„Klimaschutz kann auch Spaß machen“

Landtagswahl 2021: Ralf Nentwich, Kandidat von Bündnis 90/Die Grünen im Wahlkreis Backnang, setzt sich für gute Bildung und Digitalisierung ein. Weitere Schwerpunktthemen sind für ihn Klima- und Umweltschutz sowie die Stärkung des Mittelstands.

Ralf Nentwich ist Lehrer an der Max-Eyth-Realschule. Bildung und Digitalisierung sind Themen, die ihm sehr am Herzen liegen. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Ralf Nentwich ist Lehrer an der Max-Eyth-Realschule. Bildung und Digitalisierung sind Themen, die ihm sehr am Herzen liegen. Foto: A. Becher

Von Ingrid Knack

BACKNANG. Auf dem Weg zur Max-Eyth-Realschule in Backnang, dem Treffpunkt für das Pressegespräch mit unserer Zeitung, wechselt Bündnis 90/Grünen-Kandidat Ralf Nentwich entspannt ein paar Worte mit Menschen, die das Schulzentrum gerade verlassen. Obwohl es kurz darauf allein um ihn, seine Kandidatur für den Landtag und sein Engagement für Mensch und Natur im Wahlkreis Backnang und darüber hinaus gehen sollte, ist er nicht nur auf sich fokussiert, sondern hört zu. Aus einigen Metern Entfernung ist die positive Gesprächsatmosphäre sicht- und spürbar. Stimmungen wie diese setzen sich kurz darauf im Gebäude der Realschule, an der Nentwich Lehrer für Deutsch und Religion ist, fort. Einer von Nentwichs Lehrerkollegen scherzt, dass er eigentlich nicht mehr Grün wählen wollte. Jetzt aber werde er wohl doch nicht daran vorbeikommen.

Die Schule steht bei diesem Termin symbolisch für zwei große Themen, die Nentwich besonders wichtig und heutzutage auch untrennbar miteinander verbunden sind: Bildung und Digitalisierung. „In der Krise wurde das Thema der Zukunftsfähigkeit unseres Bildungssystems in den Fokus gerückt. Hier müssen nachhaltige Konzepte im Bereich der Zukunftskompetenzen und der technischen Ausstattung von Schülerinnen und Schülern sowie Schulen entwickelt werden“, erklärt einer, der Experte gerade auf diesen Gebieten ist. Das Kreismedienzentrum, das der Pädagoge leitet, hat in den zurückliegenden Pandemiemonaten gute Arbeit geleistet. Bei der Entwicklung und Umsetzung des digitalen Klassenzimmers beispielsweise, als die Medienzentren im Ländle zu Beginn der Coronapandemie eine stabile und datenschutzkonforme Lösung für Videokonferenzen in ganz Baden-Württemberg entwickelten, war es federführend. Seit Jahren schon hat der Landkreis seine Investitionen in die Digitalisierung erhöht, was sich nun in der Krise auszahlt.

Bildungsgerechtigkeit für alle.

„Alle Kinder sollen ihre Talente und Begabungen optimal entfalten können“, fordert Ralf Nentwich. Was Chancengleichheit und Inklusion angehe, gebe es noch viel Potenzial. „Bildung ist das Instrument, das wir unseren Kindern für ein gelingendes Leben auf den Weg mitgeben können.“ Schulen und frühkindliche Bildungseinrichtungen müssten für das 21. Jahrhundert fit gemacht und bestmöglich unterstützt werden. Nentwich: „Bildung ist eine Zukunftsinvestition. Hier sind wir in Baden-Württemberg schon auf einem guten Weg, der konsequent weiterverfolgt und mit Leben gefüllt werden muss.“ Konkret kann das unter anderem bedeuten, dass es an allen Schulen einen IT-Koordinator gibt. Damit jede Schule die gleichen Voraussetzungen hat.

"Das regt mich auf" Ralf Nentwich

Zwar gäben die Grünen bereits jetzt Impulse ins Kultusministerium, manchmal habe er aber das Gefühl, als ob eine Art Filter dazwischengeschaltet sei, so Nentwich. Um die grünen Vorstellungen umsetzen zu können, müsse seine Partei in der nächsten Legislaturperiode das Kultusministerium für sich gewinnen.

