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Klare Trennung von Nachricht und Meinung

So arbeitet die Redaktion (17): Muss die Zeitung bei der Berichterstattung über politische Themen neutral bleiben?

Klare Trennung von Nachricht und Meinung

Von Kornelius Fritz

Egal ob es um den Bundestag in Berlin oder den Gemeinderat in Backnang geht: Wenn Journalisten über Politik schreiben, wird ihnen manchmal vorgeworfen, dass sie nicht objektiv berichten, sondern mit einer bestimmten Seite sympathisieren. Natürlich sind auch Redakteure Menschen, die eine eigene Meinung haben. Aber darf diese in den Artikeln, die sie schreiben, erkennbar sein oder muss ein Journalist immer neutral bleiben?

Bei der Beantwortung dieser Frage hilft wieder einmal ein Blick in den Pressekodex, der die ethischen Leitlinien für Journalisten vorgibt. Dort heißt es in Ziffer 2: „Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben.“ Das heißt, Journalisten sind zunächst einmal der Wahrheit verpflichtet. Zu einer sorgfältigen Recherche gehört auch, alle Seiten anzuhören und diese dann ausgewogen im Artikel wiederzugeben. Würde ein Redakteur, der privat für den Ausbau der Windkraft ist, in seinen Artikeln nur die Befürworter zu Wort kommen lassen und kritische Stimmen ignorieren, so wäre dies ein Verstoß gegen die Sorgfaltspflicht, die der Pressekodex verlangt.

Ein besonderes Maß an Neutralität verlangt der Pressekodex bei der Berichterstattung vor Wahlen: „Zur wahrhaftigen Unterrichtung der Öffentlichkeit gehört, dass die Presse in der Wahlkampfberichterstattung auch über Auffassungen berichtet, die sie selbst nicht teilt“, heißt es in Ziffer 1.2. Zeitungen berichten daher üblicherweise über alle zu einer Wahl zugelassenen Parteien und deren Positionen – wobei der Umfang der Berichterstattung je nach Bedeutung der Partei durchaus variieren kann.

Darüber hinaus gibt es allerdings keine Vorschrift, die von Journalisten politische Neutralität verlangt. Durch die im Grundgesetz verankerte Pressefreiheit ist sogar ausdrücklich gewollt, dass sich eine möglichst vielfältige Presselandschaft entwickelt, in der auch Platz für unterschiedliche politische Strömungen ist. Schon bei der Auswahl und der Gewichtung der Themen setzen verschiedene Redaktionen ganz unterschiedliche Schwerpunkte. Und vor allem bei nationalen Zeitungen gibt es auch deutliche Unterschiede in der politischen Ausrichtung: von eher konservativen Titeln wie „Frankfurter Allgemeine“ oder „Die Welt“ bis hin zu links-alternativen Blättern wie der „taz“.

Kennzeichen eines seriösen Journalismus ist allerdings, dass Beiträge, die Meinung enthalten, deutlich gekennzeichnet werden. Schreibt ein Redakteur über eine kontroverse Diskussion im Gemeinderat, so sollte sein Bericht die vorgetragenen Argumente wiedergeben, ohne dass seine persönliche Meinung dabei explizit oder auch zwischen den Zeilen erkennbar ist. Völlig legitim ist allerdings, wenn neben diesem Bericht ein Kommentar steht, in dem der Redakteur die Argumente von Verwaltung und Stadträten einordnet, Kritik formuliert und auch seine persönliche Einschätzung begründet. Schließlich ist es der Auftrag der Presse in einer Demokratie, die Machthabenden zu kontrollieren.

Natürlich muss nicht jeder die Meinung des Redakteurs teilen: So kann ein Kommentar in der Zeitung auch Widerspruch auslösen, der dann zum Beispiel in Leserbriefen formuliert wird. Solange sie sachlich geführt werden, sind solche Diskussionen nichts Schlechtes. Im Gegenteil: Eine Demokratie lebt vom Wettstreit der Argumente.

Haben auch Sie eine Frage zur Arbeit der Redaktion, die wir in unserer Serie beantworten sollen? Dann schicken Sie eine E-Mail an redaktion@bkz.de.

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Erstellt:
16. Januar 2020, 16:00 Uhr

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