Kommentar: Bildung ohne Gerechtigkeit

Kommentar: Bildung ohne Gerechtigkeit

Von Reiner Ruf

EsStuttgart - ist zum Heulen. Wenn der Spritpreis steigt, gerät die gesamte politische Klasse in Panik. Schnelle Lösungen müssen her, Geld spielt kaum eine Rolle. Bei den strukturellen Problemen innerhalb der Gesellschaft tut sich hingegen gar nichts. Hier ein bisschen Trost, dort ein schmales Pflaster auf die klaffende Wunde, im äußersten Fall die Einsetzung einer Expertenkommission: Das ist der Umgang mit öffentlichen Skandalen wie der Wohnungsnot in den Städten, dem Niedergang der Bahn – oder eben der Klassengesellschaft in unserem Schulsystem.

Wer hierzulande an Bildungsgerechtigkeit glaubt, begeht Selbstbetrug. Das kommt aber nicht ans Licht, weil die Verlierer aus den unteren Schichten stammen, die sich aufgrund erstarrter sozialer Strukturen selbst reproduzieren. Dass Deutschland eine Meritokratie sei, in der sich jeder durch Leistung nach oben arbeiten kann, ist eine Lüge.

Der neue „Chancenmonitor“ des Münchner Ifo-Instituts belegt das einmal mehr. Leistung ist dem Aufstieg förderlich, reicht aber nicht aus. Im oberen Bereich der Sozialpyramide genügt hingegen schon blankes Mittelmaß bei Geist und Arbeitsaufwand, um das ohnehin schon vorhandene Kapital zu erhalten. Der wesentlich von der SPD eingeleitete Bildungsaufbruch, der einst den heutigen Boomern zugute kam, ist vertan. Die Studie zeigt auch: Der Bildungsnotstand ist kein Migrantenproblem. Im Ergebnis ist er wirtschaftlich und politisch gefährlich.

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Erstellt:
28. April 2026, 22:08 Uhr
Aktualisiert:
28. April 2026, 23:57 Uhr

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