Gefahr aus dem Weltall

Kommt da noch mehr runter? Dächer durch Meteoriten beschädigt

Ein lauter Knall, ein Feuerblitz am Himmel, ein getroffenes Haus: Ein Meteorit sorgt für Aufregung. Viele Menschen wenden sich an die Behörden. Was kommt da noch aus den Tiefen des Weltall auf uns zu?

Ein Meteorit ist im Koblenzer Stadtteil Hüls in ein Hausdach eingeschlagen. Gesichtet wurde die Lichterscheinung unter anderem in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Baden-Württemberg.

© Thomas Frey/dpa

Ein Meteorit ist im Koblenzer Stadtteil Hüls in ein Hausdach eingeschlagen. Gesichtet wurde die Lichterscheinung unter anderem in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Baden-Württemberg.

Von Markus Brauer/AFP/dpa

Was war das denn? Iranische Raketentrümmerteile, die Überreste eines verglühten Aliens-Invasionsraumschiffs, Trümmer eines Satelitten? Weder noch.

Was sich am Sonntagabend (8. März) in Rheinland-Pfalz ereignet hat, ist ein wirklich sehr, sehr seltenes Ereignis: Bruchstücke eines Meteoriten erreichten gegen 19.15 Uhr die Erde. Ein Meteoritenteil beschädigte im Stadtteil Koblenz-Güls in ein Hausdach beschädigt. Bei dem Einschlag entstand nach Angaben des Landesamtes für Brand- und Katastrophenschutz ein etwa fußballgroßes Loch.

Mars wird viel mehr durchlöchert als die Erde

Im Gegensatz zum Mars geht es der Erde noch gut. Etwa 280 bis 360 Mal pro Erdjahr treffen bastketballgroße Gesteinsbrocken den Roten Planeten, die einen mindestens acht Meter breiten Krater hinterlassen. Auf unserem Heimatplaneten sind die Einschläge von Brocken aus dem Weltall seltener.

Die meisten Meteoriten, die in der heutigen Zeit auf die Erde fallen, stammen von lediglich drei Kollisionen im Asteroidengürtel, die in – astronomisch gesehen – jüngster Vergangenheit stattgefunden haben. Das haben zeigen Laboruntersuchungen und spektroskopische Beobachtungen eines internationalen Forscherteams gezeigt.

Drei Asteroiden-„Familien“ als Ursprung

Die Wissenschaftler hatten systematisch die Zusammensetzung von kleinen Himmelskörpern im Asteroidengürtel untersucht und mit jener von Meteoriten verglichen. So konnten sie drei „Familien“ von Asteroiden als Ursprung identifizieren, wie sie im Fachblatt „Nature“ berichten.

Die meisten Meteoriten stammen demnach aus dem Asteroidengürtelzwischen Mars und Jupiter und können mehrere Milliarden Jahre alt sein. Sie sind Überreste der Entstehung unseres Sonnensystems. Die Leuchterscheinung am Himmel nennt man Meteor.

Woher genau, war für einen Großteil der Gesteinsbrocken jedoch bislang unklar. „Bislang konnte erst für sechs Prozent aller Meteoriten der Ursprung festgestellt werden“, schreiben Mira Broz von der Karls-Universität in Prag und sein Team. Diese wenigen Meteoriten stammen vom Mond, Mars oder von dem Asteroiden Vesta.

Bruchstücke eines Meteoriten erreichten gegen 19.15 Uhr die Erde

Der Meteoritenteil traf erst das Dach und dann das Schlafzimmer des Hauses. Verletzt wurde aber niemand. „Es waren auch Personen in dem Gebäude, aber nicht innerhalb dieses Raumes“, sagt Benjamin Marx, der Einsatzleiter der Feuerwehr Koblenz.

Der Schaden wird heute bei Tageslicht noch einmal genauer begutachtet. Offen ist auch die Frage, ob weitere Meteoritenteile gefunden werden können. Weitere Schäden aus anderen Orten waren zunächst nicht bekannt. Nach Angaben von Marx hat sich der Himmelskörper in mehrere Teile aufgesplittert.

Meldungen über „hell leuchtenden Flugkörper“

Die Feuerwehr war mit mehreren Kräften in Koblenz im Einsatz und sicherte nach dem Einschlag zunächst die Lage. „Wir haben auf chemische Substanzen gemessen und nukleare Strahlung gemessen, da haben wir nichts festgestellt“, erklärt Marx.

Zunächst hatte der Feuerball am Himmel, dessen imposante Lichterscheinung weithin in Westdeutschland zu beobachten war, für viele Notrufe gesorgt. Auch ein lauter Knall war mancherorts zu hören.

Bürger hätten von einem „hell leuchtenden Flugkörper mit kurzem Feuerschein“ sowie einem „Feuerblitz am Himmel“ berichtet, teilt die Polizei in Kaiserslautern mit. Auch über eine Rakete sei spekuliert worden.

Nach dem aktuellen Stand der polizeilichen Erkenntnisse sowie in Abstimmung mit der Militärpolizei des US-Militärstützpunkts Ramstein gebe es „keinerlei Hinweise auf ein sicherheitsrelevantes Ereignis“, hieß es in einer Mitteilung am Abend.