Auf allen Ebenen in der Politik sei eine gehörige Portion Pragmatismus vonnöten, sagt der Praktiker in Sachen Digitales, Pädagogik sowie Natur- und Umweltschutz. Der stellvertretende Murrhardter Nabu-Vorsitzende und Hobbyimker denkt auch groß über Wege aus der Klimakrise hin zum 1,5-Grad-Ziel und aus dem Artensterben. Im Kleinen packt er mit an, wenn es darum geht, zur Minimierung des ökologischen CO2-Fußabdrucks beizutragen und die biologische Vielfalt zu erhalten. Das kann dann so aussehen, dass er Kröten über die Straße trägt oder lange Zeit im Naturparkschulen-Zertifizierungsteam mitarbeitet.

Nentwich beschreibt einen Weg in die Zukunft, auf dem es eine Transformation in den unterschiedlichsten Bereichen braucht. Mit ihr gehen nicht nur große Herausforderungen, sondern auch Aspekte wie Bürgerfreundlichkeit, Schnelligkeit und mehr Effizienz einher. Und zum Thema klimaneutrales Baden-Württemberg sagt Nentwich unter anderem: „Klimaschutz kann auch Spaß machen.“ Zum Beispiel, wenn man ein E-Auto fährt. Wobei auch beim Klimaschutz das Ziel feststeht, „den Weg dorthin können wir verhandeln“.

„Wir benötigen gestärkte Grüne, um weitere Fortschritte erreichen zu können. Eine Fotovoltaikpflicht für alle Neubauten, der Ausbau der Streuobstwiesen und Unterstützung der Kommunem beim Blühwiesen- und Mähmanagement zum Schutz von (Wild)-Bienen und anderen Insekten sind hier weitere wichtige Themenfelder“, bringt der Wahlkämpfer einige der grünen Ziele auf seiner Homepage auf den Punkt. Im Gespräch zeigt er auf, wie dies mit Anreizen für die jeweils Betroffenen erreicht werden könne. Ein Beispiel: „Landwirtschaft und Natur- und Umweltschutz gehen Hand in Hand. Die Anreize für Bäuerinnen und Bauern müssen in Baden-Württemberg so gestaltet sein, dass es sich lohnt, eine Streuobstwiese zu pflegen, Landschaftsschutzmaßnahmen umzusetzen und gleichzeitig gesunde Nahrungsmittel für uns zu erzeugen.“ Seine Partei möchte die ökologische Landwirtschaft „vorantreiben und auf mindestens 40 Prozent steigern“. Tiere würdig zu behandeln und faire Preise für landwirtschaftliche Produkte, damit auch die kleineren Landwirte überleben können, sind weitere Punkte, die die Grünen beackern.

In der Holzwirtschaft möchten sie regionale Kreisläufe stärken. Die „Holzoffensive“, die sie angestoßen haben, beinhaltet etwa, dass die öffentliche Hand als Bauträger Zeichen setzt und im Zuge des ohnehin notwendigen Umbaus der Wälder mit Baumarten, die dem Klimawandel standhalten, regionales Holz als Bauholz vermehrt verwendet.

Ökonomie und Ökologie zusammen denken.

Ralf Nentwich spricht zudem davon, dass der Wahlkreis Backnang reich an kreativen und innovativen Firmen sei. „Unsere Aufgabe ist es, diese auf dem Weg in die Zukunft zu unterstützen, Wege aufzuzeigen und Ökonomie und Ökologie zusammen zu denken: eine Wirtschaftskraft ohne Zerstörung der Natur unter Einsatz umweltschonender Technologien.“ Er setzt sich überdies für Ansiedlungen neuer Firmen ein. „Jedes kleine Start-up kann theoretisch ein Weltmarktführer werden. Wir haben hier viele Firmen, die zu Weltmarktführern geworden sind.“ Dass sich Unternehmen im Wahlkreis wohlfühlen, dafür will er einen Nährboden schaffen. Wozu wieder ein flächendeckendes schnelles Internet gehört. Und der 39-Jährige sagt: „Die Digitalisierung sollte durch Modellprojekte in unserem Wahlkreis vorangetrieben werden. Dies betrifft darüber hinaus alle Themenfelder unseres täglichen Lebens und unserer Gesellschaft.“

