Kommentar: Trump will Kontrolle über Grönland
Kommentar: Trump will Kontrolle über Grönland
Von Stefan Kegel
Es ist kaum zu erwarten, dass Donald Trump sich von einer Handvoll Soldaten beeindrucken lässt. Schon gar nicht, wenn sie lediglich erkunden, wie die Seewege rund um Grönland künftig besser zu schützen seien. Die Europäer versuchen in Windeseile, den Amerikanern zu beweisen, dass sie selbst für die Sicherheit Grönlands und des Wegs über die Arktis nach Nordamerika sorgen können.
Man muss indes konstatieren, dass der Mangel an strategischer Voraussicht in Europa diesen Streit überhaupt erst möglich gemacht hat. Dass infolge des Klimawandels das Eis der Arktis taut und daher mehr Schiffsverkehr über die Transarktis-Passage möglich werden wird, ist nicht erst seit gestern bekannt. Ebenso wenig die Begehrlichkeiten des Arktis-Anrainers Russlands, diese Route auch zu nutzen – für Schiffe jeglicher Art, sei es für Handel oder auch zu unfreundlichen Zwecken. Und auch China hat auf diese Route ein Auge geworfen, da sie die Handelswege in Richtung Europa und Amerika deutlich verkürzt. Wer die Kontrolle über Grönland hat, hat die Kontrolle über die Wege durch die Arktis.
Es ist daher unwahrscheinlich, dass Trump, dessen Nationale Sicherheitsstrategie den umfassenden Schutz des Heimatlandes als Priorität ausgegeben hat, einen Rückzieher macht. Das Problem: Nähmen sich die USA Grönland gegen den Willen des Nato-Partners Dänemark, dann wäre die Nato tot. Dafür müsste nicht einmal ein Schuss fallen.
