Gärten in Bingen

Klima am Rhein wie am Mittelmeer

Heiße Sommer, fast frostfreie Winter: Bingen in Rheinland-Pfalz liegt klimatisch nicht mehr am Rhein, sondern am Mittelmeer. Das weisen Studenten in zwei Gärten nach.

Der Falsche Jasmin im Klimagarten der TH Bingen steht kurz vor der Blüte.

© TH Bingen

Der Falsche Jasmin im Klimagarten der TH Bingen steht kurz vor der Blüte.

Von Thomas Faltin

Bingen kennt man für seine hochromantischen Sehenswürdigkeiten wie die Burg Klopp und den Mäuseturm, wegen der hochehrwürdigen Hildegard von Bingen und natürlich für seine hochpittoreske Lage am Rhein. Klimatisch aber liegt Bingen mittlerweile am Mittelmeer, mit sehr heißen Sommern und ziemlich frostfreien Wintern. Das lässt sich nun wissenschaftlich belegen.

Seit 2008 wachsen in zwei „Klimagärten“ der Technischen Hochschule verschiedene Blumen und Sträucher, die für die Monate im Jahreslauf stehen – das Schneeglöckchen und die Forsythie für den Vorfrühling, die Besenheide für den Sommer oder die Zaubernuss für Dezember und Januar, denn zu dieser Zeit öffnen sich normalerweise die gelben und orangenen Blüten, bringen Farbe in den tristen Wintergarten und zaubern den Besitzern ein Lächeln ins Gesicht.

Studenten protokollieren Blätter und Blüten

Alle paar Tage ziehen Studenten der Hochschule aus, um zu messen, wann die Blätter austreiben, wann die Blüten erscheinen und wann sie verwelken. „Das ist ein ziemlich aufwendiges Geschäft“, sagt Elke Hietel, Professorin für Landschaftspflege.

Zwei bis drei Wochen habe sich der Blühbeginn im Schnitt bereits nach vorne verlagert, alleine in den 16 Jahren seit Messbeginn. Noch dramatischer ist, dass zahlreiche heimische Pflanzen viele Sommer in der Natur, also freilaufend, gar nicht mehr überlebt hätten wegen der großen Trockenheit. Zum Glück steht Elke Hietel stets mit der Gießkanne parat.

Bingen ist eingereiht in ein europäisches Netz von 70 Klimagärten von Trondheim in Norwegen bis Porto in Portugal, sodass sich die Blühkapriolen europaweit vergleichen lassen. Die Mutterpflanzen aller Gärten stammen übrigens aus einer Gartenbaumschule in Abstatt bei Heilbronn – so können genetische Gründe fürs Sprießen und Vertrocknen ausgeschlossen werden.

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Erstellt:
23. Mai 2024, 10:20 Uhr

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