Kommentar: Viel Ärger, Ängste und wenig Ertrag

Kommentar: Viel Ärger, Ängste und wenig Ertrag

Von Ellen Hasenkamp

In der Schweiz gibt es ein Ritual, das am Betriebswaschbecken von der Chefin bis zum Azubi alle vereint: Nach dem Mittagessen werden die Zähne geputzt. „Drei Mal täglich“ ist dort kein leerer Ratschlag, sondern gewissenhafte Vorsorge. Einer der Gründe: In unserem Nachbarland sind zahnärztliche Behandlungen mit Ausnahme von Notfällen grundsätzlich privat oder von einer privaten Zusatzversicherung zu bezahlen.

Ein Horrorszenario? Für die Schweizer Alltag. Und bei uns? Der CDU-Wirtschaftsrat hat – mal wieder – angeregt, zahnärztliche Behandlungen komplett aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen zu streichen. Die Linke sieht ärmere Menschen schon vor die Wahl gestellt: „Füllung beim Zahnarzt oder Mittagessen für die Kinder“.

Gut möglich also, dass auch bei diesem Sparvorschlag am Ende gesellschaftliche Aufregung und Spar-Ertrag in keinem günstigen Verhältnis stehen. Zahnärztliche Behandlungen machen nur rund fünf Prozent der Ausgaben gesetzlicher Kassen aus. Krankenhäuser dagegen rund ein Drittel. Die vom viel gescholtenen Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) angestoßene Reform auf diesem Gebiet ist aber gerade erst verwässert worden.

Zahnbehandlung gehört zu den ärztlichen Leistungen, bei denen die Grenze zwischen medizinischer Notwendigkeit und ästhetischem Bedürfnis oft schwer zu ziehen ist. Das wird die Debatte nicht erleichtern.

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Erstellt:
1. Februar 2026, 22:14 Uhr
Aktualisiert:
1. Februar 2026, 23:58 Uhr

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