Kirchberg soll sechs Sirenen erhalten

Gemeinde stellt Zuschussantrag in Zusammenhang mit dem Sirenenförderprogramm des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Auch der Rems-Murr-Kreis strebt ein flächendeckendes Sirenennetz an.

Sirenen – wie hier auf dem Steinbacher Rathaus – sind rar geworden auf den deutschen Dächern. Nun soll das Sirenennetz wieder ausgebaut werden. Dafür gibt es eine Förderung. Kirchberg verfügt aktuell über keine Sirenen im Ort. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Sirenen – wie hier auf dem Steinbacher Rathaus – sind rar geworden auf den deutschen Dächern. Nun soll das Sirenennetz wieder ausgebaut werden. Dafür gibt es eine Förderung. Kirchberg verfügt aktuell über keine Sirenen im Ort. Foto: A. Becher

Von Ingrid Knack

Kirchberg an der Murr. Schon in der Gemeinderatssitzung am 21. Oktober hatte Kirchbergs Bürgermeister Frank Hornek die Räte darüber informiert, dass der Rems-Murr-Kreis nach den schweren Unwettern in diesem Jahr am Sirenenprogramm des Bundes teilnehmen möchte. Wir haben noch alle die schrecklichen Bilder vor Augen: Von der Flut und den daraus folgenden schweren Verwüstungen waren (und sind bis heute) vor allem Kommunen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz betroffen. In diesem Zusammenhang wurde auch gefordert, den Katastrophenschutz zu verbessern. Die bis dahin in vielen Orten ausgedient geglaubten oder zumeist auch abgebauten Sirenen rückten plötzlich wieder in den Fokus des Interesses. Da die Bewilligung der Anträge auf Fördergelder für den Kauf der akustischen Alarmierungs- und Warnsysteme im sogenannten Windhundverfahren erfolgt, hatte die Kirchberger Verwaltung den Antrag bereits vor jener Oktobersitzung eingereicht. Nun wurde das Thema in der Sitzung am Donnerstagabend noch einmal aufgegriffen.

Dass man die Organisation des Katastrophenschutzes und die Alarmierung der Bevölkerung nach der Flutkatastrophe im Sommer überdenkt, sei ein Stück weit damit zusammengefallen, dass die Bundesrepublik Deutschland im Rahmen eines Konjunktur- und Krisenbewältigungspaketes anlässlich Corona Mittel für die Förderung der Sireneninfrastruktur und die Einbindung in das Modulare Warnsystem (MoWaS) zur Verfügung stelle, sagte Bürgermeister Hornek. Alle Kommunen können eine Förderung für die Errichtung oder die Ertüchtigung von Sirenen beantragen.

Auf dem Dach der Kronenschule war einst eine Sirene installiert

„In Kirchberg haben wir seit der Veräußerung der Kronenschule keine Sirene mehr“, so Hornek. Die Feuerwehr habe seinerzeit erklärt, dass sie für ihre Zwecke keine Sirene benötige. „Jetzt sind wir aber in Deutschland, und wenn man in Deutschland ein Thema entdeckt, schwenkt man auch mal radikal um. Und so meint man jetzt landauf, landab, dass die Alarmierung über Sirenen bei solchen Naturereignissen ein wichtiges Teilinstrument sei, mit dem man die Bevölkerung warnen könne. Dass man dabei aber einen Warnmix braucht, ist auch klar, denn wenn die Sirenen heulen, wissen Sie ja immer noch nicht, um was es überhaupt geht. Es sei denn, Sie haben sich vorinformiert und wissen ohnehin schon längst, was ansteht“, erklärte Hornek.

