Kommentar: Propaganda ist keine Kunst
Kommentar: Propaganda ist keine Kunst
Von Armin Käfer
Stuttgart - Die Berlinale hat ein Problem: Inzwischen wird weniger über die Kunst gesprochen, die dort über die Leinwände flimmert, als über ihre Rolle als politischer Nebenschauplatz. Zum Problem gehört auch, dass sie im internationalen Vergleich zu einem Nebenschauplatz der Filmkunst geworden ist. Bei keinem anderen namhaften Festival steht das politische Spektakel derart im Rampenlicht.
Das allein wäre schon Anlass genug, darüber nachzudenken, ob die Berlinale-Chefin Tricia Tuttle ihren Job wirklich gut macht oder ob es dafür nicht bessere Leute gäbe. Sie jetzt aber zu feuern wegen der ziemlich einseitigen Propaganda im Scheinwerferlicht der Berlinale, wäre vielleicht kein kulturpolitischer, aber auf jeden Fall ein politischer Fehler. Es spräche für ein obrigkeitsstaatliches Verständnis von Kunstfreiheit.
Wie manche Künstler sich auf der Berlinale inszenieren, ist allerdings auch keine Reklame für ihr Kunstverständnis. Als Schaubühne für Agitation und Propaganda braucht es kein staatlich subventioniertes Festival. Das Gerede des in Berlin prämierten Filmemachers Abdallah Alkhatib über die Rolle des deutschen Staates im Gaza-Krieg zeugt von einer scheinheiligen Moral.
„Kultur darf nicht zum Spielball politischer Auseinandersetzungen werden“, appellieren prominente Kino-Leute. Kultur wird aber gerade dann zum „Spielball politischer Auseinandersetzungen“, wenn Kulturschaffenden nicht mehr als Agitprop einfällt.
