Kommentar: Es fehlt an beidseitigem Respekt

Kommentar: Es fehlt an beidseitigem Respekt

Von Andreas Geldner

Stuttgart - Es ist leicht, wie heute üblich, den Tarifkonflikt bei den Lokführern zu personalisieren. Zugespitzt formuliert: Auf der einen Seite steht ein profilierungssüchtiger Gewerkschaftschef Claus Weselsky, dem jedes Mittel recht ist, um seine Gewerkschaft zu profilieren. Auf der anderen Seite gibt es mit Martin Seiler einen Verhandlungsführer der Deutschen Bahn, der – wissend um den Frust der Kunden – mit kalkulierten Nadelstichen darauf zielt, die Gewerkschaft als Provokateur und die Bahn als allein kompromisswillig darzustellen.

Dahinter steckt aber ein Problem, das den Zustand unserer Gesellschaft widerspiegelt: Die Bereitschaft, sich auf geregelte Prozesse einzulassen, scheint zu schwinden. Es fehlt in Konflikten zunehmend an gegenseitigem Respekt. Sich durchzusetzen liegt im Trend. Wenn nun Politik und Gerichte als Schiedsrichter angerufen werden, ist das hilflos.

Denn es braucht gerade auch die Achtung vor ungeschriebenen Regeln. Entscheidend ist die Fähigkeit, einen Gang zurückzuschalten. Eine Weile haben es die Beteiligten GDL und Bahn ja versucht. Und sind gescheitert. Ob jetzt eine Schlichtung der Ausweg ist? Aus psychologischen und praktischen Gründen kann man nur energisch dazu auffordern. Aber dazu müssten Bahn und GDL wiederum Spielregeln akzeptieren. Ein Schlichterspruch kennt keine Sieger oder Verlierer. Doch zurzeit scheinen die Beteiligten nur in dieser Kategorie zu denken.

Zum Artikel

Erstellt:
11. März 2024, 22:12 Uhr
Aktualisiert:
12. März 2024, 22:05 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen