Klett-Passage: Stadt und Polizei reagieren

Die Zahl der Straftaten im Hauptbahnhof und in der Klett-Passage steigt, viele Menschen fühlen sich dort nicht wohl. Stadt und Polizei planen mehr Streifen und Reinigung – und einen besonderen Schritt.

Der Zugang zur Klett-Passage, die Passage selbst und der Hauptbahnhof machen derzeit einen ziemlich trostlosen Eindruck.

© Lichtgut/Leif Piechowski

Der Zugang zur Klett-Passage, die Passage selbst und der Hauptbahnhof machen derzeit einen ziemlich trostlosen Eindruck.

Von Jürgen Bock

Stuttgart - Viele Menschen fühlen sich in der Klett-Passage und dem angrenzenden Hauptbahnhof nicht wohl, gerade am Abend und in der  Nacht. Dazu steigt die Zahl  der Straftaten. Im Hauptbahnhof  hat  die  Bundespolizei zwischen 2019 und 2023 nahezu eine Verdoppelung registriert. Auch in der Klett-Passage zeigt der Trend bei der Kriminalität nach oben.

Die CDU spricht in einem Antrag vom Donnerstagabend davon, speziell die Klett-Passage sei „für viele Bürgerinnen und Bürger zu später Stunde eine No-go-Area“. Sie fordert eine langfristige Aufwertung. „Statt einer  einladenden Atmosphäre mit ansprechenden Geschäften und interessanten gastronomischen Angeboten erwartet Reisende ein Areal, das in Sachen Sauberkeit stark zu wünschen lässt und durch zweifelhafte Personen ein Gefühl der Unsicherheit vermittelt“, heißt es da.

Bei der Stadt gehen offenbar zahlreiche Beschwerden von Reisenden und Passanten, aber auch von Anliegern ein. Offenbar zerbricht man sich dort gemeinsam mit der Polizei und den Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) schon seit Längerem die Köpfe, wie man bis zur Fußball-EM im Juni, aber auch darüber hinaus das Sicherheitsgefühl verbessern kann. Unter dem wachsenden Druck gibt es jetzt erste Ergebnisse.

„Die Baustellensituation im Hauptbahnhof, im Bahnhofsumfeld und in der Klett-Passage stellt uns alle vor große Herausforderungen. Wir müssen in dieser Übergangssituation mit aller Entschiedenheit Fehlentwicklungen entgegentreten und gemeinsam mit Landes- und Bundespolizei, Bahn und SSB für mehr Sicherheit, Sicherheitsgefühl und Sauberkeit sorgen“, sagt Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper auf Anfrage unserer Zeitung. Man werde schon vor, aber auch während und nach der Fußball-EM Maßnahmen ergreifen.

Welche das sind, erläutert Ordnungsbürgermeister Clemens Maier: „Die Maßnahmen beinhalten deutlich mehr gemeinsame Fußstreifen von Landes- und Bundespolizei, kommunalem Vollzugsdienst und privaten Sicherheitsdiensten“, sagt er. Im Bereich der Klett-Passage sind die Beteiligten schon seit einigen Jahren gemeinsam unterwegs. „Wir werden die bestehende Einsatzkonzeption erweitern. Das Konzept wird personell und auch zeitlich nochmals deutlich ausgeweitet“, so Polizeipräsident Markus Eisenbraun.

Es geht allerdings bei Weitem nicht nur um mehr Polizei. Auch eine Verstärkung der Sozialarbeit vor Ort und eine Erhöhung der Reinigungsintervalle sei vorgesehen, sagt Maier – und erwähnt noch einen speziellen Punkt: „Zukünftig soll überdies durch eine Rechtsänderung das Hausrecht der SSB bei Ordnungsstörungen konsequenter durch private Sicherheitsdienste ausgeübt werden können.“ Übersetzt bedeutet das, dass künftig Flächen, die bisher öffentlich waren, umgewidmet und rechtlich den Stuttgarter Straßenbahnen zugeschlagen werden könnten. Die hätten dann dort das Hausrecht und könnten mit eigenen Securityleuten dafür sorgen, dass Störenfriede das Areal verlassen müssen.

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Erstellt:
19. April 2024, 22:08 Uhr
Aktualisiert:
20. April 2024, 21:53 Uhr

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