Waldbrände fachen Gewalt an

Konstanzer Studie zeigt: Schlechte Luft macht aggressiv

Eine neue Studie belegt, wie Luftverschmutzung die Zahl von Gewaltverbrechen signifikant steigert. Sogar die Polizei schlägt demnach bei Waldbränden eher mal zu.

Auch in Europa – wie hier in Thüringen – kommt es immer häufiger zu Waldbränden.

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Auch in Europa – wie hier in Thüringen – kommt es immer häufiger zu Waldbränden.

Von Eberhard Wein

Wenn die Rauchschwaden eines Waldbrandes herüber wehen, dann herrscht dicke Luft in Seattle – und zwar auch im übertragenen Sinne. Das hat der Konstanzer Politikwissenschaftler Leon Kircheis jetzt in einer Fallstudie nachgewiesen.

Zwischen 2013 und 2023 untersuchte er den Zusammenhang zwischen Waldbränden und der Häufigkeit von Gewaltverbrechen in der US-Großstadt. Ergebnis: Waldbrandtage hinterließen eine kleine, aber nicht zu leugnende Spur in der Kriminalitätsstatistik. Über den gesamten Zeitraum fiel die Rate an Gewaltverbrechen um durchschnittlich 3,6 Prozent höher aus als an Tagen mit reiner Luft. Bei einer Stadt in der Größe von Seattle (730 000 Einwohner) sei das eine Gewalttat mehr pro Tag, sagt Kircheis.

Gereizte Augen, gereizter Geist

Die statistische Häufung sei nicht hoch, aber konsistent. Interessant: Die Zunahme war nur auf der Straße messbar, wo man dem Rauch ausgesetzt war. Die Zahl häuslicher Notrufe blieb hingegen konstant. Und auch den Polizisten rutschte an rauchverhangenen Tagen eher mal der Schlagstock aus. Kircheis fand dann mehr Fälle von polizeilicher Gewalt in den Protokollen. „Die Daten zeigen: Es herrschte eine gereiztere Stimmung.“

Einen direkten medizinischen Nachweis darüber, wie sich Rauch in der Luft auf den menschlichen Körper auswirke, liefere die Studie nicht, räumt der Politologe ein.

Aber sie belege, was er selbst bei einem Waldbrand erlebt habe: „Es ist einfach unangenehm: ein Kratzen im Hals, Tränen in den Augen.“ Auch er habe sich leichter reizbar gefühlt. Ab welcher Schadstoffkonzentration Streit in der Luft liegt, lässt die Studie offen. Die Ergebnisse seien aber über Seattle hinaus relevant und lieferten „einen weiteren guten Grund, den Klimaschutz zu intensivieren“, glaubt Kircheis. Auch in Europa stünden immer öfter Wälder in Flammen.

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Erstellt:
24. März 2026, 13:26 Uhr

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