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Körbeweise Wanderkarten auf die Post gebracht

Der Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald verzeichnet in Coronazeiten eine große Nachfrage zu Touren.

Der Naturpark hat viel zu bieten, wie Naturparkführer Walter Hieber weiß. Archivfoto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Der Naturpark hat viel zu bieten, wie Naturparkführer Walter Hieber weiß. Archivfoto: J. Fiedler

Von Christine Schick

MURRHARDT. Diejenigen, die sich beruflich oder ehrenamtlich im und für den Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald engagieren, betrachten die von Corona geprägten Zeiten vermutlich mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Dies jedenfalls ließ sich aus den verschiedenen Statements bei der Mitgliederversammlung des Naturparkvereins Schwäbisch-Fränkischer Wald schlussfolgern. Naturparkgeschäftsführer Bernhard Drixler stellte beispielsweise in seinem Bericht fest, dass die Geschäftsstelle im Murrhardter Naturparkzentrum in den vergangenen Monaten so viele Anfragen wie noch nie erhalten habe. Mit Blick auf das Projekt inklusive Wanderbotschafter, bei dem Menschen im Rollstuhl oder mit anderen Einschränkungen Touren erkundet haben, oder das weit fortgeschrittene neue Wanderleitsystem war er froh um die Vorarbeit, auf die das Team nun in dieser Hinsicht zurückgreifen kann. Die Nachfrage zu möglichen Touren sei enorm. „Wir haben körbeweise Karten und Informationsmaterial auf die Post gebracht“, sagte er. Gleichzeitig mussten und müssen viele größere Veranstaltungen wie die Naturparkmärkte, das Naturerlebniscamp oder „Gaildorf chillt“ abgesagt werden. Walter Hieber, der für die Naturparkführer sprach, tut es besonders weh, dass die Naturpädagogik an den Schulen immer noch auf null gefahren ist, auch wenn die Guides seit Mitte Juni wieder auf Tour sind.

Beim Treffen der Mitglieder stand auch ein konzeptionelles Thema auf dem Programm. Der künftige Naturparkplan, eine Art Kompass der Arbeit für die kommenden zehn Jahre, wurde vorgestellt und verabschiedet. Für die Erarbeitung hat man das Büro Kohl und Partner mit ins Boot geholt. Die Mitarbeiter Dieter Popp und Lena Helleisz skizzierten die Kernpunkte. Die Ergebnisse sind Teil eines Austauschs in verschiedenen Gruppen im Vorfeld, die in Workshops und Diskussionsrunden wesentliche Inhalte, Wünsche und Ziele erarbeitet haben.

Um auch junge Menschen zu erreichen und ihre Bedürfnisse zu berücksichtigen, gab es auch einen Workshop „Next Generation“. Zum Selbstverständnis hielt Dieter Popp fest, dass im Zentrum eine Symbiose von Mensch und Natur und eine nachhaltige Nutzung stehe, bei der die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen wie Land- und Forstwirtschaft, Handel und Konsumenten zu einer Wertschöpfung und Wertschätzung beitragen. Man grenzt sich hier von einem rein restriktiven Naturschutzkonzept ab. Weitere Stichworte sind Heimat und Regionalität, die in den zurückliegenden Jahren eine Art Renaissance erfahren haben.

Ebenso präsent sei das Bedürfnis nach Entschleunigung, das in der Arbeit stärker und dauerhaft Eingang finden beziehungsweise berücksichtigt werden kann. Generell wird der Naturpark mittlerweile mehr als Anstifter und Moderator von Projekten gesehen. Das hat zum einen den Hintergrund, dass man so auch die dort lebenden Menschen einbinden und damit auch eine Identifikation mit dem Naturpark fördern möchte, zum anderen entspricht dies auch den begrenzten beziehungsweise gesetzten personellen Ressourcen. Als inhaltlich wichtige Kriterien für eine erfolgreiche Arbeit nannte Popp die Punkte Bildung für nachhaltige Entwicklung und eine Sensibilisierung für den Umweltschutz, die am besten schon im Kindesalter beginnt und bei der der Naturpark beispielsweise mit seinen Naturparkschulen – mittlerweile zwölf an der Zahl – Pionierarbeit geleistet hat.

Eine Sensibilisierung für den Umweltschutz beginnt am besten bei den Jüngsten.

Ebenso sieht die konzeptionelle Ausrichtung den Naturpark als einen für alle, womit auch Projekte im Sinne eines niederschwelligen Tourismus ihren Niederschlag finden sollen. Dieter Popp betonte auch den Modellcharakter der Region für nachhaltige, ökologische Entwicklung – überdurchschnittlich viele biologisch-landwirtschaftliche Betriebe fänden sich hier. Aus dem Leitbild leiten sich vier Handlungsfelder ab – Bildung für nachhaltige Entwicklung, Umweltbildung und Sensibilisierung, Direktvermarktung, nachhaltiger Tourismus sowie Naturschutz und Biodiversität.

Murrhardts Bürgermeister Armin Mößner, der den Vereinsvorsitz zu Beginn des Jahres übernommen hat, blickte auf 2019 zurück – vom Naturparkjubiläum über das Konzert von Andrea Berg für behinderte Menschen bis hin zum Deutschen Naturparktag – und voraus. In der Geschäftsstelle ist zurzeit Naturparkführerin Sabine Rücker als Honorarkraft eingesprungen – Projektmanagerin Laurel Kagels ist seit gestern in Mutterschutz und wird zwei Jahre Elternzeit nehmen, zudem sind zwei weitere Vollzeitstellen zu besetzen. Geschäftsführer Bernhard Drixler wird zum Jahreswechsel 2020/21 ausscheiden und in den Ruhestand gehen, sodass eine weitere Nachfolge ansteht. Mößner würdigte auch mit Blick auf sein 25-jähriges Wirken als Mister Naturpark sein großes Engagement.

Bernhard Drixler informierte unter anderem über die Fortsetzung der Kampagne „Blühender Naturpark“ und die Fortschritte bei der Umsetzung des Wanderleitsystems. Die Erlebnisschau im Naturparkzentrum wird einer Frischzellenkur unterzogen und mit dem Projekt „Q-Vadis“ ein neues digitales System geschaffen, über das der Daten- und Informationsaustausch einfacher werden soll.

Ohne Diskussion wurde noch über einen Tagesordnungspunkt beschieden, der thematisch nicht ganz typisch wirkt: die Frage, ob der Naturparkverein der „Initiative Motorradlärm“ beitreten will. Das Thema wurde bei der Arbeitsgemeinschaft Naturparke Baden-Württemberg sowie von einem Mitglied aufs Tapet gebracht. Mit einer Enthaltung wurde einstimmig beschlossen: Der Naturparkverein tritt der Initiative nicht bei, unterstützt aber Maßnahmen und Initiativen, die zu einer Reduzierung des Motorenlärms, insbesondere des Motorradlärms beitragen. Je nach Betroffenheit vor Ort soll es den Mitgliedsstädten oder -gemeinden überlassen bleiben, ob sie der Initiative beitreten.

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Erstellt:
18. Juli 2020, 16:00 Uhr

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