteigenosse Paulowitschs. Was Altenbergers Abwahl nach 16 Jahren angehe, so sei er „platt“, so Kirgis. Er habe mit einer knappen Wiederwahl gerechnet. Dass es so nicht gekommen ist, hat Konsequenzen für Kirgis’ Mannschaft: Erich Ehrlich (73), der ohne Parteibuch für die SPD im Gemeinderat sitzt und für seinen guten Draht zu Stefan Altenberger bekannt ist, hat seinen Rücktritt angekündigt. Der Grund: Die SPD-Fraktion hatte beschlossen, Paulowitsch, der als unabhängiger Kandidat angetreten ist, im Wahlkampf nicht offiziell zu unterstützen. Allerdings bekannte sich der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Ulrich Lang offen zum Herausforderer – wie auch andere Kernener aus dem SPD-Umfeld. Das und die aus seiner Sicht unbegründete Abwahl Altenbergers ärgern Erich Ehrlich so maßlos, dass er nun nicht mehr zur Fraktion gehören möchte. Und da „Fahnenflucht“ zu einer anderen Gruppe für ihn nicht infrage komme, bleibe für ihn nur der Rücktritt. Nachrücken wird wohl Christoph Schönleber, der erst im Mai aus dem Gremium ausgeschieden ist.

Neuer Bürgermeister in Kernen: Benedikt Paulowitsch, hier mit seiner Verlobten Chantal Wende. Der 31-Jährige hat sich gegen Amtsinhaber Stefan Altenberger durchgesetzt. Foto: B. Büttner

© Benjamin Büttner

Neuer Bürgermeister in Kernen: Benedikt Paulowitsch, hier mit seiner Verlobten Chantal Wende. Der 31-Jährige hat sich gegen Amtsinhaber Stefan Altenberger durchgesetzt. Foto: B. Büttner

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Erstellt:
2. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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