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Kind im Schwimmbad reanimiert

Initiative Sicherer Landkreis ehrt Menschen für ihre Zivilcourage – Mutig eingegriffen, als andere Hilfe brauchten

Die Initiative Sicherer Landkreis (ISL) hatjetzt bei einer Veranstaltung im Zeitungsverlag Waiblingen mutige Menschen ausgezeichnet. Sie sind eingeschritten und haben nicht weggeschaut, als andere Hilfe brauchten oder sich ein Verbrechen anbahnte.

Ehrungen für Zivilcourage (von links): Andrea Palm, Präsidiumsmitglied der Initiative Sicherer Landkreis (ISL), Turgut Secilmis und Sohn, Bahman Farhadi, Stefanie Birkhold-Staubus, Philipp Sonnenwald, Susanne Lenz, Georg und Beate Bihler, Claudia Maurer-Bantel, Präsidiumsmitglied der ISL, Klaus Auer, Polizeioberrat und Präsidiumsmitglied der ISL; vorne: Caner und Taner Bakir. Foto: G. Habermann

© Gabriel Habermann

Ehrungen für Zivilcourage (von links): Andrea Palm, Präsidiumsmitglied der Initiative Sicherer Landkreis (ISL), Turgut Secilmis und Sohn, Bahman Farhadi, Stefanie Birkhold-Staubus, Philipp Sonnenwald, Susanne Lenz, Georg und Beate Bihler, Claudia Maurer-Bantel, Präsidiumsmitglied der ISL, Klaus Auer, Polizeioberrat und Präsidiumsmitglied der ISL; vorne: Caner und Taner Bakir. Foto: G. Habermann

Von Dennis Dreher

WAIBLINGEN. Massiv belästigte ein alkoholisierter Mann in Backnang drei junge Frauen, und er wurde noch aggressiver, nachdem Bahman Farhadi den Frauen zu Hilfe geeilt war – das ist eine von mehreren Geschichten von Menschen, die Zivilcourage gezeigt haben und dafür jetzt geehrt wurden.

Schwer vorstellbar ist, was sich im Mai vergangenen Jahres nur wenige Meter von der Murr entfernt in Backnang abgespielt hat. Bahman Farhadi hatte sich nach Feierabend zu einem Spaziergang aufgemacht, als plötzlich drei junge Frauen im Alter von 17 und 18 Jahren auf sich aufmerksam machten. Ein alkoholisierter Mann belästigte die drei massiv sexuell. „Busfahrer, Busfahrer!“, riefen sie. Farhadi war ihnen seit jungen Jahren als Omnibuslenker bekannt. Er ging dazwischen und begleitete die Opfer des Übergriffs. Für den mutmaßlichen Täter kein Grund, von der Verfolgung abzulassen. Er folgte den vieren und attackierte Farhadi von hinten. Als dieser die Polizei verständigte, rastete der Mann völlig aus, schlug um sich, biss dem Helfer in den Arm und schrie dabei: „Ich ficke Deutsche. Ich töte Deutsche.“ Doch Farhadi blieb standhaft, bewies enormen Mut und hielt den Angreifer so lange fest, bis die Polizei eintraf.

Im Alltag kann es immer wieder vorkommen, dass es notwendig wird, sich ein Herz zu fassen. Da ist etwa der Fall von Stefanie Birkhold-Staubus. Als Badegast des Winnender Wunnebads entdeckte sie im Erlebnisbecken ein Kind, das auf dem Bauch trieb. Sofort zog sie es an den Beckenrand und begann mit der Reanimation. Unterstützt durch einen weiteren Badegast, Aristotelis Kolovos, war das Kind nach etwa zwölf Minuten wieder ansprechbar und außer Lebensgefahr.

Weite Beachtung in den Medien fand auch die Rettung eines 90-Jährigen aus einem brennenden Gebäude durch die Backnanger Brüder Taner und Caner Bakir. Die beiden waren gerade dabei, Flyer zu verteilen, als sie aus einem Kellerfenster quillenden Rauch bemerkten. Sofort verständigten sie die Rettungsdienste, klingelten Sturm und trommelten an jeder Eingangstür.

Wie dringend es Initiativen zur Gewaltprävention braucht, zeigen zwei Vorfälle aus den Jahren 2018 und 2019. Das von der Initiative Sicherer Landkreis organisierte Fußballturnier „Soccer at Midnight“ musste an verschiedenen Standorten wegen betrunkener und randalierender Jugendlicher abgebrochen werden, zuletzt in Plüderhausen. Die Austragung ist daher vorläufig ausgesetzt. Klaus Auer, scheidender Vorstand der ISL, ist sich der bitteren Ironie bewusst, wenn ein Turnier zur Gewalt- und Drogenprävention ausgerechnet wegen Suchtmitteln und Randale zu Ende geht. Zugleich schaut er nach vorne: „Manche Dinge haben einfach ihre Zeit. Vielleicht gibt es nach einer gewissen Pause ja wieder ein Turnier.“

Auch Farhadi bemerkt ein erhöhtes Konfliktpotenzial auf seiner Busstrecke zwischen Backnang und Murrhardt: „Ich musste schon mehrmals eingreifen, wenn Fahrgäste belästigt wurden. Nachts sind meiner Erfahrung nach weniger Frauen unterwegs als noch vor einigen Jahren.“ Und weiter: „Beim Übergriff auf der Bleichwiese haben viele Gäste des benachbarten Lokals zugeschaut. Keiner hat eingegriffen.“ Gut, dass es Menschen wie ihn und die anderen Geehrten gibt.

Nicht alle Geehrten hatten die Einladung der ISL annehmen können. Für ihren Mut ausgezeichnet wurden auch folgende Personen, die nicht auf dem Foto sind: Christian Meyer, er bemerkte Rauch in benachbarten Vereinsräumen und weckte die Bewohner des Hauses, Aristotelis Kolovos, Markus Eberhardt, der einen flüchtigen Einbrecher überwältigte und der Polizei übergab, ferner Yaser Arik, der den Brüdern Taner und Caner Bakir zur Hilfe kam, die den 90-Jährigen retteten.

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Erstellt:
5. Februar 2020, 06:00 Uhr

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