Himmelskörper überflog halb Deutschland

  • Auch in Hessen sorgte das Ereignis für zahlreiche Notrufe bei der Polizei. So berichtet eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Westhessen von einem „ziemlich heftigen Anruferaufkommen“ am Sonntagabend.
  • In Darmstadt meldeten sich nach Angaben einer Polizeisprecherin sehr viele besorgte Anrufer, teils seien auch Befürchtungen geäußert worden, es könnte sich um eine Rakete handeln. Ähnliches berichten auch Polizeistellen in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.
  • Im niedersächsischen Stade rückten Feuerwehr und Polizei nach Meldungen über einen möglichen Absturz von Flugzeugteilen zu einem Großeinsatz aus, unterstützt wurden sie von einem Marinehubschrauber und einer Drohne der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft. Es sei nichts gefunden worden.
  • Auch im Raum Osnabrück berichteten nach Polizeiangaben Zeugen per Notruf von einem hellen Feuerball am Himmel, der anschließend zu Boden gestürzt sein soll. Die in die vermutete Absturzregion entsandten Einsatzkräfte fanden ebenfalls nichts. Auch in diesem Fall wurde von einem Meteoriten oder Weltraumschrott ausgegangen. Es gab keine Hinweise auf Schäden.
  • Ein Feuerball, der über den Himmel zieht – das war in Baden-Württemberg am Sonntagabend zu sehen. Dabei handelte es sich um einen hell leuchtenden Meteor. Auch in der Region Stuttgart war das Lichterspektakel sichtbar. Ein Video, das eine Augenzeugin um 18.55 Uhr auf der B27 bei Ludwigsburg aufgenommen hat, zeigt den hell leuchtenden Feuerball am Nachthimmel.

Aus großer Entfernung sichtbar

Die Feuerkugel am Himmel ist einer Expertin zufolge auch aus großer Entfernung noch sichtbar gewesen. Hunderte Kilometer entfernt habe man sie noch sehen können, berichtet Carolin Liefke, stellvertretende Leiterin am Haus der Astronomie in Heidelberg. Es habe auch Sichtungen in den Niederlanden, in Belgien, Frankreich oder der Schweiz gegeben.

Sie selbst habe den Himmelskörper zufälligerweise auch privat gesehen. Das sei „ein schönes Lichtspektakel“ gewesen. Man habe ihn über mehrere Sekunden hinweg beobachten können, erzählt Liefke.

Feuerbälle am Himmel

Trifft ein Meteoroid aus dem All auf die Lufthülle der Erde, zerfällt er oft in viele kleine Stücke. Manche davon verglühen, andere landen auf der Erde. Diese Brocken nennt man dann Meteoriten oder Meteoritenteile.

  • 2023, Elmhorn: In Deutschland fielen im April 2023 bei Elmshorn mehrere Teile eines Meteoriten zu Boden. Das größte Fragment war ein rund 3,7 Kilogramm schwerer Brocken, der von Wissenschaftlern untersucht und später ausgestellt wurde. Er galt damals als das schwerste gefundene Meteoritenstück seit rund 100 Jahren in Deutschland.
  • 2024, Berlin: Der winzige Asteroid 2024 BX1 war in der Nacht zum 21. Januar in der Nähe von Berlin verglüht und hatte dabei für ein spektakuläres Himmelsschauspiel gesorgt. Die Bruchstücke fielen im brandenburgischen Havelland zu Boden. Wissenschaftler und Sammler entdeckten danach zahlreiche Meteoriten.

Was man gegen anfliegende Asteroiden tun kann

Es muss nicht gleich ein mehrere Kilometer großer Himmelskörper sein, um verheerenden Schaden auf der Erde anzurichten. Auch der Einschlag eines Asteroiden von mehreren hundert Metern Größe würde bereits eine Katastrophe bedeuten.

Zum Glück gibt es keinen (bekannten) Brocken, der auf absehbare Zeit auf Crash-Kurs mit der Erde ist. Aber selbst wenn einer entdeckt worden wäre, hätte man bisher nur wenig gegen einen Deep Impact tun können. Man hätte nur die Stelle vorausberechnen können, wo er einschlägt, um dann die Gegend zu evakuieren, also die Bevölkerung aufzufordern, das bedrohte Gebiet zu verlassen.

Meteorit, Meteor, Asteroid, Komet

Meteorit Meteoriten nennt man die Brocken, die von einem Himmelskörper wie einem Asteroiden auf der Erdoberfläche ankommen. Meteoriten sind vergleichsweise winzige astronomische Objekte, die sich auf einer Umlaufbahn um die Sonne befinden und zum Teil auch die Erdumlaufbahn kreuzen. Ihre Größe variiert von einigen Millimetern bis zu etlichen Metern. Damit sind sie größer als interplanetarer Staub, aber deutlich kleiner als Asteroiden. Sie stammen von Asteroiden, Kometen, Zwergplaneten oder Planeten und sind durch Einschlag, Zusammenprall oder planetarische Anziehungskräfte herausgelöst und ins Weltall geschleudert worden.

Meteore Meteoriten, die in die Erdatmosphäre eintauchen, werden Meteore genannt. Durch das Verglühen von Luft, geladenen Teilchen, Wasser und Schwebeteilchen entsteht das charakteristische Leuchten am Nachthimmel. Größere Leuchtphänomene heißen Feuerkugeln oder Boliden, kleinere Erscheinungen Sternschnuppen.

Asteroid Ein Himmelskörper, der um die Sonne kreist und so klein ist, dass seine Schwerkraft zu schwach ist, ihn zu einer Kugel zu formen, ist ein Asteroid. Wäre er kugelförmig, dann wäre er ein Kleinplanet.

Komet Im Unterschied zu einem Asteroiden stößt ein Komet, wenn er der Sonne nahe kommt, Gase aus. Seinen Kopf umgibt dann eine Hülle, die Koma. Der Sonnenwind treibt die Gase von der Sonne weg, was als Schweif zu sehen ist. Asteroiden und Kometen sind Materialreste aus der Zeit der Entstehung des Sonnensystems.

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Erstellt:
9. März 2026, 13:06 Uhr

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