Kommentar: Anzeichen von Verwahrlosung
Kommentar: Anzeichen von Verwahrlosung
© Karl-Josef Hildenbrand/Deutsche
Handys sind ein schlechtes Erziehungsinstrument: Was dort zu besichtigen ist, inspiriert auch Kinder zu kriminellem Fehlverhalten.
Von Armin Käfer
Stuttgart - Hinter vermeintlich schlechten Zahlen verbergen sich auch manchmal positive Trends. Das zeigt die aktuelle Kriminalstatistik: Dort fällt auf, dass die Zahl der polizeilich registrierten Vergewaltigungen seit 2018 um 72 Prozent zugenommen hat. Warum? Erleben wir eine beschleunigte Verrohung, ausufernden Frauenhass? Ganz so schlimm ist es nicht. Der Anstieg deutet auf eine wachsende Sensibilität für solche abscheulichen Übergriffe hin, und auf die zunehmende Bereitschaft der Opfer, diese nicht stumm zu erdulden, sondern anzuzeigen. Ob es zur Anzeige kommt oder nicht: Jeder einzelne Fall ist ein schändliches Verbrechen.
Haarsträubend ist ein weiteres Detail der Kriminalstatistik: Unter den Tatverdächtigen sind immer mehr Kinder und Minderjährige. Besonders augenfällig ist das bei Sexual- und Gewaltdelikten. Der Verweis auf liederliche Inspiration, die per Handy zu besichtigen ist, reicht nicht aus als Erklärung – spricht aber für restriktivere Zugangsbeschränkungen in die digitale Welt. Wenn bei jedem zehnten sexuellen Missbrauch von Kindern wiederum Kinder der Tat verdächtig sind, deutet dies auf eine Verwahrlosung hin, die sich in dringend schutzbedürftige Sphären einschleicht. Das Bundeskriminalamt beobachtet eine „erhöhte Akzeptanz normabweichenden Verhaltens“. Die Verantwortung dafür liegt in erster Linie bei Eltern, die als Erziehungsberechtigte offenbar überfordert sind. Im Ergebnis schadet das allen.
