Noch eine rechte Partei in Italien

Konkurrenz von ganz rechts für Salvini und Meloni

Der rechtsextreme Ex-General Roberto Vannacci verlässt die Lega und gründet eine eigene Partei. Ein schwerer Schlag – nicht nur für Lega-Chef Matteo Salvini.

Roberto Vannacci kehrt der Lega Nord den Rücken zu.

© dpa/LaPresse via ZUM/Cecilia Fabiano

Roberto Vannacci kehrt der Lega Nord den Rücken zu.

Von Dominik Straub

„Ich habe dich gerne, aber meine Straße ist eine andere.“ Mit dieser SMS hat der „Generalissimo“, wie Vannacci von seinen Anhängern genannt wird, seinem bisherigen Parteichef Salvini seinen Abschied mitgeteilt. Überraschend kam der Schritt nicht: Einige Tage zuvor hatte der 57-jährige ehemalige Fallschirmjäger-General den Namen seiner zukünftigen Partei, Futuro Nazionale, registrieren und schützen lassen. Vannacci, der bei den Europawahlen 2024 als Parteiloser auf der Liste der Lega mit über 400 000 Stimmen bestgewählter italienischer Europaabgeordneter wurde, war bis Mittwoch einer der Vizepräsidenten der Lega gewesen.

Ein Recht auf öffentlichen Hass?

Der Ex-General war im Herbst 2023 mit seinem Bestseller „Il Mondo al Contrario“ zur nationalen Berühmtheit geworden. In seinem Pamphlet rechnet er mit allen ab, die in seinen Augen für diese „verkehrte Welt“ – so die Übersetzung des Buchtitels – verantwortlich sind: mit der „Schwulen-Lobby“, den Feministinnen und den Migranten. „Ich beanspruche für mich das Recht, meinen Hass und meine Geringschätzung öffentlich ausdrücken zu dürfen“, schrieb der General und Mussolini-Fan in einer Schlüsselpassage seines Buchs. Homosexuelle sind laut Vannacci „nicht normal“, dunkelhäutige Italienerinnen mit Migrationshintergrund keine richtigen Italienerinnen.

Lega-Chef Salvini, politisch ähnlich radikal wie Vannacci, hatte den rassistischen und homophoben Ex-General gegen alle Widerstände in seiner Partei auf die Listen gehievt, in der Hoffnung, das sich abzeichnende Wahldesaster der Lega bei der Europawahl zu verhindern. Das war einigermaßen gelungen, aber der Preis war hoch: Mit der Kandidatur Vannaccis hatte Salvini seine Partei einer Zerreißprobe ausgesetzt. Denn nicht alle Spitzenvertreter der Lega teilen die Ansichten des Ex-Generals. Vor allem die prominenten und beliebten Zugpferde der einst separatistischen Partei im Norden wie Luca Zaia im Veneto oder Attilio Fontana in der Lombardei forderten schon eine Weile den Rauswurf des Ex-Generals.

Dass Vannacci von selber geht, ist eine schwere Schlappe für Parteichef und Vizepremier Salvini: Er hat wieder mal aufs falsche Pferd gesetzt. Aber nicht nur das: Mit seiner Partei dürfte der Ex-General bei kommenden Wahlen zu einem unbequemen Konkurrenten werden. Außerdem dürfte in den nächsten Tagen auch der eine oder andere bereits gewählte Lega-Parlamentarier zu Futuro Nazionale überlaufen. „Ich dachte, als ehemaliger General habe Vannacci ein Ehrgefühl“, erklärte Salvini gestern in einer Mischung aus Enttäuschung und Wut.

Putin-Verehrer, Mussolini-Fans

Aber auch Ministerpräsidentin Giorgia Meloni kann keine Freude an der neuen Partei haben: Auch unter den Wählerinnen und Wählern ihrer postfaschistischen Partei Fratelli d’Italia könnten einige bei Vannacci eine neue politische Heimat finden – besonders diejenigen, die vom moderaten Kurs der Regierungschefin der letzten über drei Jahre enttäuscht sind. Vannaccis Partei könnte bei den im Jahr 2027 anstehenden Parlamentswahlen sogar dazu führen, dass die Rechtskoalition aus Fratelli d’Italia, Lega und der früheren Berlusconi-Partei Forza Italia entgegen der bisherigen Prognosen in Bedrängnis kommen wird. Den Putin-Verehrer Vannacci einfach in die Koalition aufzunehmen, verbietet sich, weil damit Melonis moderates und Nato-freundliches Profil dahin wäre.

Allerdings bleibt abzuwarten, wie erfolgreich Vannaccis Futuro Nazionale bei der Wählerschaft tatsächlich sein wird. Im Moment trauen die Demoskopen dem General zwei bis drei Prozent zu, was der Rechtskoalition tatsächlich die Wiederwahl kosten könnte. Aber das kann sich noch ändern. Denn in Italien buhlt schon jetzt eine rekordverdächtige Menge post- und neofaschistischer Gruppen um die Gunst der Rechtswähler. Neben den Fratelli d'Italia und der Lega gibt es unter anderem die Duce-Nostalgiker von Forza Nuova und neofaschistische Casa Pound, um nur die bekanntesten zu nennen.

Sie alle fristen ein Nischendasein, und dasselbe könnte auch dem Generalissimo blühen. Er wäre nicht der Erste, der mit einem politischen Alleingang scheitert.

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Erstellt:
4. Februar 2026, 16:46 Uhr
Aktualisiert:
4. Februar 2026, 17:01 Uhr

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