Kommentar: Mehr als ein Bollwerk gegen Moskau

Kommentar: Mehr als ein Bollwerk gegen Moskau

Von Christoph Reisinger

Stuttgart. - Bitter, dass es des Schlächters Wladimir Putin bedurfte, die Europäer an den Wert der Nato zu erinnern. Aus der bangen Gewissheit, dass Sicherheit in Europa gegen Russland, die mit Abstand stärkste Militärmacht des Kontinents, organisiert werden muss, steht das Bündnis 75 Jahre nach seiner Gründung hoch im Kurs. Zu Recht.

So hoch, dass Finnen und Schweden von ihrer Neutralität gelassen haben und als Neumitglieder Schutz in dieser Allianz suchen. Selbst im sicherheitspolitisch verträumten Deutschland wird neuerdings registriert, dass es diesen Schutz nur gibt, wenn alle ernsthaft dazu beitragen.

In der Rückbesinnung auf die Nato als militärisches Bollwerk gegen Moskauer Imperialallüren steckt allerdings die Gefahr, ihren politischen Wert zu übersehen. Eine Gefahr, die sich schon in all den geschichtsvergessenen Kommentaren nach 1991 niederschlug, die das Bündnis für tot erklärten, für aus der Zeit gefallen.

Das war es nie. Allein die Nato ist in der Lage eine Friedensordnung für den – inzwischen erfreulich großen – freien Teil Europas zu garantieren. Allein der Nato-Vertrag macht Großbritannien und die USA zu Teilhabern und zugleich zu Stützen dieser Ordnung. Ein Blick auf Weltgegenden, in denen Vergleichbares nicht existiert, lehrt: 75 Jahre Nato, das ist ein Grund zum Feiern. Gerade für die Deutschen, die schon am meisten von ihr profitiert haben.

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Erstellt:
1. April 2024, 22:08 Uhr
Aktualisiert:
2. April 2024, 21:57 Uhr

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