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Konkrete Brennpunkte vor großem Konzept

Weissacher Gemeinderat stellt umfassende Mobilitätsplanung zurück, um die akuten Vorhaben vordringlich anzugehen.

Im Rathaus in Weissach im Tal und im Gemeinderat macht man sich intensiv Gedanken darüber, welche Projekte im Rahmen einer Mobilitätsplanung am vordringlichsten sind. Foto: E. Layher

© Edgar Layher

Im Rathaus in Weissach im Tal und im Gemeinderat macht man sich intensiv Gedanken darüber, welche Projekte im Rahmen einer Mobilitätsplanung am vordringlichsten sind. Foto: E. Layher

Von Armin Fechter

WEISSACH IM TAL. Das von vielen Seiten wiederholt geforderte umfassende Verkehrskonzept für die Gemeinde ist fürs Erste noch einmal vertagt. Eine Mehrheit im Gemeinderat hat sich jetzt dafür ausgesprochen, vorab die konkret anstehenden Punkte zum Laufen zu bringen. Dabei geht es insbesondere um die Planungen für die Welzheimer Straße einschließlich Einmündung Jägerhalde. Im nächsten Schritt soll dann ein weiter greifendes Konzept diskutiert werden, das auch die Ortsteile einschließt.

Den Gemeinderatsmitgliedern brennen die Verkehrsprobleme unter den Nägeln. Deshalb fokussierte sich die Diskussion in der jüngsten Sitzung rasch auf die Frage, was zuerst gemacht werden soll – das umfassende Konzept, das laut Robert Wenzel vom Aalener Büro Brenner Bernard Ingenieure GmbH ab Beginn der ersten Analysen im Spätsommer oder Frühherbst ein Jahr in Anspruch nimmt, oder die bereits ausgemachten Brennpunkte, für die Planungen in der Schublade liegen. Planer Wenzel und Bürgermeister Ian Schölzel vertraten zwar die Auffassung, dass Maßnahmen, die demnächst in Angriff genommen werden, in das Gesamtkonzept einfließen könnten.

Doch viele Gemeinderatsmitglieder befürchten Verzögerungen. „Wir sollten keine Zeit verlieren bei der Realisierung der Brennpunkte“, sagte etwa Wilhelm König (UBL) und bekam Unterstützung von Irmgard Hestler (SPD): „Wir sollten endlich mal umsetzen, was wir schon wissen.“ Carl Höfer (CDU/FWV) sprach zudem die Befürchtung aus, dass das Gesamtkonzept zahlreiche Maßnahmen aufzeigt, für deren Umsetzung der Gemeinde am Ende das Geld fehlt. „Mit Vorratskonzepten sind wir oft schlecht gefahren“, mahnte er und plädierte dafür, den Auftrag für eine umfassende Planung, die laut Wenzel eine Perspektive bis zum Jahr 2035 einschließt und netto knapp 70000 Euro kostet, nicht zum jetzigen Zeitpunkt zu erteilen.

Luciano Longobucco (Liste Weissacher Bürger) wollte hingegen das Konzept sofort in Angriff nehmen. „Ich fände es schade, wenn es auf die lange Bank geschoben wird“, sagte er und fügte an: „Es tut not, umfassend hinzugucken.“ Dass es dabei ohnedies schon zu Verzögerungen gekommen ist, machte der Bürgermeister deutlich: Ursprünglich sollte das Thema bereits im März behandelt werden, dann hätten die Untersuchungen einschließlich einer Umfrage unter den rund 3000 Weissacher Haushalten im Frühjahr anlaufen können. Coronabedingt ist es dazu nicht gekommen. Deshalb ist laut Planer jetzt erst abzuwarten, bis sich die Verkehrsverhältnisse wieder normalisiert haben – was wohl erst nach der Sommerferienzeit der Fall sein würde. Wenzel will zusätzlich zu den gängigen Verkehrszählungen mithilfe der Haushaltsbefragungen auch ermitteln, welche Wege zurückgelegt und welche Verkehrsmittel dafür gewählt werden. Zudem sollen die Bürger eigene Anregungen geben.

Infrastruktur für Radfahrer und Fußgänger mit im Blick

Daraus soll dann ein integriertes Verkehrskonzept entstehen, das nicht nur den motorisierten Verkehr berücksichtigt, sondern auch eine Infrastruktur für Radfahrer und Fußgänger einbezieht. In diesem Zusammenhang soll auch die zunehmende „multimodale Mobilität“ ihren Platz bekommen, also der Aspekt der Nutzung unterschiedlicher Verkehrsmittel, um ein Ziel zu erreichen, bis hin zum Verzicht auf das eigene Auto. In einem Zwischenschritt ist dabei auch vorgesehen, ein Leitbild zu entwickeln, wie sich das Verkehrsgeschehen in der Gemeinde insgesamt weiterentwickeln soll. „Das ist kein Konzept für die Schublade“, sagte Wenzel, am Ende würden Maßnahmen vorgeschlagen, die kurz-, mittel- oder langfristig umgesetzt werden können.

„Wir verlieren keine Zeit“, räumte schließlich Schölzel ein, „wenn wir erst die anderen Planungen ansehen.“ Und so sah es auch Wilhelm König: „Wir vergeben uns nichts.“ Luciano Longobucco befürchtete unterdessen, dass der weiter greifende Ansatz komplett gekippt wird. „Will der Gemeinderat ein umfassendes Verkehrskonzept – ja oder nein?“, stellte er die Frage in den Raum und forderte eine Abstimmung. Carl Höfer hingegen beschwichtigte: „Die Mehrheit will es nicht jetzt, aber wir sind nicht komplett dagegen.“ So fiel dann auch die Entscheidung mit 13 zu drei Stimmen aus. Der Bürgermeister kündigte folglich an, in der nächsten Sitzung werde es um die akuten Brennpunkte gehen. Spätestens im September/Oktober komme aber das Konzept erneut auf die Tagesordnung.

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Erstellt:
14. Mai 2020, 11:30 Uhr

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