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Kiesl geht mit dem See baden

Leutenbacher Gemeinderat gegen Beteiligung an möglicher Bewerbung von Schwaikheim und Winnenden zur Landesgartenschau

Aus dem Badesee am Buchenbach zwischen Leutenbach und Weiler zum Stein, eine Vision von Bürgermeister Jürgen Kiesl, wird nichts. Außerdem steht nun definitiv fest, dass die Gemeinde Leutenbach sich nicht an der möglichen gemeinsamen Bewerbung von Schwaikheim und Winnenden um die Landesgartenschau 2032 beteiligt.

Kiesl geht mit dem See baden

Von Uwe Speiser

LEUTENBACH. Der Gemeinderat hat seine Ablehnung erneuert. Damit ist zumindest für Leutenbach der Zug endgültig abgefahren, weil spätestens im November dort, wie auch in Schwaikheim und Winnenden, die Entscheidung für oder gegen die Bewerbung zu einer interkommunalen Ausrichtung dieser Veranstaltung hätte fallen müssen. Im Dezember ist Abgabetermin für die Bewerbungen.

Im Dezember 2018 hatte sich der Leutenbacher Gemeinderat fast einstimmig gegen eine Beteiligung der Gemeinde an einer Machbarkeitsstudie ausgesprochen, die die Grundlage für die Bewerbung für die Landesgartenschau 2032 sein wird, sollte die Entscheidung dazu im Schwaikheimer und im Winnender Gemeinderat positiv ausfallen.

Kiesl hatte als Einziger dafür gestimmt und er war es auch, der in Abstimmung mit seinen beiden Amtskollegen das Thema erneut auf die Tagesordnung setzte. Dies mit neuen Erkenntnissen, Möglichkeiten und Chancen für Leutenbach begründend, die eine Untersuchung des Buchenbachtals durch das Planungsbüro ergeben habe, das für die Machbarkeitsstudie zuständig ist. Sein Vorschlag habe, seit er in der Öffentlichkeit ist, „hohe Wellen geschlagen“, so Kiesl eingangs der neuerlichen Beratung, launig auf das von ihm ins Spiel gebrachte Lockmittel Badesee anspielend. Der Eindruck bei manchen seither, der Schultes wolle hier seinen Kopf durchsetzen, treffe nicht zu, er habe ja schon seinerzeit anders abgestimmt als alle anderen im Gemeinderat.

„Eine Gartenschau direkt vor unserer Tür hat Auswirkungen auf uns“

Die Landesgartenschau werde, falls die beiden Nachbarkommunen den Zuschlag erhielten, weil „direkt vor unserer Tür“ Auswirkungen auch auf Leutenbach haben, deshalb sei der Auftrag von ihm an die Planer erfolgt, doch mal zu prüfen, was dort möglich ist, dabei vor allem auch, wie eine Überleitung vom Zipfel- zum Buchenbachtal hinzubekommen sei, so Kiesl. Was dabei herausgekommen sei, sei aus seiner Sicht durchaus ein Grund, das bisherige Nein noch mal zu überdenken.

Zumindest wurde tatsächlich noch mal beraten, und zwar zunächst nichtöffentlich. Diese Diskussion verlief laut Kiesl sehr kontrovers, habe entschiedene Befürworter und ebenso entschlossene Gegner gehabt, war offenbar mit einem sehr knappen Ergebnis ausgegangen, aber auch mit dem Tenor, auch noch öffentlich zu beraten, um bei dieser wichtigen Entscheidung Transparenz zu schaffen.

In der öffentlichen Sitzung nun gab es zu dem Beschlussantrag, dass das Buchenbachtal zwischen den beiden Teilorten „ökologisch aufgewertet“ und dort ein „See“ angelegt werden soll, sieben Ja-, neun Neinstimmen und zwei Enthaltungen, womit der Antrag abgelehnt war. Der weitere Antrag zum Beitritt Leutenbachs zur möglichen Bewerbung der beiden anderen Kommunen war damit hinfällig, weil der Beitrag von Leutenbach zur Gartenschau eben vor allem aus dem, was im ersten Antrag angeregt wurde, bestanden hätte. Über den zweiten Antrag wurde also erst gar nicht mehr abgestimmt.

Info
Planer warb mit Querung der Landesstraße

Planer Urs Müller-Meßner vom Landschaftsarchitekturbüro Kienleplan betonte, es gehe um nachhaltige Maßnahmen, also solche, die, vorbehaltlich des Zuschlags natürlich, die Landesgartenschau überdauern. Nur solche würden nämlich gefördert. Die Gartenschau könne andererseits aber wiederum Türöffner für weitere Förderungen sein. Thema dabei sei auch der Klimawandel, das Ziel, auf lokaler Ebene, eine Anpassungsstrategie.

Den Radius des Einzugsgebiets einer hiesigen Landesgartenschau schätzt er auf rund 60 Kilometer, etwa bis Heilbronn und Tübingen sowie bis kurz vor Ulm reichend. Eine Bewerbung würde den großen Pluspunkt haben, dass das Gelände zwischen zwei Bahnstationen liege.

Vorgesehen sei, vorbehaltlich der Teilnahme von Leutenbach, eine leiterartige Struktur mit den vertikalen Holmen Zipfel- und Buchenbachtal und verbindenden Sprossen zwischen beiden.

Anders gesagt: Leutenbach, sein Buchenbachtal, wäre wie ein „abgespreizter Finger“ oder, noch mal anders formuliert, eine Landschaftstreppe, wobei dieses etwa 15 Hektar Fläche einbringe, die beiden anderen Kommunen zusammen rund 55 Hektar.

Der Planer warb auch mit einer dann notwendigen Querung der Landesstraße Richtung Affalterbach, was seiner Einschätzung nach auf eine Brücke hinausliefe.

Müller-Meßner verwies auch darauf, dass die gerade abgelaufene, ebenfalls interkommunale (allerdings mit weit mehr Beteiligten) Remstal-Gartenschau mit rund zwei Millionen Besuchern wider vielen Unkenrufen ein großer Erfolg gewesen sei.

Das umzugestaltende Buchenbachtal würde ganz sicher kein „Rummelplatz“ und auch kein „Volksfestgelände“, betonte der Planer. Es gehe auch nicht um einen zweiten Badesee à la Plüderhausen, ja keineswegs vorrangig ums Baden.

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Erstellt:
30. Oktober 2019, 16:00 Uhr

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