Kommentar: Imageschaden für die Pflegebranche

Kommentar: Imageschaden für die Pflegebranche

Flächendeckend wirbt der Gründungsausschuss für sein Projekt – hier am Stuttgarter Hauptbahnhof.

© dpa/Jens Kalaene

Flächendeckend wirbt der Gründungsausschuss für sein Projekt – hier am Stuttgarter Hauptbahnhof.

Von Matthias Schiermeyer

Stuttgart - Wollte man dem erbitterten Streit um die geplante Pflegekammer in Baden-Württemberg Positives abgewinnen, müsste man sagen: Er lenkt den Blick auf eine Branche, die sonst zu wenig Aufmerksamkeit erhält. Die Pflege wird immer wichtiger, hat aber nicht das politische Gewicht, das sie verdient.

So überwiegt das Negative an der Konfrontation: Sie offenbart die Zerrissenheit eines Berufsstands, der Einigkeit bräuchte, um gehört zu werden. Kurz vor dem entscheidenden Schritt hin zur Errichtung der Kammer greifen sich deren Initiatoren und die Gewerkschaft Verdi auf das Heftigste an – gipfelnd im gegenseitigen Vorwurf, bewusst Unwahrheiten zu verbreiten. Welchen Einfluss dies auf das Erreichen des Quorums hat, wonach nicht mehr als 40 Prozent der Pflegekräfte die Registrierung ablehnen dürfen, ist offen. In jedem Fall hat die Pannenserie in diesem Verfahren das Misstrauen vieler Beschäftigter verschärft – sie fragen sich, ob hier alles mit rechten Dingen zugeht.

Zudem erzürnen Pflichtmitgliedschaft und Zwangsgebühren einen Berufsstand, der sich in der Coronakrise schon von der Impfpflicht überrollt fühlte. Nun wird der Druck auf die Pflegekräfte erhöht, wenngleich die Initiatoren und Landessozialminister Manfred Lucha auch gut nachvollziehbare Ziele verfolgen. Was aber, wenn mehr frustrierte Beschäftigte deswegen den Beruf verlassen? So bleibt das Risiko, dass die Pflegekammer mehr Schaden anrichtet als Nutzen bringt.

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Erstellt:
18. Februar 2024, 22:20 Uhr
Aktualisiert:
19. Februar 2024, 21:59 Uhr

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