Der Rems-Murr-Kreis halte es jedenfalls für sinnvoll, dass alle Städte und Gemeinden wieder in die Alarmierung mit Sirenen einsteigen. Der Kreis beauftrage in diesem Zusammenhang Schallgutachten. Die Ergebnisse stehen aber voraussichtlich erst im ersten Viertel- oder Halbjahr 2022 fest. Das Dilemma: Erst wenn die Schallgutachten vorliegen, weiß man, wie viele Sirenen für eine Gemeinde überhaupt benötigt werden – für den Hauptort Kirchberg hat man nun zwei und für die Teilorte Zwingelhausen, Frühmeßhof, Neuhof und Rundsmühlhof zusammen vier Sirenen vorgesehen. Mit dem Förderantrag abzuwarten war angesichts des „Windhundverfahrens“ keine Lösung. Bis gestern konnte ein Zuschussantrag gestellt werden. Hornek: „Deshalb haben wir als Gemeindeverwaltung im vorauseilenden Gehorsam sechs Sirenenanlagen beantragt.“ Ausgegangen wurde davon, dass drei Sirenenanlagen auf Dächern montiert und drei auf frei stehenden „Ständern“ aufgestellt werden. Nach den Worten des Rathauschefs gibt es nämlich unterschiedlich hohe Summen je nach Montageart. „Wir hoffen, dass die sechs Sirenen reichen. Das hört sich relativ viel an.“ Bei dem Zuschuss werde im Übrigen auch abgefragt, ob der Gemeinderat zugestimmt und die Gemeinde Haushaltsmittel für diesen Zweck eingestellt hat.

Gudrun Wilhelm (Freie Liste Kirchberg) erklärte: „Ich finde es ganz gut, dass man wieder auf die analoge Alarmierung umstellt.“ Wann die Sirenen installiert werden könnten, ob es da schon einen Zeithorizont gebe, wollte sie wissen. Das sei schwer zu beantworten, entgegnete Hornek. „Wir leben im Moment in einer Phase, in der Sie viele Dinge bestellen, aber nicht wissen, wann sie kommen. Das wird für diese Sirenen noch viel mehr als für andere Dinge gelten. Denn man muss sich mal vorstellen, was durch dieses Programm für ein Strohfeuer ausgelöst wird. Da werden in ganz Deutschland Tausende und Zigtausende Sirenenanlagen bestellt. Die muss der Markt im Prinzip die nächsten zwei, drei bis vier Jahre liefern. Danach ist wieder Ruhe.“ Über mögliche Lieferungszeiten konnte und wollte Hornek nichts sagen.

Gebhard Kunzi (Unabhängige Bürgerschaft Kirchberg – UBK) äußerte sich so: „Ich konnte es mir bis dato nicht vorstellen, dass wir in eine Zeit zurückfallen, in der man wieder Sirenen braucht im Ort.“ Vor allem wollte er wissen, wie viele Kosten am Ende wohl bei der Gemeinde hängen bleiben. „Gibt es da eine Hausnummer?“ Hornek drückte seine Hoffnung aus, dass 70 Prozent der tatsächlichen Kosten durch den Zuschuss abgedeckt werden. Doch wisse man noch nicht, was alles zu tun sei, um die Voraussetzungen für die Installation zu schaffen. Außerdem signalisierte er, er verstehe den Katastrophenschutz so, dass die Kosten in der Diskussion zweitrangig seien – ob man nun wolle oder nicht, man müsse „springen“. Christoph Berroth (Unabhängige Bürgerschaft Kirchberg – UBK) bewertet die Diskussion um die Alarmierung mit Sirenen als positiv. „Es zeigt, dass die Politik mehr an die Realität rankommt.“ Ulf Schmid (Gesundes Gemeinwesen Kirchberg) findet es gut, „dass man die Möglichkeit hat, bis zu sechs Sirenen zu installieren“.

Bei zwei Enthaltungen beschloss der Gemeinderat grundsätzlich die Installation von Sirenen in Kirchberg.

Sonderförderprogramm

Antrag Die Richtlinie zum Sonderförderprogramm Sirenen wurde am 1. Oktober veröffentlicht. Die Antragstellung war zwischen 2. Oktober und 12. November möglich. Ein Förderantrag konnte von Gemeinden beziehungsweise Stadt- und Landkreisen gestellt werden, die elektronische Sirenenanlagen neu errichten oder Bestandssirenen durch den Einbau neuer Sirenensteuerungsempfänger ertüchtigen wollen.

Schallgutachten In nächster Zeit soll im Kreis und auch in der Gemeinde Kirchberg ein Schallgutachten realisiert werden. Dies soll zur Ermittlung der nötigen Anzahl an Sirenen für das entsprechende Gebiet dienen. Die Ergebnisse dieses Gutachtens liegen jedoch erst im nächsten Jahr vor.

Pläne Geplant sind sechs elektronische Sirenenanlagen, die zur Anbindung an das Modulare Warnsystem über den Digitalfunk BOS angesteuert werden können.

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Erstellt:
13. November 2021, 06:00 Uhr

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