In Ralf Nentwichs Vorstellungswelt vereinen sich Bodenständigkeit mit klaren Zielen im Großen. Wie charakterisiert sich der Wahlkämpfer, der mit einem Schäferwagen-Tourmobil unterwegs ist, selbst? „Ich bin hoffentlich ein guter Zuhörer, ein guter Gesprächspartner und Freund“, meint er. Aufgewachsen ist er in einem ökumenischen Elternhaus, der Vater ist katholisch, die Mutter evangelisch. Er selbst war einmal Oberministrant, sein Patenonkel ist Pfarrer in Alfdorf. Christliche Werte sind ihm wichtig, doch er stellt sie nicht zur Schau. Das Handwerk und der Mittelstand sind ihm nah, er stammt selbst aus einer Handwerkerfamilie und kennt auch die Probleme der Bevölkerung auf dem Land gut. Seine Grundeinstellung: „Neugierig sein und mich nicht immer mit den schnellsten Lösungen zufriedengeben.“

Zur Person

Ralf Nentwich ist 1982 in Backnang geboren und lebt in Murrhardt. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Seit 2010 ist er Leiter des Kreismedienzentrums Backnang. Er hat ein Teildeputat an der Max-Eyth-Realschule Backnang. Seit 2015 hat er die Gesamtleitung des Kreismedienzentrums Rems-Murr inne und ist Mitglied des Pädagogischen Stiftungsbeirats der Kreissparkassenstiftung.

2019 wurde er in den Gemeinderat der Stadt Murrhardt gewählt (Fraktion MDAL/ Die Grünen). Im gleichen Jahr wurde er Beisitzer im Ortsverein Oberes Murrtal von Bündnis 90/Die Grünen.

Nentwich hat langjährige Erfahrungen als Bundesjugendsprecher im Bundesvorstand der Naturschutzjugend (Naju) sowie als Vertreter der Naju im Bundesjugendring und als Vorstandsmitglied des Landesarbeitskreises der Medienzentren Baden-Württemberg.

Derzeit ist Nentwich zweiter Vorsitzender der Nabu-Ortsgruppe Murrhardt und Vorsitzender der Dorfgemeinschaft Siegelsberg. Er ist Bienensachverständiger und Wanderwart im Imkerverein Murrhardt.

Zum Artikel

Erstellt:
8. Februar 2021, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!
Der Impftruck ist ein imposanter 33-Tonner mit Allradantrieb und moderner Ausstattung. Zum Pressetermin anwesend waren Landratsamtdezernent Gerd Holzwarth, Jörg Behrens (Medizinische Leitung Kreisimpfzentrum), Landrat Richard Sigel, Kilian Rapp vom Robert-Bosch-Krankenhaus sowie Sven Knödler, Heiko Fischer, Holger Hagmeier und Johannes Gerblich vom DRK. Foto: G. Habermann
Top

Stadt & Kreis

Die Impfung kommt in die Gemeinden

Vom 2. März an werden die mobilen Teams des zentralen Impfzentrums des Robert-Bosch-Krankenhauses mit einem Impftruck in die Städte und Gemeinden des Rems-Murr-Kreises fahren. In Backnang soll der Truck voraussichtlich am 8. und 9. März stehen.

Stadt & Kreis

„Ich habe noch vieles vor“

Bürgermeisterwahl Auenwald: Karl Ostfalk blickt auf 30 Jahre Erfahrung in Gemeindeverwaltungen und in Gemeinderäten zurück. Der 62-Jährige fühlt sich jung und dynamisch genug, um eine dritte Amtsperiode voll durchzuziehen. Ideen habe er noch genug.

Stadt & Kreis

Streetworkprojekt für Jugendliche startet

Niederschwellig und zwanglos: Das soll Bbro ausmachen, ein Projekt für Jugendliche aus der Region, die Unterstützung suchen. Mit einem Bus wollen Sozialpädagogen jeden Tag an anderen Orten stehen, verschiedene Aktionen starten und ein offenes Ohr haben.