Kommentar: Testfall für die Aussöhnung

Kommentar: Testfall für die Aussöhnung

Von Armin Käfer

Was Sudeten und Tschechen trennt, liegt 80 und noch mehr Jahre zurück: das Herrenmenschengehabe der Nationalsozialisten in den deutsch besiedelten Gebieten von Böhmen und Mähren, später die Vertreibung der Sudetendeutschen, Todesmärsche, die von Revanchegelüsten diktierten Benes-Dekrete. Noch ist die Kluft zwischen den Geschichtsbildern der Menschen, die das gleiche Land ihre Heimat nennen, nicht überwunden. Das zeigen die Querelen um den Sudetentag an Pfingsten, der erstmals in der tschechischen Stadt Brno, zu deutsch Brünn, stattfinden wird. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (beide CSU) wollen kommen – was den Konflikt eher anheizt.

In Tschechien gibt es große Vorbehalte gegen das Treffen – vor allem unter rechtsgesinnten Landsleuten. Der Sudetentag in Brno wird zum Testfall für den Stand der Aussöhnung in Europa. Dabei kam die Einladung aus der Region selbst. Offenbar leben dort nicht nur Nationalisten. Auch die Sudetendeutsche Landsmannschaft hat ihre dem Gestern verhaftete Phase längst überwunden. So hätte der Gedenktag die Chance geboten, aus den Erzählungen von einer unseligen Vergangenheit eine gemeinsame Geschichte zu stricken. Doch dazu sind offenbar noch nicht alle aus der Enkelgeneration bereit. Vielleicht lassen sie sich überzeugen von den Botschaften, die aus Brno zu vernehmen sein werden.

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Erstellt:
22. Mai 2026, 22:10 Uhr
Aktualisiert:
22. Mai 2026, 23:49 Uhr

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